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Emmerich
Kauft die Stadt den "Wette Telder"?

Emmerich: Kauft die Stadt den "Wette Telder"?
FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Emmerich. Bürgermeister Johannes Diks will Emmerichs ältestes Haus für eine öffentliche Nutzung zugänglich machen. Es soll von der Stadt gekauft und saniert werden. Ein Café und Führungen sind vorgesehen. Von Markus Balser

Emmerichs ältestes Haus ist schon seit langem kein Blickfang mehr. Dabei ist der "Wette Telder", gebaut anno 1650, sicherlich eines der schönsten, auf jeden Fall aber eines der interessantesten Häuser der Stadt, in der der Zweite Weltkrieg nicht mehr viel historische Bausubstanz übrig ließ.

Nachdem sich an dem Gebäude an der Steinstraße jahrzehntelang nichts mehr tat und es leerstehend vor sich hin gammelte, kommt jetzt Bewegung in die Sache. Denn vor kurzem hatte Besitzerin Annette Brüderle angekündigt, das Haus sanieren lassen zu wollen (die RP berichtete). Erste Arbeiten wurden schon ausgeführt. Es sind allerdings nur Maßnahmen, die dringend notwendig waren, um das Haus in seiner Substanz zu bewahren. Die Frage, wie es danach mit dem "Wette Telder" weiter geht und vor allem wie er genutzt werden könnte, war bislang jedoch immer noch offen. Jetzt gibt Bürgermeister Johannes Diks darauf die Antwort. Er will, dass die Stadt das Gebäude kauft und es einer öffentlichen Nutzung zuführt.

Das Nachbarhaus des "Wette Telder" wurde abgerissen. Jetzt soll sich auch im ältesten Haus der Stadt etwas tun. FOTO: MArkus van offern

"Ich denke, wir sind in der Pflicht, dieses denkmalgeschützte Haus zu erhalten und es macht Sinn, es danach auch öffentlich zu nutzen", sagte er jetzt der RP. Diks kann sich für das Erdgeschoss ein besonderes Café vorstellen. Das Haus als solches soll zudem eine neue Attraktion für Stadtführungen werden. Auch für die Nutzung des Obergeschosses hat Diks bereits konkrete Pläne, doch hier würden derzeit noch Gespräche geführt, über die der Bürgermeister jedoch im Moment noch nichts preisgeben möchte. Nur so viel: "Emmerich kann sich freuen."

Geld für den Erwerb der Immobilie soll bereits in den Haushalt 2016 eingestellt werden. Weil die Stadt allerdings auch die weitergehende Sanierung des denkmalgeschützten Hauses übernehmen muss, die deutlich teurer als der eigentliche Kaufpreis sein dürfte, würde die Maßnahme Diks zufolge voraussichtlich über mehrere Jahre gestreckt werden. "Vielleicht bis 2017 oder 2018", vermutet der Bürgermeister.

Wenn es so käme, hätte die Innenstadt dann auf der Steinstraße von der Hausnummer 15 bis zur Hausnummer 21 eine durchgehende historisch-sanierte Häuserzeile zu bieten. Auch die Nummer 13, ebenfalls lange Jahre ein Schandfleck, dürfte dann fertig sein. Bekanntlich errichtet dort im Moment die Gasthaus-Stiftung ein neues Gebäude mit neun barrierefreien Wohnungen auf einer Fläche von rund 600 Quadratmetern.

Im "Wette Telder" kam der Priester und Heimatdichter Johannes Derksen als zehntes von zwölf Kindern zur Welt. Übersetzt lautet der Name des Hauses "Im Weißen Teller", was darauf hindeutet, dass hier einst mit Tellern und Keramik gehandelt wurde. Die hohen Fenster am Haupthaus lassen schon von außen erkennen, dass im vorderen Bereich die Decke fünf Meter hoch war, um Lagerplatz für den Gewerbebetrieb zu haben. Es gab ein "Kantörchen" mit Blick auf die Steinstraße, einen Tresorraum mit Metalltor und Kreuzgewölbe sowie einen Windfang zur Abgrenzung vom mehrstöckigen Teil.

Im 19. Jahrhundert fand eine umfassende Renovierung statt. Zuletzt wurde das Gebäude 15 Jahre lang von Maler Hein Driessen als Atelier genutzt. Seitdem steht es leer.

Quelle: RP
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