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Kommentar
Alles zurück auf Null

Emmerich. Mit der Entscheidung, den Verkauf des Michael-Heims auszusetzen, haben Pfarrer de Baey und der Kirchenvorstand Druck aus dem Kessel genommen. Zwei grundsätzliche Probleme bleiben jedoch bestehen.

Die seit September währende Diskussion um den Verkauf des Michael-Heims an die Stadt Emmerich hat in dieser Woche eine überraschende Wendung genommen. Kurz bevor die Emmericher Politik darüber entscheiden sollte, ob das Speelberger Jugendheim zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien gekauft werden soll, hieß es: Alles zurück auf Null.

Die Kirchengemeinde St. Christophorus nimmt von dem geplanten Verkauf zunächst einmal Abstand. Er wird ausgesetzt. Und unter den derzeitigen Vorzeichen erscheint es auch mehr als fraglich, ob er in absehbarer Zeit wieder zu Debatte stehen wird.

Den Ausschlag gab eine Stellungnahme der Pfadfinder, die größte Gruppe, die im Michael-Heim untergebracht ist. Wie deren Leiterrunde erst im Nachhinein bemerkte, hätte das Liebfrauen-Pfarrheim als neue Unterkunft für sie aus mehreren Gründen keine gleichwertige Alternative darstellen können. Und genau das war ja eine der Voraussetzungen, unter denen ein Verkauf hätte getätigt werden sollen. Keine der Gruppen aus dem Michael-Heim sollte durch den Umzug einen schwerwiegenden Nachteil erleiden oder gar gegen ihren Willen "umgesiedelt" werden. Das war von Anfang an gesagt worden.

Pfarrer de Baey hat in dieser Hinsicht also Wort gehalten. Gleichzeitig hat er auch zusammen mit dem Kirchenvorstand einigen Druck aus dem Kessel genommen. Denn mit einem noch länger andauernden Streit über das Speelberger Jugendheim, der absehbar war, wäre niemandem gedient gewesen.

Abgesehen davon: Ob die Emmericher Politik tatsächlich am Dienstag einem Ankauf des Michael-Heims zugestimmt hätte, war längst keine ausgemachte Sache. Und ein Nein hätte wohl sicherlich nicht zur Verbesserung der Stimmung innerhalb der Kirchengemeinde beigetragen.

Das Feuer, das so entfacht worden wäre, ist also ausgetreten worden. Alle Seiten haben ihr Gesicht gewahrt. Dennoch bleiben zwei grundsätzliche Probleme bestehen. Zum einen hat sich an der Diskussion um das Michael-Heim gezeigt, dass der Umgang mit Immobilien der Kirche oft sehr heikel sein kann. Selbst, wenn er einem guten, im besten Sinne christlichen Zweck dienen soll.

Zum anderen ist die Frage der Unterbringung von Flüchtlingen in Emmerich jetzt nicht gerade einfacher geworden. Die Stadtverwaltung sucht weiter händeringend nach Möglichkeiten - vor allem für Familien mit Kindern, die momentan verstärkt nach Deutschland kommen.

markus.balser@rheinische-post.de

Quelle: RP
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