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Emmerich
Frauen der Reformation als Thema beim Jahrestreffen

Emmerich. Sie kommen in den Geschichtsbüchern selten vor. Katharina von Bora, spätere Luther, mal ausgenommen. Und das, obwohl einige von ihnen prägend waren. Die Besucherinnen des Jahresfestes der evangelischen Frauenhilfen im Kreisverband Kleve warfen im Gocher Bauerncafé Mönichshof einen Blick zurück.

Sabine Richarz, Regionalreferentin der evangelischen Frauenhilfe im Rheinland, erzählte aus dem Leben von Wibrandis Rosenblatt. Diese war gleich viermal verheiratet, darunter mit den Reformatoren Oekolampad, Capito und Bucer. Die Heirat mit einem Reformator war damals, trotz Luthers Wirken, ungewöhnlich. Sie ebnete jedoch den Weg für die "Pfarrersfrau": arbeitsam, bescheiden, bibelkundig und zuständig für einen großen Haushalt. Ein Rollenbild, das sich lange Zeit gehalten hat.

Die Reformatoren luden gerne Gäste ein, vorbeifahrende und notleidende Menschen wurden in den Pfarrhäusern versorgt. Trotz ihrer großen Verdienste im Hintergrund wurde Rosenblatt bei ihrem zweiten Mann begraben, ein Vermerk auf dem Grabstein fehlt bis heute.

Die Reformation brachte neben der Heirat von evangelischen Pfarrern weitere Errungenschaften, so berichtete Sabine Richarz: "Das Priestertum aller Gläubigen ist auch als eine Gleichstellung von Mann und Frau sowie von Bauer und Adel zu verstehen." Das damals verbreitete Standesdenken bekam erste Risse durch Weiterbildung der unteren Schichten. Sie fingen an, in der Bibel zu lesen, die ja nun in deutscher Sprache erhältlich war. Vor allem gebildete Frauen begannen, sich in den theologischen Disput einzumischen, selber Texte zu verfassen. "Ein Ding der Unmöglichkeit vor der Reformation", meinte Sabine Richarz.

Frauen schrieben deswegen unter männlichem Pseudonym Kirchenlieder, ein Beispiel ist Elisabeth Crucigers "Herr Christ einig Gotts Sohn", das im noch heutigen Gesangbuch unter der Nummer 67 zu finden ist. Die Frauen der Reformation, ob aktiv oder im Hintergrund, bergen noch viele Geschichten. "Wir werden uns weiter damit beschäftigen", versprach Irmtraud Seven, Kreisverbandsvorsitzende der Frauenhilfe - und eben auch eine Pfarrersfrau.

Quelle: RP
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