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Rees
Springmaus-Finale in der Halderner Kirche

Rees. Wer hätte gedacht, dass sich der Bedburg-Hauer Ortsteil Qualburg für eine Liebeskomödie mit Bollywood-Elementen eignet oder Haldern für ein packendes Drama aus dem Feuerwehr- und Fußpflege-Milieu? Das Improvisationstheater Springmaus bewies dies nun eindrucksvoll vor 430 Zuschauern im Reeser Bürgerhaus. Ohne Drehbuch, aber mit großartigen Reaktionen auf spontane Zurufe lieferten Gilly Alfeo, Alexis Kara, Vera Passy und Ben Hartwig eine mitreißende Schau, die so hieß, wie sie war: "Bombastisch romantisch".

Lediglich das Opening war einstudiert. Da tanzte das Quartett zu emotionalen Schlüsselmomente aus Kinoklassikern wie "Titanic", "Casablanca", "Harry und Sally" und "Dirty Dancing". Danach übernahmen die Zuschauer die Regie: Wie heißen sie? Woher kommen sie? Wie klingt ein Orgasmus in Rees? Und welche Anmachsprüche kommen besonders gut an?

Rasch entpuppte sich bei einem spontanen Speed-Dating der frei erfundene Heribert aus Qualburg zur beliebtesten Figur. Gilly Alfeo mimte fortan den drögen Niederrheiner, dessen Freundin Indira (Vera Passy) ihn ihren indischen Eltern (Ben Hartwig und Alexis Kara) vorstellen musste. Den Chili-Schnaps kippte der Qualburger noch locker weg, doch als gegrillte Grillen mit püriertem Hirn auf den Tisch kamen, wurde die junge Liebe auf eine ernste Probe gestellt.

In welchem Genre die späteren Szenen einer Ehe dargeboten werden sollten, bestimmten abermals die Zuschauer: Western, Horror-Thriller, Bollywood-Musical, Science Fiction, Heimatfilm und schließlich Shakespeare-Drama. Alexis Kara, bekannt aus der ZDF-"heute-show", erntete Szenenapplaus in seiner Rolle als Gebärdendolmetscher während einer Diskussion, ob eine Tantra-Massage die richtige Lösung für Eheprobleme sei. Ein Happy-End erlebte die Geschichte vom gealterten Heribert und seiner Indira dann auf der Reeser Fähre - wie immer begleitet von mitreißender Musik und passenden Licht- und Geräusch-Effekten.

Für die zweite Halbzeit des Theaterabends stellten zwei mutige Zuschauerinnen ihre Persönlichkeiten zur Verfügung. Angaben zu Hobbys ("Lauftreff Haldern"), Stärken ("Ich kann gut auf Menschen zugehen") und Schwächen ("Ungeduld") verschmolzen mit den Wunschberufen des Publikums ("Feuerwehrfrau", "Fußpflegerin") zu einer aberwitzigen Romanze. In deren Verlauf stieg Nina (Vera Passy) zu Halderns bester Brandmeisterin auf und verlor ihr Herz an die ungeduldige Britta (Ben Hartwig), deren Fußpflegestudio die Einweihung eines neuen Notausgangs feierte.

Fast wäre die Liebe noch an den Moralvorstellungen der Mitbürger gescheitert, doch nach einem dramatischen Feuerwehreinsatz, bei dem ganz Haldern ("78 Einwohner") in die Kirche evakuiert wurde, kam es im furiosen Finale zum großen Heiratsantrag mit Dichtungsring.

(ms)
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