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Duisburg
Spannende Gesten des Wegwischens

Duisburg. Einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Mitglieder des Kunstvereins Duisburg gibt die Ausstellung "ganz frei2", die am kommenden Sonntag eröffnet wird. Zu sehen sind Malereien, Skulpturen, Installationen und Fotografien. Von Cornelia Brandt

Ganz traurig blickt er drein, der Clown, der auf riesigen Kohlezeichnung zu sehen ist. Gleich daneben ein anderes Bild, ebenfalls in schwarz-weiß, das in Großaufnahme eine Hand zeigt, die eine andere hält. Deutlich zeichnet sich die faltige Haut ab und erzählt vom Alter der Personen. Ein paar Meter weiter zwei farbige Gemälde, die den Blick vom Innenhafen aus in Richtung Schwanentor erahnen lassen.

Rechts im Bild der alte RWSG-Speicher, in dem gerade das Landesarchiv entsteht, am gegenüberliegenden Ufer die Silhouette der Salvatorkirche. Am kommenden Sonntag, 15. Dezember, um 11 Uhr, eröffnet der Kunstverein Duisburg seine diesjährige Mitgliederausstellung "ganz frei2", die einen Einblick in die Arbeit von 68 Künstlern gibt, darunter abstrakte und fotorealistische Malereien, Skulpturen, Installationen, Fotografien und Collagen.

"Wir sind im vergangenen Jahr enorm gewachsen", stellt Herbert Gorba, Erster Vorsitzender des Vereins, fest. "Einige Mitglieder sind gegangen, 44 neue dazugekommen. Insgesamt sind wir jetzt rund 110." Doch versteht sich der Verein nicht als reine Künstlervereinigung. Auch Förderer, Galeristen und Sammler sind unter den Mitgliedern. Ebenfalls gewachsen ist die Anzahl der Ateliers im Hof. Mit den sechs neu hinzugekommenen finden sich dort jetzt 24 Wirkungsstätten für Kreative. "Wir könnten noch weitere vier oder fünf Ateliers vermieten, aber da ist kein Platz mehr. Sogar aus Düsseldorf bekommen wir Anfragen", berichtet Gorba. Dies liege nicht allein an den in Duisburg günstigeren Mieten, sondern insbesondere daran, dass "hier Eindrücke und Inspirationen vorhanden sind".

Genau dies spiegelt auch die Vielfalt der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten wider. So hat etwa Iris Weissschuh in abstrakter Form Ölfarben auf Leinwand aufgetragen, in denen sich deutlich die Gesten des Wegwischens erkennen lassen, die eine ganz besondere Form der Spannung entstehen lassen. Ein sehr plastisches Material hingegen ist die Glasarbeit von Karin Heissen, der die glatte Fläche nicht reicht, und die deshalb brechende Elemente, die den Blick auf sich ziehen, in ihre übermannshohe Arbeit mit einfließen ließ. Auch eine Installation und doch ganz anders sind die Schweißermasken des Künstlers Rainer Höpken, die er auf einer Teerpappe vom Kauengebäude des Bergwerks Lohberg montiert hat. "Was bleibt ist die Zukunft", kann der Betrachter hinter den Visieren der Masken lesen, wenn er neugierig genug ist, um "hinter die Fassade" zu blicken. Die von Höpken verwendeten Materialien sind zu einem Großteil Fundstücke aus seinem Besuch der Baustelle an einer Kirche.

Sehr suggestiv wirken die Fotoarbeiten von Wolfgang Nicht. Meint der Betrachter aus der Ferne, einen Wald aus grauen Baumstämmen vor grünem Hintergrund zu sehen, so könnte es sich aus der Nähe betrachtet genau so gut um Haare handeln, die aus der Kopfhaut wachsen. Nahezu fotorealistisch sind die farbenfrohen Porträts von Klaus Otto und das in zurückhaltenden Brauntönen gehaltene Bild von Ulrich Endrun, in dem er seine Mutter im Alter von 17 Jahren zeigt.

Eingerahmt wird die Ausstellung durch ein spannendes, ebenfalls künstlerisches Rahmenprogramm. So präsentiert sowohl zur Eröffnung als auch bei der Finissage Martina Gorba unter dem Titel "ART - de - la - cuisine - manufaktura - LEBENsART MG" himmlische Aromen für raffinierte Genüsse, die alle aus ihrem eigenen Garten stammen. Actionpainting von Karin Daunheimer ist bei der Finissage im Februar zu sehen. Dabei wird die Künstlerin von Daniel Brandl auf dem Cello begleitet.

Die Ausstellung "ganz frei2" wird gefördert von der Stadt Duisburg. Die Eröffnung findet statt im Kunstverein Duisburg, Weidenweg 10, am kommenden Sonntag, 15. Dezember, um 11 Uhr. Die Finissage ist am Sonntag, 2. Februar 2014, ebenfalls um 11 Uhr. Dazwischen können die Arbeiten donnerstags, freitags und samstags von 17 bis 20 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Quelle: RP
 
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