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Rees
Haldern (P)optik

Rees. Die Plakate des Haldern-Festivals transportieren das Flair, das die Veranstaltung ausmacht. Sie sind selbst kleine Kunstwerke. Von Markus Balser

Auf dem Dachboden der Haldern Pop-Zentrale finden sich zahlreiche Schätzchen, mit denen sich die Geschichte des Festivals vom alten Reitplatz ganz gut nacherzählen ließe: Konzertplakate, Eintrittskarten, Flyer, die hauseigene Postille "Dat Blatt", Bühnenpässe - alles, was sich in der 34-jährigen Historie des Open Air so angesammelt hat, ist hier fein säuberlich verstaut. Vom handgemalten Plakat, das die erste Fete 1983 und dann ein Jahr später das erste richtige Festival mit drei Bands ankündigte, bis zu jenen filigran am Computer gestalteten, auf denen die Bandnamen immer kleiner geschrieben werden mussten, um sie überhaupt noch alle unterbringen zu können. All diesen "Museumsstücken" ist eines gemeinsam: Sie transportieren auch das Flair, das man mit dem Haldern-Festival verbindet.

Zum Beispiel das Poster aus dem Jahr 2005. Eine Fotografie Christoph Buckstegens, die nichts anderes zeigt, als ein paar luftig gekleidete Menschen, die unter sommerlich-gelben Himmel von ihren Autos zum Festivalgelände trotten. Oder das Plakat aus dem Jahr 1999, auf dem ein verschlissener Sessel zu sehen ist, der eine Bühnentür aufhält. Zufällig in Hamburg fotografiert. Beides unspektakulär, dennoch schön und mit Wiedererkennungswert.

Es ist dieser Blick aufs Alltägliche, der die Bildsprache des Haldern Pop ausmacht. Hier gibt es keine geifernden Monster, leichtbekleidete Frauen oder überbordende Band-Logos, die für ein Musikereignis werben sollen, sondern Eistüten, Spielzeugautos und historische Aufnahmen aus der privaten Fotokiste. Auch hier gilt: der eigentliche Star ist das Festival.

Dass dieses Sammelsurium optischer Signale gut funktioniert, dafür sorgt Festivalorganisator Stefan Reichmann im Zusammenspiel mit seinen Mitstreitern. Graphische Gestaltung hat er von der Pike auf gelernt, betreibt selbst eine kleine Werbeagentur. Die typische Haldern-Optik, das Layout fürs Festival, hat er sich über Jahre erarbeitet. Durch viele Versuche, die manchmal auch in Fehlschläge mündeten. Wie etwa auf einem Flyer der frühen 90er Jahre, auf denen die Bandnamen in grellem Neon-Pink auf schwarzem Grund abgedruckt waren und wirkten, als seien für irgendein x-beliebiges Festival gedacht. Reichmann muss selber schmunzeln, wenn er dieses Werk von einst in Händen hält. "Das hat sich eben alles erst entwickeln müssen", sagt er.

So wie das Festival selbst. Das war zwar 1991 zum ersten Mal ausverkauft als Bob Geldorf die Bühne betrat, erlebte seinen richtigen Boom aber erst Ende der 1990er Jahre mit dem Einstieg der Diebels-Brauerei als Hauptsponsor und der damit einhergehenden bundesweiten Vermarktung. Seit dem Jahr 2002 sind beim Festival die Karten immer schnell vergriffen, unabhängig davon, welche Bands gerade verpflichtet wurden - und schon seit Jahren zu einem Zeitpunkt, an dem noch nicht einmal ein einziger Künstler eine Zusage gegeben hat. Ein Grund dafür: Das Halderner Festival hat längst ein Image entwickelt, das sich in den Köpfen festgesetzt hat - das vom verträumten Land-Open-Air, auf die Beine gestellt von ein paar unverbesserlichen Idealisten, die ganz nebenbei auch noch etwas von Musik verstehen und Spaß dabei haben. Die Optik ist das schmückende Beiwerk dazu.

Auch das Haldern Pop-Logo ist ein Bestandteil davon, Es mutierte über die Jahre von einem nach oben zeigenden Pfeil, der für Optimismus stehen sollte, zu einem tanzenden Männchen, das Arme und Beine wie niederrheinische Windmühlenflügel von sich streckt - das heutige Markenzeichen für Haldern Pop.

Quelle: RP
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