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Duisburg
Wissen, das nicht verloren gehen darf

Duisburg: Wissen, das nicht verloren gehen darf
In 90 Aktenordnern sind die Schicksale vieler Widerstandskämpfer und der politischen Opfer während der Zeit des Nazi-Regimes aufbewahrt. Diese Ordner stellt der VVN Duisburg nun dem Zentrum für Erinnerungskultur zur Verfügung. FOTO: christoph reichwein
Duisburg. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) übergibt 90 Ordner mit historischen Dokumenten zum politischen Widerstand und zur Verfolgung während der Nazizeit dem Zentrum für Erinnerungskultur. Von Peter Klucken

In den zehn von insgesamt 90 Aktenordnern, die gestern Nachmittag gewissermaßen exemplarisch beim Pressegespräch im Stadtarchiv aufgebaut worden waren, steckt viel Herzblut. Die Ordner wurden bislang von der Duisburger Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten in der alten Grundschule Wrangelstraße aufbewahrt. Dieses Gebäude musste der VVN aufgeben; zurzeit sucht die Stadt zusammen mit dem IMD nach neuen Räumlichkeiten für die VVN. Der Auszug war Anlass für die engagierten VVN-Mitglieder, sich von einem historischen Schatz zu trennen, nämlich jenen erwähnten 90 Ordnern, die Dokumente zum politischen Widerstand und zur politischen Verfolgung während der Nazizeit enthalten.

Über Jahrzehnte hinweg hat die VVN den politischen Widerstand in Duisburg dokumentiert. Die Mitglieder, darunter Geschichtslehrer, aber auch andere historisch und politisch Interessierte, haben eine Fülle von Materialien aus Archiven und Privatbesitz gesammelt. Diese Dokumente waren die Grundlage für die Dauerausstellung an der Wrangelstraße sowie für die in zwei Bänden erschienene Publikation "Tatort Duisburg". Manfred Tietz ist einer der wichtigsten Autoren dieser Bände, aus denen immer wieder zitiert wird.

Beim gestrigen Pressegespräch machten Doris Michel, Vorsitzende des Kreisverbandes der VVN-BdA Duisburg, und ihre Kollegin Christa Bröcher, selbst Enkelin eines Widerstandskämpfers, deutlich, wie wichtig die Dokumente sind, die nun vom Stadtarchiv beziehungsweise vom neuen Zentrum für Erinnerungskultur aufbewahrt werden. Die Akten seien kein sprödes Zahlenwerk, sondern Zeugnisse für oft erschütternde Lebensschicksale. Für die beiden "Tatort-Duisburg"-Bände wurden viele der Dokumente, die sich in den 90 Ordnern befinden, ausgewertet.

Kultur- und Bildungsdezernent Thomas Krützberg sieht in den Akten denn auch die Chance, mit deren Auswertung Geschichte persönlich begreifbar zu machen. Und das spricht nach den Erfahrungen von Doris Michel und Christa Bröcher auch die Enkel- und Urenkel-Generation der Menschen an, die damals in finsteren Zeiten leben mussten. Die beiden engagierten VVN-Mitglieder geben die Aktenordner zwar mit Wehmut aus den Händen, sind aber zugleich froh darüber, dass diese nun professionell betreut werden. Die Unterlagen werden nun als eigener Bestand im Stadtarchiv am Karmelplatz aufbereitet. Das heißt vor allem, wie Stadtarchivdirektor Dr. Andreas Pilger gestern sagte, dass die Akten für ein Findbuch registriert werden. Etwa ein Jahr werde es dauern, bis dieses Findbuch fertiggestellt ist. Die zum Teil in Plastikfolie eingelegten Papierdokumente, die gelegentlich auch noch provisorisch mit Heftklammern geordnet sind, werden aus den Aktenordnern herausgenommen und dann in besonderen Kartons, geschützt mit säurefreiem Papier, aufbewahrt. Mittelfristig sei daran gedacht, ausgewählte Dokumente zu digitalisieren, wobei die Persönlichkeitsrechte von noch lebenden Menschen, die in den Akten erwähnt werden, zu berücksichtigen seien.

Dr. Pilger hält es für durchaus möglich, dass die Archivierung und Aufbereitung der Dokumente aus den 90 Aktenordnern vom Land gefördert wird, damit sie gut zugänglich bleiben. Das hoffen Doris Michel und Christa Bröcher auch: "Es geht hier um Wissen, das nicht verloren gehen darf!"

Quelle: RP
 
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