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Emmerich
"Eine gute Schule ist immer Ganztagsschule"

Emmerich: "Eine gute Schule ist immer Ganztagsschule"
Über 100 Zuhörer kamen in das PAN, um den Vortrag des bekannten Pädagogen zu hören. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Prof. Struck referiert vor Erziehern und Lehrern im PAN. "60 Prozent kommen unerzogen in Schule." Von Monika Hartjes

Eine gute Schule ist immer eine Ganztagsschule. Diese These vertrat gestern ein prominenter Pädagoge in Emmerich. Auf Einladung der Stadt und der Waisenhausstiftung referierte Prof. Peter Struck aus Hamburg zum Thema "Gewaltprävention in den Schulen." Über 100 interessierte Lehrer, Erzieher, Betreuer im Offenen Ganztag und Vertreter der Stadt nahmen im PAN daran teil.

Die beste Prävention gegen Gewalt seien gute Schulen, so der Tenor von Struck, der seit 1979 eine Professur für Erziehungswissenschaften an der Universität in Hamburg innehat. Der studierte Pädagoge, Biologe und Kriminalist (!) war zehn Jahre lang Lehrer. Er ist Autor mehrerer Bücher.

"Tausend Jahre lang war Erziehung leicht, man musste sein Kind nur so erziehen, wie es die anderen tun", meinte Struck. Heute sei Erziehung schwer, denn Kinder dürfen verschieden sein und selbst entscheiden. 50 Prozent präge das Erbgut ein Kind, 50 Prozent werden durch Familie, Schule, Medien und Jugendkulturszene beeinflusst. Wobei sich außer in den Schulen alle Bereiche drastisch verändert haben. Je 15 Prozent der Kinder seien entweder vernachlässigt oder "verplante" Kinder. Von den übrigen 70 Prozent würden nur zehn Prozent optimal erzogen, so der Professor. "Das 19. Lebensjahr ist das Jahr der Bilanz."

Das Leben sei ein Seiltanz. "Fällt man links vom Seil, nennt man das Aggression, fällt man rechts, ist das Auto-Aggression, die Gewalt richtet sich gegen Sie selbst. Das kann bis zur Depression führen."

War früher die Familie für Erziehung und die Schule für Bildung zuständig, so kommen heute über 60 Prozent der Schüler "unerzogen" in die Schule. Damit haben sich die Aufgabenbereiche der Schule verschoben.

"Schule muss spannend sein. Sie muss hungrig machen, nicht satt. Schüler müssen das Gefühl haben, respektiert zu werden."

Zu einer guten Schule gehören jahrgangsübergreifendes Lernen, Individualisierung, Konsens im Kollegium, erhöhte Integration, erfahrene Lehrer, Angebote an Rollen- und Theaterspiel, Freiheit für die Kinder in Bezug auf Lerntempo und Lernmethode.

Eine gute Schule sei immer eine Ganztagsschule, so Struck, der verschiedene Schulen vorstellte. "Es geht heute nicht um Rezepte, sie sollen nur sehen, ob etwas für sie dabei ist, damit sie zwischendurch den Schalter mal umlegen können."

Quelle: RP
 
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