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Emmerich
Gewalt und Beleidigungen in Ambulanzen

Emmerich: Gewalt und Beleidigungen in Ambulanzen
In den Warteräumen der Notfallambulanzen herrscht mitunter ein rauer Ton und immer öfter müssen sich Angestellte auch körperlich wehren. FOTO: A. Endermann
Emmerich. Gewalt ist auch dort ein Thema, wo eigentlich Hilfe im Mittelpunkt stehen sollte. In den Krankenhäusern kommt es immer wieder zu aggressiven Auseinandersetzungen. Dabei bleibt es oft nicht nur bei Wortgefechten. Von Lea Hensen, Marc Latsch und Markus Balser

Übergriffe gegen Polizisten oder Rettungskräfte bei Einsätzen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Aber auch in den Notaufnahmen der Krankenhäuser wird der Ton rauer. Vor allem nachts und an den Wochenenden. In vielen Notaufnahmen herrscht dann Ausnahmezustand, nicht nur in Großstädten. "Leider leben auch wir in Emmerich nicht auf einer Insel der Glückseeligen", sagt Joachim van Alst. Der stellvertretende Ärztliche Direktor des Willibrord-Spitals hat festgestellt: "Die Hemmschwellen sind niedriger geworden."

Gründe für aggressives Verhalten gegenüber Ärzten und Pflegepersonal können vielfältig sein. "Alkohol spielt oft eine Rolle", weiß van Alst. Aber auch lange Wartezeiten führen immer wieder zur Eskalation.

"Autoritäten werden nicht mehr anerkannt.", sagt Georg Milkereit, Pflegerischer Stationsleiter der Zentralen Notaufnahme am Bethanien-Krankenhaus in Moers. "Wir erleben hier einen Querschnitt der Gesellschaft. Die Aggressivität steigt, das Ich-Denken ist gewachsen. Es kommt schneller als früher zu Handgreiflichkeiten." Zwölf Mal mussten die Beamten allein zwischen Januar 2017 und Februar 2018 an Moerser Krankenhäusern einschreiten. Die Gründe waren vielfältig: Streitigkeiten zwischen Patienten, Vandalismus im Krankenhaus, Widerstand gegen eine Einweisung. In mindestens vier Fällen richtete sich die Gewalt direkt gegen das Pflegepersonal. "Aggressives Auftreten zieht sich durch alle Patientengruppen. Wir bereiten unser Personal adäquat vor", sagt Ulrike Wellner vom Moerser St. Josef-Krankenhaus.

Bereits vor Jahren haben sich die Leiter der Notaufnahmen des Marien-Hospitals und des Evangelischen Krankenhauses in Wesel mit der Polizei zusammengesetzt, um ein Schulungsprogramm für die Mitarbeiter auf die Beine zu stellen. Die Notfallambulanz des Weseler Marien-Hospitals passieren im Monat rund 3500 Patienten. "Die Tendenz, dass Mitarbeiter angegriffen werden, hat zugenommen", sagt die Pflegedienstleiterin Sylvia Guth-Winterink. Beschimpfungen und das Heben der Stimme seien an der Tagesordnung. Deutlich häufiger als früher seien die Mitarbeiter damit konfrontiert, dass Patienten drohen, zur Presse oder zur Polizei zu gehen. Auch zu körperlichen Übergriffen sei es gekommen. "Die Mitarbeiter sind traumatisiert", sagt die Guth-Winterink. Schon öfter sei eine seelsorgerische Betreuung notwendig geworden. In dem Krankenhaus werde eine Doppelbesetzung im Nachtdienst diskutiert, denn: "Bislang ist die Kollegin in der Notambulanz nach 22 Uhr alleine."

Ein Umstand trägt in vielen Notaufnahmen zur Zunahme des Problems bei: "Die Leute kommen direkt zu ins Krankenhaus, anstatt zuerst den Hausarzt oder den ärztlichen Notdienst zu konsultieren", sagt Oberarzt Ralph Schmidt, der am Emmericher Willibrord-Spital in der Notaufnahme für die chirurgische Behandlung der Patienten zuständig ist. Dabei wüssten viele Patienten nicht einmal, dass es einen ärztlichen Notdienst gibt. Eine Service-Hotline ist unter Telefon 116-117 erreichbar und erteilt kostenfrei und schnell Auskunft über Praxen mit ärztlichem Bereitschaftsdienst in der Region.

Auch Oberarzt Schmidt hat beobachtet, dass die Zahl der Rüpeleien im Krankenhaus zugenommen hat. Etwa, wenn ein Patient schon länger auf Behandlung wartet, dann aber ein echter Notfall ihm vorgezogen wird. Und mit der Anzahl an Patienten im Wartesaal steige dann auch oft die Ungeduld. "Vor allem nachts und an den Wochenenden ist das ein Problem", so Schmidt.

Quelle: RP
 
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