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Handball
Der Europameister kommt nach Hause

Handball: Der Europameister kommt nach Hause
FOTO: Jens Wolf
Niederrhein. Handballer Julius Kühn besuchte seinen Heimatort Aldekerk. Platz eins erreichte er nicht nur mit der Nationalmannschaft beim Turnier in Polen, sondern auch in den O-Ton-Charts im Radio. Von Christian Cadel

Die Gäste in der Aldekerker Heimatstube halten schon fast ein wenig den Atem an, als die Tür aufgeht und ein rund zwei Meter großer Mann über die Schwelle tritt. Handball-Europameister Julius Kühn ist nach Hause gekommen. Freudig wird er begrüßt, viele gratulieren ihm zum sensationellen Gewinn des EM-Titels. Der Aldekerker Jung, wie ihn viele nennen, wirkt fast ein wenig eingeschüchtert. Als Kerkens Bürgermeister Dirk Möcking schließlich ein paar Worte über Julius Kühns Leistung und Werdegang verliert, stellt der 22-Jährige sich brav auf und lauscht. Mit dabei: seine stolze Familie.

Ein lauschiges Familientreffen ist der Nachmittag in der Heimatstube aber nicht. Julius Kühn hat eine Aufgabe zu bewältigen - zugegeben eine sehr einfache und eine besonders schöne. Der 22-Jährige durfte sich ins Goldene Buch der Gemeinde Kerken eintragen. Mit großen Bögen vollendet er seine Unterschrift. Nur zwei Sekunden dauert der Akt. Aber diese Unterschrift wird dem Handballer wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Wer hätte vor einigen Jahren wohl geglaubt, dass die Gemeinde Kerken mal einen Europameister empfangen würde?

Angefangen hat Julius Kühn beim TV Aldekerk. Dann ging es für ihn im Jahr 2008 zur HSG Düsseldorf weiter. Von dort wechselte er zu TuSEM Essen. Seit der Saison 2014/2015 ist der Rückraumspieler beim Bundesligisten VfL Gummersbach unter Vertrag. Der steile Aufstieg ging schließlich am 9. September 2014 mit der Berufung in den Nationalkader weiter und gipfelte im Gewinn der Europameisterschaft Ende Januar.

Viel ist passiert, aber Kühn kommt mittlerweile zur Ruhe. "Jetzt fängt für mich ja auch wieder der Bundesliga-Alltag an. Diese Auszeichnung hier ist aber etwas ganz Besonderes", sagt er. Dabei stand zu Beginn der EM in Polen noch gar nicht fest, ob er überhaupt auflaufen würde, schließlich gehörte er zunächst nur zum erweiterten Kader. Dann erhielt er aber seine Chance, als sich zwei Spieler verletzten, und reiste sofort nach Polen. "Es ging Schlag auf Schlag. Ich bin direkt von der Couch zur EM gefahren", sagt er und lacht. Das Ende ist bekannt. Auch seine Eltern sind stolz wie Oskar. "Ich war im Halbfinale und Finale vor Ort. Das erste Gefühl, dass mir beim Schlusspfiff durch den Kopf ging, war riesige Freude. Freude darüber, dass Julius sich endlich für die Mühen in den vergangenen Jahren belohnt hat", sagt Vater Frank Kühn.

Mutter Ulrike hat das Finale am Fernseher verfolgt. "Wir waren erst im Schnakenhaus und haben uns die erste Halbzeit dort angesehen. Die zweite Hälfte habe ich mir alleine zu Hause angeschaut. Diesen Moment wollte ich alleine erleben", sagt Ulrike Kühn. Großes Tam-Tam gab es schließlich auch in Berlin beim offiziellen Empfang der siegreichen Nationalmannschaft. "Das war der pure Wahnsinn", sagt Julius Kühn. So wahnsinnig, dass nach ordentlichem Gebrüll sogar seine Stimme versagte. Das bekam auch ARD-Moderator Alexander Bommes hautnah zu spüren.

Als Bommes, selbst ehemaliger Handballer, Kühn interviewte, brachte der 22-Jährige nur ein heiseres Kauderwelsch heraus. Dieses lustige Tondokument hat der Radiosender Einslive vor kurzem als Vorschlag für die beliebten O-Ton-Charts, eine Hitparade kurioser und manchmal peinlicher Tonschnipsel, online gestellt. Julius Kühn eroberte in der vergangenen Woche die Chartspitze.

"Ich nehme das mit Humor und kann drüber lachen", meint er während seine Familie in gellendes Gelächter ausbricht. Peinlich muss ihm das Interview, "wenn man es überhaupt Interview nennen kann", wie Kühn sagt, auch nicht sein. Platz eins in Handball-Europa, Platz eins in den O-Ton-Charts. Was will man mehr?

Quelle: RP
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