| 00.00 Uhr

Unsere Woche
Stadtmarketing - eine riesige Herausforderung

Unsere Woche: Stadtmarketing - eine riesige Herausforderung
FOTO: RED
Duisburg. Die neue Gesellschaft "Duisburg Kontor" muss unter anderem unser Stadtimage aufpolieren. Das ist keine leichte Aufgabe. Von Hildegard Chudobba

Hamburg und München zählen laut zahlreicher Umfragen zu den beliebtesten Städten Deutschlands. Wir hingegen landen dabei in der Regel immer ganz hinten. Unser Image ist schlecht, und zwar nicht (allein) wegen der hohen Steuern, die wir hier bezahlen müssen. Sondern Auswärtige vermuten, dass hier die Lebensqualität nicht stimmt. Sind sie fremd, bringen sie das schmuddelige Schimanski-Bild mit, sehen uns in rußgeschwärzter Luft gegen kriminelle Auswüchse kämpfen und vermuten, dass das Bier am Büdchen unser einziges Vergnügen und typisch für unseren Kulturbegriff ist.

Wir wissen es besser: Duisburg ist eine ziemliche grüne Stadt. In unserer Sechs-Seen-Platte mit dem Wedauer Sportpark schwappt wahrscheinlich mehr Wasser als in Hamburgs Innen- und Außenalster zusammen. Einen so spannenden Industriepark wie den Landschaftspark-Nord gibt es nirgendwo. Unsere Museen haben eine Menge zu bieten. Und unser Zoo muss sich wahrlich nicht verstecken.

Klar: Auch der größte Binnenhafen der Welt lohnt den Besuch. Und wer nachts einen Blick auf die illuminierte Industriekulisse von Thyssen geworfen hat, der wird bei seiner Rückkehr nach Schwaben oder Baden davon mit Sicherheit schwärmen.

Duisburg schlechtes Ansehen ist dadurch geprägt, dass die Stadt ihre Armut viel zu offensichtlich zur Schau trägt. Auch wenn die Rufe des Oberbürgermeisters nach mehr Landes- und Bundesmitteln berechtigt sein dürften, sie offenbaren immer wieder aufs Neue Hilflosigkeit der hoch verschuldeten Stadt. Und das ist wenig sexy. Mit Sicherheit sind die große Zahl von hier lebenden Bulgaren und Rumänen und die immer wieder offensichtlich werdende Bandenkriminalität problematisch. Aber in anderen Kommunen ist das ebenso der Fall, nur dass dort mit einem besseren Marketing gegen negative Schlagzeilen erfolgreich angekämpft wird. Es scheint hier an treibenden Kräften zu fehlen, die die Probleme benennen, zugleich lösen und jeder negativen Nachricht eine Positive hinterherschicken.

"Duisburg Kontor" muss es möglichst schnell gelingen, die schönen Seiten unserer Stadt schärfer herauszuarbeiten. Und dazu muss das Unternehmen vor allem bei den Duisburgern selbst ansetzen, die mit ihrer Stadt meist Liebe erst auf den zweiten Blick verbindet. Erst schimpfen sie auf ihre Heimatstadt, dann relativieren sie ihre Kritik, und wenn man dann noch tiefer bohrt, dann spürt man, dass sie überzeugte Duisburger sind und großzügig über Mängel und Makel hinwegsehen.

Fremde tun das nicht, auch wenn sie Vieles in unserer Stadt toll finden. Ihnen fällt die große Zahl der Jogginghosenträger auf der Haupteinkaufsmeile auf, die Armut zur Schau tragen. Ihnen fällt auf, dass viele Geschäfte - weil nur Filialbetriebe - das Gleiche verkaufen wie überall in Deutschland. Und den Inhaber geführten Fachhandel suchen sie oft vergebens, weil es den in 1A-Lage kaum gibt. Sind es echte Touristen, dann werden sie es zum Beispiel schwer haben, geschmackvolle Duisburg-typische Souvenirs zu finden, die man stolz daheim herumzeigen kann.

Dabei gibt es so viele Produkte "Made in Duisburg", von denen nicht einmal "Eingeborene" etwas ahnen. Gäbe es ein Straßenfest auf der Königstraße, bei dem ausschließlich hier produzierendes Gewerbe seine Artikel vorstellen darf, manch einem würde da vor Staunen die Kinnlade herunterfallen und er wäre mächtig stolz auf seine Heimatstadt.

Bei aller Werbung für Duisburg darf das Negative nicht verschwiegen werden, sondern sollte in den Fokus gerückt werden. So abwegig es vielleicht klingen mag: Warum sollten nicht Stadtrundfahrten durch Marxloh und Bruckhausen angeboten werden, bei denen der hundsmiserable optische Eindruck dadurch ins rechte Licht gerückt wird, dass die Leute im Touri-Bus erfahren, wie hier Probleme gelöst werden, wie versucht wird, die kulturelle Vielfalt zu nutzen und wie Menschen verschiedener (und oft verfeindeter) Glaubensgemeinschaften zueinander finden? Und wenn es denn unbedingt sein muss: Auch Schimmi-Klischees lassen sich ja hier noch bedienen, aber bitten nur offensiv und mit Stolz.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Unsere Woche: Stadtmarketing - eine riesige Herausforderung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.