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Heimat genießen - in Rees
Süße Verlockungen aus Rees

Heimat genießen - in Rees: Süße Verlockungen aus Rees
Rees. Sie heißen "Dröck-Fläkk", "Reeser Ziege", "Rhinkieker" oder "Reeser Knöllchen". Die Spezialitäten, die aus der Backstube von Helmut Terhorst kommen, haben oft einen direkten Bezug zur Stadt und ihrer Geschichte. Von Michael Scholten

Seit 111 Jahren gibt es die Bäckerei Terhorst am Reeser Markt. Wenn der Hausherr, Bäcker- und Konditormeister Helmut Terhorst aus seiner Backstube kommt, hat er vom Café und Verkaufstresen aus einen Panoramablick auf die historische Pumpe und den weitläufigen Marktplatz. Dort passiert nie etwas, ohne dass die "Mehlmaus", wie Terhorst im Reeser Volksmund genannt wird, es sofort mitbekommt. Und weil der 68-Jährige stets gut informiert ist, verarbeitet er die Reeser Geschichte und Geschichten besonders gern in seinen Backspezialitäten.

Das Brot namens "Rhinkieker", bestehend aus 70 Prozent Weizen und 30 Prozent Roggen mit einem zusätzlichen Schlag Quark, ist seit 1978 ein Dauerbrenner im Angebot der Traditionsbäckerei. Andere Produkte kommen nur in unregelmäßigen Abständen aus dem Ofen, zum Beispiel bei Stadtfesten oder beim bevorstehenden Rheinfest. Dann ist auch wieder die "Reeser Ziege" zu haben, die erstmals bei der Einweihung der beliebten Bronzeskulptur an der Rheinpromenade zu kaufen war. Sie besteht aus Butter-Mürbeteig mit Mandeln und weißer Schokolade. Auch zur Einweihung der Skulptur auf dem Rondell am Bärenwall leistete Helmut Terhorst einen schmackhaften Beitrag, indem er kleine braune Bären, verziert mit Schokolade und Walnüssen, produzierte.

Passend zur Rhinkieker-Skulptur, die vom Rheinhotel Dresen aus den großen Schiffen und Kähnen hinterblickt, führte Helmut Terhorst den "Dröck-Fläkk" ein. Dieser geht darauf zurück, dass die Rhinkieker einst nach dem sonntäglichen Gottesdienst gern noch ein bisschen am Rhein verweilten, sich ein Bier oder einen Flachmann gönnten und dabei am Geländer lehnten. Dieser hinterließ einen dermaßen deutlichen Abdruck an der Kleidung, dass sich die gestrenge Gattin, wenn der Liebste erst am Nachmittag nach Hause kam, lautstark über den verräterischen "Dröck-Fläkk" beschwerte. In den Quark-Ölteig gibt Terhorst nicht nur Apfelstückchen und Rosinen, sondern auch einen Schuss Rum - als Hommage an das Lieblingsgetränk der Rhinkieker.

Als in den 80er Jahren die Wohnumfeldverbesserung in der Reeer Innenstadt begann, profitierte neben der Dellstraße auch die Marktstraße vor der Bäckerei Terhorst von den neuen Pflastersteinen. Zur Einweihung lieferte Helmut Terhorst die Dellsteine aus einem Hefeteig mit Butterstreuseln und einer Füllung aus Sahnepudding. Diese Idee gefiel auch dem Westdeutschen Rundfunk, der mit einem Kamerateam in die Backstube kam und die Dellsteine im dritten Programm vorstellte.

Auch als Terhorst die "Süßen Reeser Knöllchen" einführte, schaute der WDR wieder in Rees vorbei. "Damals wurde die Parkscheiben-Regelung in Rees eingeführt, aber kaum einer dachte daran, seinen Wagen nach zwei Stunden wegzufahren", sagt Helmut Terhorst. Viele seiner Kunden und auch der Bäckermeister selbst kassierten regelmäßig Strafzettel, die ihnen sauer aufstießen. "Als kleines Gegenmittel habe ich die süßen Knöllchen aus Brandteig mit Vanille-Sahne eingeführt", lacht Terhorst.

Und als Mitte der 80er Jahre das Gymnasium vom idyllischen Haus Aspel zum neuen Schulzentrum am Westring zog, kombinierte Helmut Terhorst seinen Geschäftssinn mit gesundheitsfördernden Maßnahmen. Das "Lekker Reeser Bütterken" richtete sich speziell an Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, die sich dank des extra hohen Anteils an Sonnenblumen- und Leinsamenöl gut ernähren sollten.

Besonders beliebt bei Alt und Jung ist auch die Brotsorte "Niederrheiner aus Rees". Der Teig wird mit Rübenkraut vermengt und später mit Käsestreuseln überbacken Zum "Niederrheiner" gibt es übrigens ein dunkleres Gegenstück: Das ist der "Westfälische Dickschädel".

Helmut Terhorst hat ihn seiner Frau Michaela gewidmet, die aus Bocholt kommt.

Quelle: RP
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