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Einzelhandel in Duisburg
Ladendiebe verursachen 16 Millionen Euro Schaden

Ladendiebe verursachen in Duisburg 16 Millionen Euro Schaden
Im vergangenen Jahr bearbeitete die Duisburger Polizei 3615 Anzeigen wegen Ladendiebstahls. FOTO: dpa, hpl vbm fux
Duisburg. Der Einzelhandel investiert Millionen in den Sicherheitsschutz, der immer zuverlässiger wird. Aber auch die Diebe finden immer neue Ideen, um diese Systeme auszutricksen. Von Hildegard Chudobba

Beim Bezahlen des nicht gerade preiswerten Fußball-T-Shirts weist die Kassiererin darauf hin, dass vor dem ersten Waschen unbedingt eines der Etiketten, gekennzeichnet und eingenäht, herausgetrennt werden müsse. Geschehe das nicht, werde die Waschmaschine beschädigt. Das sei ein Schutz vor Ladendieben, erklärt die Frau.

Solche Sicherheitsmechanismen scheinen immer nötiger zu sein, um Langfingern die Arbeit zu erschweren. Denn sie richten Jahr für Jahr im Handel enormen Schaden an. Im vergangenen Jahr bearbeitete die Duisburger Polizei 3615 Anzeigen wegen Ladendiebstahls - mit Erfolg, denn 94 Prozent wurden aufgeklärt. Wie viele Geschäfte allerdings tatsächlich beklaut wurden, geht aus diesen Zahlen nicht hervor. Denn die Dunkelziffer ist hoch. Der Einzelhandelsverband Duisburg-Niederrhein schätzt, dass nur jeder 20. Diebstahl überhaupt angezeigt wird. Denn die Taten geschehen meist unbemerkt vom Personal und fallen erst viel später auf. Die hohe Aufklärungsquote lässt sich genau damit auch erklären: Wird ein Ladendieb ertappt, wird er in der Regel gleich mit der Anzeige an die Polizei übergeben.

Ladendiebe treten oft in der Gruppe auf

Der Einzelhandelsverband hat nach Angaben seines Geschäftsführers Wilhelm Bommann durch eine Mitgliederbefragung ermittelt, dass der Schaden durch Ladendiebstähle in Duisburg zuletzt bei einem Jahresbetrag von rund 16 Millionen Euro gelegen hat. Dazu kommen rund sieben Millionen, die die Geschäftsbesitzer direkt in Sicherheit investiert haben, sei es in Videoüberwachung oder auch in Sicherheitspersonal. Eigene Sicherheitsdienste leisten sich wegen der Kosten allerdings nur die Großen der Branche. Der kleinere Händler versucht hingegen eher, sich mit speziellen Etiketten auf der Verpackung oder Ware vor den Langfingern zu schützen. Oder sie helfen sich anders, indem sie zum Beispiel in die vor ihrem Geschäft stehenden Verkaufsstände nur leere Verpackungen legen oder im Laden pro Modell nur einen Schuh statt des Paares ins Regal stellen.

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Oft treten Ladendiebe in der Gruppe auf. Einer lenkt das Verkaufspersonal ab und die anderen stecken ein, was sie kriegen können. Erschreckend für den Handel: Werden Ladendiebe erwischt, so wehren sie sich meist mit allen Mitteln, werden immer brutaler und ziehen in dem einen oder anderen Fall sogar ein Messer oder eine andere Waffe, um frei zu kommen. Wer mag es einer Verkäuferin verübeln, wenn sie einen drogenabhängigen Ladendieb (Beschaffungskriminalität spielt beim Diebstahl eine große Rolle) laufen lässt, weil er ihr eine Spritze an den Hals hält?

Weniger Kinder unter den Dieben

Geklaut wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist, vor allem aber kleinere Teile, die sich unauffällig in Handtaschen oder Kleidung verstecken lassen. Manche Diebe tragen bei ihrem Beutezug sogenannte Klauschürzen, weiß die Polizei. Das sind Taschen aus Stoff, die unauffällig an oder unter der Oberbekleidung befestigt sind. Vor einigen Wochen nahm die Polizei beispielsweise zwei Männer fest, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzen und sich mehrfach präparierte Taschen vollstopften, überwiegend mit Kosmetikartikeln, die sie später auf Flohmärkten verkaufen wollten. Die Behälter seien mit Alufolie aufgekleidet gewesen, um zu verhindern, dass die Sicherheitsschleusen am Ausgang anschlagen. Doch diese Tricks kennen auch die Ladendetektive und Sicherheitsdienste, die immer häufiger darum bitten, dass Kunden am Ausgang ihre Taschen öffnen oder schon beim Betreten des Ladens darauf hingewiesen werden, erst gar keine mit ins Geschäft zu nehmen.

Überblick: Diese Waren klauen die Deutschen FOTO: gms

Dass vermehrt Kinder zum Diebstahl eingesetzt werden, kann die Polizei derzeit nicht bestätigen. Die Zahl der erwischten sogenannten Klau-Kids sei deutlich gesunken. Einen Grund dafür kann sie nicht nennen. Möglicherweise liegt es daran, dass dieses Problem vor einiger Zeit in der Innenstadt noch sehr groß und bekannt war und diesen jungen Dieben daher viel mehr Aufmerksamkeit zukam, als sie es gebrauchen konnten.

Mehrfach vorgekommen ist in unserer Stadt, dass sich vermeintliche Kunden in einem Lebensmittelgeschäft den Einkaufswagen vollpackten und dann ganz dreist durch den Kassenbereich zum Parkplatz gingen, wo ein Komplize mit laufendem Motor schon wartete und die Ware blitzschnell abtransportierte. Und vielen anständigen Kunden wird es vielleicht schon mal aufgefallen sein, dass bisweilen leere Verpackungen hinter den Waren in den Regalen liegen. Die Ladendiebe haben einfach den Inhalt eingesteckt und den Karton mit der Diebstahlsicherung im Etikett leer zurückgelassen.

Quelle: RP
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