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Haldern-Countdown
Alpenrock und der Sound aller Kontinente

Emmerich. Am 11. August beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redakteur Sebastian Peters hat sich die aktuellen Alben der Bands bereits angehört. Hier sein Urteil:

Izzy Bizu - A Moment Of Madness Soul Power! Die in London geborene Isobel Beardshaw, Wurzeln in Äthiopien, hat keine klassische Zero-To-Hero-Popkarriere hingelegt. Ihre Karriere folgte einem Masterplan: Sie studierte Gesang am British And Irish Modern Music Institute, machte ihr Diplom, nahm an einem Open-Mic-Wettbewerb teil und trat dann im Vorprogramm von Sam Smith und auf dem renommierten Glastonbury-Festival auf. Mit "White Tiger" landete eine Single in den deutschen Charts. Im Sommer folgt das Debütalbum. "A Moment Of Madness" ist sommerliche Poptanzmusik, die stellenweise den Vorbildern der Izzy Bizu folgt: Billy Holiday, Amy Winehouse, Fugees. Die Gartenparty, die durch diese Musik nicht zum Tanzen gebracht wird, muss erst noch erfunden werden.

Klingt nach: Lauryn Hill, Rox, Macy Gray (Punkte: 3,5/5).

Hubert von Goisern - Federn Die Haldern-Pop-Festivalmacher pflegen neuerdings eine besondere Verbindung nach Österreich und zum Kaltern Pop-Festival. Mit dem oberösterreichischen Liedermacher und Weltmusiker Hubert von Goisern kommt ein Künstler des Genres "Neue Volksmusik" nach Haldern, in dessen Fahrwasser längst Bands wie La Brass Banda oder Monobo Son schwimmen. Das aktuelle Album von 2015 heißt "Federn" - Alpenrock trifft hier wieder auf globale Sounds aller Kontinente. Als Kulturenversteher kann man von Goisern feiern. Man darf gespannt sein, wie die Festivalgemeinde diesen Paradiesvogel aufnimmt.

Klingt wie Zillertaler Schürzenjäger, Rainhard Fendrich (ohne Wertung)

Algiers - Algiers Punk, Funk, Soul - das amerikanische Trio Algiers aus Atlanta wagt sich an eine bis dato ungehörte Fusion dreier Musikstile. Der energiegeladene Rock schöpft seine Kraft aus dem Stimmvolumen von Sänger Franklin James Fisher und aus den textlichen Botschaften: Den Kampf gegen den Rassismus - in der Deutung von Algiers ein Produkt des hegemonialen Kapitalismus - haben sich die Musiker auf die Fahne geschrieben. Man muss diesen Hintergrund kennen - nur so lässt sich dieser wilde Stilmix richtig deuten. Der Soul der Motown-Ära klingt hier ebenso durch wie der Punkrock von MC5, der Industrial von Bands wie Suicide und der Gospel der amerikanischen Südstaatenkirchen. Die Komplexität erschwert manchmal den Zugang zur Musik - aber live klingt das sicherlich wie Urgewalt.

Klingt nach: MC5, Bloc Party, James Brown (Punkte: 3,5/5).

Samm Henshaw - The Sound Experiment (EP) Wenn das mal keine klassische Soulbiografie ist: Songwriter Samm Henshaw mit familiären Wurzeln in Nigeria hat die Liebe zum Soul und Gospel in der Kirche gefunden. Seine Band besteht immer noch in weiten Teilen aus Freunden seiner frühen Jugend in Südlondon. Musikalisch steht bei diesem smoothen Jazzpop D'Angelo Pate, der Vortrag gerät manchmal leider zu schwachbrüstig.

Klingt nach: Frank Ocean, D'Angelo (ohne Wertung).

Quelle: RP
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