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Duisburg
Ruhrort ließ es richtig knallen

Fotos: So schön war das Feuerwerk beim Hafenfest Ruhrort
Fotos: So schön war das Feuerwerk beim Hafenfest Ruhrort FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Das Feuerwerk gehört zu den Höhepunkten des Hafenfestes. Bei dem gab es in diesem Jahr allerdings auch einen ungeplanten Knaller, und zwar bei einem großartigen Experiment. Von Olaf Reifegerste

Ein gigantisches Höhenfeuerwerk "Ruhrort in Flammen" beeindruckte die Zuschauer noch mehr als in der Vergangenheit und war das unbestrittene Highlight am Eröffnungsabend des Hafenfestes. Ab 22 Uhr ging nichts mehr: Kein Auto kam mehr in den Stadtteil rein, die Friedrich-Ebert-Brücke war gesperrt und der Fahrzeugverkehr wurde ab Oberbürgermeister-Lehr-Brücke bis zum Verteilerkreis umgeleitet. Auf der Hafenpromenade, der Mühlenweide, der Dammstraße und rund um den ehemaligen Eisenbahnhafen waren inzwischen zehntausende Besucher angekommen, die fröhlich und ausgelassen bis nach Mitternacht zusammen feierten.

Ruhrort in Flammen - das war auch in diesem Jahr wieder ein Spektakel, dass sich tausende Duisburger nicht entgehen ließen. Das heute endende Hafenfest bot allerdings auch noch andere Gründe, in den Hafenstadtteil zu kommen. FOTO: Christoph Reichwein

Ganz anders, nämlich eher ruhig, war der traditionsreiche Schiffergottesdienst Stunden zuvor mit den Pfarrern Klaus Fleckner, Schifferseelsorger Frank Wessel, Pater Norbert Siwinski und Schifferpastor Werner Paquet. Nach Flötenmusik, Gebeten und dem Auftritt des Hafenchores unter der Leitung von Walter Pavenstedt ("Mister Hafenfest") folgte das ausgelassene Kontrastprogramm. Die 22. Hafenfestausgabe sei "kompakter" geworden, sagt Pavenstedt. "Wir sind näher zusammengerückt: die Kirmes, die Kultur und das Kulinarische." So wurde das sogenannte neue "Flaggschiff", die ehemalige Großbühne auf dem Richard-Hindorf-Platz, mitten in die Kirmes gepackt. Hier traten vor allem die "Headliner" auf, wie beispielsweise der Schlagerstar Linda Hesse mit ihrer Band. Eines der "Opfer" dieser Lageveränderung ist der ehemalige "Gourmet-Garten" mit der "Ruhrorter Lounge" auf dem Richard-Hindorf-Platz, den so mancher früher als Rückzugsraum nutzte.

Als Pendant zum "Flaggschiff" bot das neue "Beiboot", sprich die kleinere Bühne vor der Schifferbörse, erneut eher kleinformatigere Konzertkost. Hier begeisterte vor allem die Band "The Secret". Die Schützenvereine, die immer montags ihren Aktionstag hatten, fehlten diesmal ebenso, wie das beliebte "Drachenbootrennen" im Hafenmund am Samstag und leider auch die junge Tanzszene.

Immer samstags auf dem Neumarkt meldet sich der Kiez mit seinem "Ruhrorter Lichtermeer" beim Hafenfest zu Wort. Organisiert wird das Nachbarschaftstreffen von "FaiR" ("Familie in Ruhrort"). Zu diesem Zeitpunkt sind nämlich schon die Marktstände für den sonntäglichen "Kunst- und Kulturmarkt" aufgebaut, wo verschiedene Ruhrorter Vereine, kirchliche Einrichtungen, Organisationen und Künstler vielfältige Aktionen für die ganze Familie anboten. Ab 20 Uhr gab es Live-Musik. Und noch etwas später, als es dunkel wurde und die vom Künstler Heinz Martin gestaltete Lichtinstallation einsetze, der Kunst-Brunnen leuchtete, der Schachtzeichenballon erstrahlte und viele am Neumarkt angrenzende Häuserfassaden, ob durch Stadtwerke oder Anwohner, illuminiert wurden, stellte sich das Gefühl ein, eher auf einer sommerlich mediterran anmutenden Piazza zu sein, als in Duisburg. Weiter ging es am Sonntag mit Kirmes und Fischmarkt, einem Seniorennachmittag und dem Abschlusskonzert von "The Sonny Boys".

An den Festtagen spielten teils unfreiwillige Ereignisse mit dem Anfangsbuchstaben "K" rund um das Fest eine besondere Rolle: So gab es jede Menge Kunst zu sehen und viele Konzerte zu hören. Ein riesiges Kulturprogramm wurde aufgelegt und ein großes Kinderfest im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt veranstaltet. Auf der Mühlenweide war die Kirmes mit neun Großfahrgeschäften untergebracht und vielen Karussells für Kinder. Entlang der Hafenpromenade boten Stände und Buden viel Kulinarisches, darunter auch Kaffee, Kuchen und Kekse, aber auch Kommunikation.

Und es gab darüber hinaus auch Kurioses - so bei des Vorführung des sogenannten "Magdeburger Halbkugel"-Experiments. Eine Kugel, bestehend aus zwei Hälften, wird allein durch Luftdruck so stark zusammengehalten, dass selbst immense Kräfte auf die Hälften einwirken und diese nicht auseinanderziehen können. Was in Magdeburg mit 16 Pferden wohl stets eindrucksvoll bestätigt wird, geriet auf dem Ruhrorter Hafenfest im wahrsten Sinne des Wortes aus den Fugen. Denn hier zogen jeweils an einer Seite ein Löschboot der Duisburger Feuerwehr und die "HAFAG 38" mit dem Ergebnis, dass nicht nur die Kugel auseinandergerissen wurde, sondern die beiden Halbkugeln dabei derart beschädigt wurden, dass sie kurzerhand repariert werden mussten.

Zu sehen war das Spektakel gut in Höhe der Hafenkneipe "Zum Hübi" an der "Horst-Schimanski-Gasse" liegt. Witzbolde hatten die Gasse kurzerhand in "Horst-Schlämmer-Gasse" umbenannt. Nicht nur witzig, sondern zudem auch äußerst kreativ hatte in der Nacht zum Freitag die Ruhrorter Strickguerilla wieder zugeschlagen und alles zugenäht, zugehäkelt und zugestrickt. Rund 70 Wimpel stellten die Aktivistinnen allein für den Neumarkt her. Als Applikationen zu sehen: Steuerräder, Anker, Totenköpfe und auch ein Wal. Das Wal-Motiv wiederum tauchte auch auf als Bildhauerprojekt "Rhineheart" des Künstlers Jörg Mazur und als Videoinstallation "Gestrandet" des Künstlers Michael Nowottny. Er drehte einen Film, der an 1966 erinnert, als sich im Ruhrorter Hafen ein Belugawal verirrte.

Quelle: RP
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