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Duisburg
Geologen erhoffen sich viele neue Erkenntnisse

Duisburg: Geologen erhoffen sich viele neue Erkenntnisse
Die Geologin Dr. Bettina Dölling ist für die wissenschaftliche Begleitung der Bohrung in Walsum verantwortlich. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Die Bohrungen des Geologischen Dienstes NRW in Walsum haben begonnen. In 15 Meter Tiefe hat es das Großgerät bereits geschafft. Von Sandra Kaiser

Seit Montag gräbt sich auf dem Gelände des Bürger-Schützenvereins Aldenrade-Fahrn an der Kurfürstenstraße ein großer Bohrer ins Erdreich. Dr. Bettina Dölling vom Geologischen Dienst NRW, die für die wissenschaftliche Begleitung der Bohrung zuständig ist, machte sich gestern ein Bild von den laufenden Arbeiten und zeigte sich zufrieden: "Nach anfänglichen Startschwierigkeiten läuft es jetzt. 15 Meter sind bereits geschafft."

Es gab anfangs Probleme, so die Geologin, "weil man an dieser Stelle zunächst auf alte Rheinablagerungen trifft, die sehr kiesig sind. Das hat uns am Anfang einige Schwierigkeiten bereitet." Interessant wird es für sie und ihre Kollegen, wenn der Bohrer die Schicht darunter erreicht. "Dann kommt man in zirka 30 Millionen Jahre alte Ablagerungen aus der Tertiär-Zeit. Die interessieren uns im Speziellen. Und deswegen haben wir auch den Bohrpunkt hier angesetzt, weil hier Tertiärablagerungen noch in relativ großer Mächtigkeit vorhanden sind", so Dölling. Anschließend, in zirka 60, 70 Metern Tiefe, gelangt man in die Schichten aus der Kreide-Zeit, die vor 65 Millionen Jahren endete. "Hier in Walsum sind mit die jüngsten Ablagerungen, die wir in NRW von der Kreide haben: Sie sind 80 Millionen Jahre alt", erläutert Dölling. Sie kann es kaum erwarten, bis sie in schätzungsweise fünf Wochen den 160 Meter langen Bohrkern mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern vor sich liegen hat und mit den Untersuchungen beginnen kann. "Wir versprechen uns sehr viel von den Bohrungen hier", sagt sie.

Der Geologische Dienst NRW hat seinen Sitz in Krefeld; er ist die zentrale geowissenschaftliche Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen und erforscht seit mehr als 50 Jahren den Untergrund im gesamten Bundesland. Seine Erkenntnisse zur Schichtenabfolge, Gesteinszusammensetzungen und deren Eigenschaften stellt er der Politik, der Verwaltung, der Wirtschaft und der Allgemeinheit zur Verfügung. Auch betreibt er ein Erdbebenüberwachungssystem.

"Die Bohrung in Walsum", erläutert Geologe Dr. Martin Hiß, "gehört zu einem großangelegten Kartierprojekt im Ruhrgebiet. Vor fünf Jahren haben wir in Dortmund angefangen und arbeiten uns seitdem in Richtung Westen vor." Ziel sei es, flächendeckend aktuelle Geodaten über das Ruhrgebiet zu sammeln und diese in ein Geo-Informationssystem einfließen zu lassen, aus dem ein 3D-Untergrundmodell des Ruhrgebiets entwickelt werden soll.

"Unsere Daten sind beispielsweise unverzichtbar für die Nutzung von Erdwärme", sagt Dölling. "Hier ist es sehr wichtig zu wissen, wie die Gesteinszusammensetzung ist." Auch sei die Arbeit des Geologischen Dienstes wichtig für den Schutz des Grundwassers: "Wir erkennen etwa, ob eine Grundwasser führende Schicht durchgeht oder ob es Brüche in den Gesteinsschichten gibt, verursacht beispielsweise durch Erdbeben oder Bergsenkungen. Und wir erkennen, ob eine Grundwasser führende Schicht durch eine dichte Schicht bedeckt ist. Das ist wesentlich, wenn etwa oben ein Acker gedüngt werden soll. "Studenten nutzen unsere Bohrkerne gerne für Abschlussarbeiten", so Dölling, die betont: "Für uns ist das ein großer Vorteil, denn sie untersuchen Details, die wir oft gar nicht untersuchen können."

Gibt es denn nicht schon genug Daten zur Beschaffenheit des Untergrundes, gerade im Ruhrgebiet? "Natürlich gibt es die", sagt Geologe Hiß. Aber die Daten aus dem Bergbau seien teilweise schon 100 Jahre alt oder älter. "Sie haben nicht den Stand, den wir heute brauchen." Und es geht den Wissenschaftlern in diesem Projekt auch gar nicht um die Steinkohle, die in Walsum in 300 bis 350 Metern Tiefe liegt, sondern um das, was sich darüber befindet: die so genannten Deckschichten.

Dank der neun Bohrkerne, die das Team seit 2011 in Dortmund, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Bottrop, Oberhausen und Essen erbohren ließ, konnte es bereits viele interessante Erkenntnisse gewinnen. "Sie geben Auskunft über 315 Millionen Jahre Erdgeschichte", schwärmt Dölling. In Essen beispielsweise sei man auf Gesteinstypen gestoßen, "von denen wir gar nicht wussten, dass es sie dort gibt". Man darf also gespannt sein, worauf die Geologen in den nächsten Wochen noch in Walsum stoßen werden.

Quelle: RP
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