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Christoph Meyer
Vielfalt in der Oper nur mit Duisburg

Christoph Meyer: Vielfalt in der Oper nur mit Duisburg
Intendant Christoph Meyer in seinem Büro im Düsseldorfer Opernhaus. Er leitet die Oper seit 2009. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Duisburg. Der Opernintendant über die anstehenden Gespräche zur Opernehe und den Wert der Zusammenarbeit.

Herr Meyer, bis zum Sommer muss die Opernehe zwischen Düsseldorf und Duisburg verlängert werden. Wie laufen die Gespräche?

Christoph Meyer Die Atmosphäre ist konstruktiv und positiv. Ich freue mich, dass wir fantastische Partner in beiden Städten haben. Ich bin auch froh, dass der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link bekundet hat, dass er eine Weiterführung will.

Sie hatten am Freitag vor einer Woche eine Betriebsversammlung. Wie ist denn die Stimmung im Haus angesichts der Tatsache, dass nach nur zwei Jahren schon wieder verhandelt werden muss?

Meyer Über der Betriebsversammlung lag ein schwarzer Schatten, weil uns der Tod des Ensemblemitglieds Oleg Bryjak tief erschüttert hat, ein uns alle beherrschendes Thema. Hinsichtlich der Opernehe ist klar, dass in diesem Jahr wieder über den Vertrag verhandelt wird, da er beim letzten Mal nur um drei statt fünf Jahre verlängert wurde. Ich denke, wir haben in der Oper sehr gute Grundlagen gelegt.

Was meinen Sie?

Meyer Der Zuspruch der Zuschauer ist enorm. Wir haben in der laufenden Spielzeit in Düsseldorf eine Auslastung von 81 Prozent, in Duisburg beträgt sie 72 Prozent. Das sind sehr gute Werte.

Was würde ein Ausstieg der Duisburger bedeuten?

Meyer Diese Opernehe ist ein einzigartiges Modell. Mir ist wichtig, auch den Düsseldorfern noch einmal klarzumachen: Die Vielfalt, die wir bieten, gibt es nur mit Duisburg.

Was heißt das konkret?

Meyer Ein Ausstieg der Duisburger würde zum Beispiel unsere Jugendarbeit enorm beschränken, den Verbund mit Dortmund und Bonn für große Kinderopern, wie zuletzt "Ronja Räubertochter", müssten wir komplett einstellen. Ohne Duisburg gäbe es weniger große Opern- und Ballettpremieren, dazu eine enorme Beschneidung der Jugendpädagogik, in Düsseldorf eine Vorstellungsreduzierung von 180 auf rund 150. Thema wird dann natürlich auch die Konkurrenzfähigkeit sein.

Woran denken Sie?

Meyer Die Stadt Köln zum Beispiel baut ihre Oper neu für über 250 Millionen Euro. Die Landeshauptstadt hätte dann ohne den Verbund mit Duisburg nur noch ein Stadttheater.

Was hieße ein Ausstieg für Duisburg?

Meyer: Das wäre ein fatales Zeichen für die Stadt und würde auch die Zukunft der fantastischen Duisburger Philharmoniker bedrohen.

Vor zwei Jahren wurde beschlossen, dass die Oper sparen muss. Ist das spürbar?

Meyer Natürlich. Wir haben eine Million Euro pro Spielzeit eingespart, das ist nicht einfach zu verkraften. Wir bieten weniger Vorstellungen in Duisburg und nur noch sechs statt neun Opernpremieren. Zum Glück sind die Einnahmen gut, weil wir viele Besucher haben.

Tarifsteigerungen gelten als großes Problem. Machen Sie sich Sorgen?

Meyer Ich bin ein positiver Mensch. Die Signale sind gut, und in diese Richtung arbeiten wir weiter.

Durch die Gespräche über die Opernehe müssen Sie immer wieder für den Wert der Oper werben.

Meyer Das mache ich sehr gern, denn ich liebe das, was ich tue. Oper und Ballett gehören zur kulturellen, geistigen Grundbildung. Ich hatte selbst das große Glück, aus einer musikalischen Familie zu kommen und möchte diese Begeisterung weitergeben. Ich freue mich deshalb besonders, dass wir das Angebot für Kinder und Jugendliche ausbauen konnten und es sehr gut angenommen wird. 36 000 Kinder und Jugendliche besuchten in der vergangenen Spielzeit unsere Häuser.

Die Oper leidet trotzdem unter dem Ruf, sie sei elitär.

Meyer Ich habe den Eindruck, dass diese Schwellenangst sinkt. Wir erreichen sehr viele Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen. Ende Februar hatten wir etwa an einem Wochenende an drei Opernabenden in Folge ein ausverkauftes Haus, das Interesse am Ballett ist fantastisch, Open-Air-Konzerte in Düsseldorf und Duisburg finden Zuspruch bei Tausenden von Menschen.

Ihr Vertrag läuft noch bis 2019. Welche Pläne haben Sie?

Meyer Ich will das Angebot weiter ausbauen und die Schwellenangst weiter abbauen. Die Vorbereitungen für die Produktionen bis 2019 sind bereits weit fortgeschritten und ich freue mich über Zusagen von renommierten Regisseuren, die der Strahlkraft der Häuser sehr gut tun werden.

ARNE LIEB FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT CHRISTOPH MEYER .

Quelle: RP
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