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Rees
Grüne Fische und "Rückenwunder"

Rees: Grüne Fische und "Rückenwunder"
"Der Krammarkt ist ein schöner Abschluss der Kirmes", schwärmt Bettina Hebben. Die reisende Gastronomin aus Kleve verkauft "nur in Rees" den beliebten grünen Hering. Und das gleich mehr als 1000 Mal. FOTO: Markus van Offern
Rees. Für viele Reeser ist keine Kirmes komplett, wenn sie nicht am Mittwoch beim Krammarkt mit der Verkostung eines grünen Herings abgeschlossen wird. Von Michael Scholten

Die Frage aller Fragen musste Bettina Hebben auch beim diesjährigen Krammarkt immer wieder beantworten: "Warum ist der grüne Hering denn nicht grün?" Die Scherzfrage erlaubten sich die Reeser schon vor 50 Jahren, als Bettina Hebbens Mutter Annette diese Fischspezialität verkaufte. Die Antwort ist seit jeher unverändert: "Grün bezieht sich nicht auf die Farbe, sondern auf die Frische des Fisches", erklärt die reisende Gastronomin Bettina Hebben. Damit wird der feine Unterschied zum früher stark verbreiteten, konservierten Salzhering hervorgehoben.

Traditionell sind Haushaltswaren Hauptbestandteil des Angebots auf dem Krammarkt. FOTO: van Offern Markus

Bettina Hebben brachte aus Kleve weit mehr als 1000 Fische mit. Vor dem Stand bildeten sich zeitweise längere Warteschlangen, ganz Vorsichtige hatten die Heringe schon an den Kirmestagen vorbestellt. An Speisen mangelte es eh nicht beim Krammarkt: Reibekuchen und Bratwurst, Ziegenkäse und Trüffelkäse, hausgemachte Marmeladen und Liköre aus der Region sowie Gewürze und Kräuter aus aller Welt, vom Thai-Curry bis zum Marrakesch-Pfeffer war alles zu haben.

So konnten die Besucher frisch gestärkt zum Einkaufsmarathon an den 140 Ständen zwischen Rathaus und Busbahnhof starten. Neben dicker Strickkleidung und nützlichen Haushaltshilfen gab es so manches Utensil, das wortreich und mit vielen Superlativen angepriesen wurde. Glaubte man den Verkäufern und Werbeprofis, ist ein Leben ohne den "Captain Sunshine Herdreiniger", den "Stoffkleber der Zukunft" oder das "Dr. Do It Rückenwunder" kaum möglich. So bildeten sich oft kleine Menschentrauben vor den Ständen, an denen die Effektivität der neuesten Messer, Wischmopps und Gemüseschneider demonstriert wurde. Allerdings regierte bei manchem potenziellen Käufer die Skepsis: "Wie der dat vorgemacht hat, sah dat gut aus, aber bei uns wird dat nix", bemerkte ein Herr mit Hut und zog seine interessiert dreinschauende Frau weiter, ohne dass es zum Kaufabschluss kam.

Von solchen Einzelfällen abgesehen, durften sich die fahrenden Händler und auch die heimischen Geschäftsleute, die sich mit Ständen vor ihren Läden am regen Verkaufstreiben beteiligten, zufrieden sein. Die meisten Händler kommen jedes Jahr nach Rees und freuen sich über das Wiedersehen mit Stammkunden. Darunter auch jene Damen, die gebannt vor den Bergen von Liebestötern und Büstenhaltern aus längst vergangenen Modezeitaltern stehenbleiben und sich für die kalte Jahreszeit mit Miederwaren eindecken.

Die Herren waren weniger für Unterwäsche mit Eingriff zu begeistern, sondern griffen begeistert zum Frühschoppen-Bier. Denn einige Bierstände der Kirmes waren stehengeblieben, während die großen Fahrgeschäfte und Karussells über Nacht in Windesseile abgebaut worden waren. So blieb beim kühlen Hellen genug Zeit, die Höhepunkte und Gerüchte der Reeser Jubiläumskirmes Revue passieren zu lassen, bevor die Kehrmaschinen des Bauhofs am Nachmittag den letzten Rest vom Kirmesfest aus der Innenstadt fegten.

Quelle: RP
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