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Innenansichten Das Bethesda Krankenhaus
Hepatitis ist noch immer ein Tabuthema

Innenansichten Das Bethesda Krankenhaus: Hepatitis ist noch immer ein Tabuthema
Mithilfe von Ultraschall untersucht Chefarzt Dr. Abdurrahman Sagir die inneren Organe einer Patientin.
Duisburg. Rund 500 000 Menschen sind in Deutschland an Hepatitis erkrankt. In der Gastroenterologie des Bethesda Krankenhauses hat man sich auf die Behandlung von Hepatitis B, C und D spezialisiert. Die Therapie erfolgt in der Regel ambulant. Von Cornelia Brandt

Die Leber ist die größte Drüse in unserem Körper. Sie spielt eine tragende Rolle für unseren Stoffwechsel, filtert giftige Stoffe und baut diese ab, speichert Vitamine, bildet lebenswichtige Eiweißstoffe und Stoffe zur Blutgerinnung und ist an der Regulierung unseres Wasser- und Mineralhaushaltes beteiligt. Bei einem erwachsenen Menschen wiegt die Leber rund 1,5 Kilogramm.

Wird dieses Organ jedoch krank, kann das schwerwiegende Folgen für die betroffenen Menschen haben. Ein großes Risiko für eine Leber-Erkrankung birgt zum Beispiel die Infektion mit Hepatitis-Viren. Wer sich mit einem Hepatitis-Virus infiziert und daraufhin erkrankt, benötigt eine möglichst frühzeitige, umfassende und individuelle Hilfe. Denn ansonsten kann diese Krankheit sogar zu dauerhaften Schäden führen oder im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Folgen für die erkrankten Menschen haben. In der Medizinischen Klinik II, in der Gastroenterologie des Bethesda Krankenhauses, haben Chefarzt Dr. Abdurrahman Sagir und sein Team sich auf die ambulante Betreuung von Patienten, die an den Hepatitis-Formen B, C oder D erkrankt sind, spezialisiert.

Schutz vor Hepatitis A bietet eine Impfung, die meist mit der Impfung gegen Hepatitis B kombiniert werden kann.

"Hepatitis ist ein Thema, das sehr viele Menschen betrifft", erklärt Dr. Sagir. Das bestätigen auch die Zahlen der Hepatitis-Ekrankungen in Deutschland: Rund 500 000 Männer und Frauen sind hier an Hepatitis B erkrankt. Etwa 800 000 Menschen tragen das Hepatitis-C-Virus in sich und rund 50 000 sind mit dem Hepatitis-D-Virus infiziert. "Wir möchten das Thema Hepatitis aus der Tabuzone holen", betont der Chefarzt.

Was ist aber der Unterschied zwischen den verschiedenen Hepatitis-Erkrankungen? "Hepatitis wird durch unterschiedliche Viren ausgelöst", erklärt Dr. Sagir. Jede Form der Hepatitis wird auf einem anderen Weg übertragen und bedarf einer besonderen und individuellen Behandlung. Hepatitis A wird auch als "Reisekrankheit" oder Gelbsucht bezeichnet, weil die Infektion häufig durch schlechte hygienische Zustände in fremden Ländern begünstigt und über verunreinigte Lebensmittel und verkeimtes Wasser übertragen wird. Hepatitis A kann nicht chronisch werden und heilt in der Regel nach kurzer Zeit von alleine wieder aus. "Schutz vor Hepatitis A bietet eine Impfung, die meist mit der Impfung gegen Hepatitis B kombiniert werden kann", erläutert Dr. Sagir.

Bei Hepatitis B erfolgt die Ansteckung über verschiedene Körperflüssigkeiten wie etwa Blut, Speichel oder Sperma. Hepatitis B ist nicht nur besonders ansteckend. Typisch ist auch, dass sie bei vielen Betroffenen nahezu ohne Symptome verläuft und diese gar nicht bemerken, dass ihnen etwas fehlt. Und dennoch können sie andere Menschen anstecken. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Krankheit in rund zehn Prozent der Fälle chronisch wird, was bedeutet, dass das Virus sechs Monate nach der Infektion noch nachweisbar ist. "Wer chronisch an Hepatitis B erkrankt, benötigt eine umfassende Behandlung", sagt Dr. Sagir.

Die schwerwiegendste ist die Hepatis-D-Infektion. Sie kann in kurzer Zeit zu einer Vernarbung der Leber führen. An einer so genannten Zirrhose sterben jährlich allein in Deutschland rund 14 000 Menschen.

Wie sie müssen auch Patienten, die an Hepatitis C erkranken, rechtzeitig und gründlich behandelt werden. "Viele der Menschen, die das Hepatitis-C-Virus in sich tragen, haben sich vermutlich über Bluttransfusionen infiziert", erklärt Dr. Sagir. Denn vor 1990 war der Erreger nahezu unbekannt. Heutzutage werden Blutprodukte grundsätzlich auf dieses Virus untersucht. Weil auch Hepatitis C eine chronische Krankheit mit den Folgen von Leberzirrhose oder -krebs werden kann, setzt man im Bethesda auf eine individuelle Behandlung. Sie bildet einen Schwerpunkt in der ambulanten Betreuung der Gastroenterologie, die eine Therapieermächtigung für die viralen Hepatitis-Erkrankungen B, C und D besitzt.

"Häufig sind die Beschwerden, also die Symptome, unter denen die Patienten leiden, sehr unspezifisch", erklärt der Chefarzt. Das können zum Beispiel Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Bauchbeschwerden oder Juckreiz sein - Beschwerden also, die auch im Zusammenhang mit ganz anderen Erkrankungen auftreten können, und nicht gleich auf eine Hepatitis schließen lassen. Aus diesem Grund wird die Erkrankung bei zahlreichen Betroffenen erst relativ spät erkannt.

In vielen Fällen geht der eigentlichen Diagnose eine Zufallsdiagnose voraus, wenn der Hausarzt zum Beispiel durch eine - eigentlich aus ganz anderen Gründen durchgeführte - Blutuntersuchung zufällig herausfindet, dass sich der Patient mit einem Hepatitis-Virus infiziert hat.

Quelle: RP
 
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