| 00.00 Uhr

Emmerich
Wildwarn-Anlage im Reichswald oft defekt

Emmerich: Wildwarn-Anlage im Reichswald oft defekt
Die Wildwarn-Anlage an der Grunewaldstraße zwischen Kleve und Goch - immer wieder legen technische Probleme sie lahm. FOTO: Evers
Emmerich. Bei ihrer Eröffnung 2007 galt sie als "Non-plus-Ultra"-Pilotprojekt. Doch seither gibt es oft Störungen. Verlassen können sich Autofahrer nicht auf die Anlage zwischen Kleve und Goch. Sie sollten langsam (70 km/h) und aufmerksam fahren. Von Dieter Dormann

Kleve Fast täglich fährt Roland W. (56) über die Grunewaldstraße (L 484) zwischen Kleve und Goch durch den Reichswald, in dem viel Reh-, aber noch mehr Schwarzwild unterwegs ist. Fast täglich passiert der 56-Jährige dabei die Wildwarn-Anlage, die dort im Oktober 2007 als Pilotprojekt mit vielen Vorschuss-Lorbeeren in Anwesenheit von Prominenz aus Politik und Wirtschaft - unter anderem war der damalige NRW-Umweltminister Eckhart Uhlenberg ebenso unter den Gästen wie Landrat Wolfgang Spreen - eröffnet worden war. Doch acht Jahre später fällt das Urteil, das Roland W. über die Anlage spricht, vernichtend aus: "Die funktioniert meistens nicht. Dauernd gibt es Störungen. Wenn man das weiß, ist dort kein entspanntes Fahren möglich. Jederzeit kann ein Wildschwein über die Straße rennen."

Dieser Einschätzung muss Hanns-Karl Ganser, stellvertretender Forstamtsleiter Niederrhein und für die Wildwarn-Anlage an der Grunewaldstraße zuständig, zustimmen. 50:50 stehen nach Gansers Einschätzung die Chancen, dass die Anlage zuverlässig vor einem Wildwechsel warnen würde. "Es gibt immer wieder beträchtliche Ausfallzeiten. Aber wir versuchen, die immer wieder auftretenden Störungen stets mit Volldampf zu beseitigen", berichtet der stellvertretende Forstamtsleiter und gesteht auch ein, dass er von der Anlage enttäuscht sei. "Die wurde uns als Non-plus-Ultra-Anlage verkauft. Sie hat aber noch immer viele Kinderkrankheiten", sagt Hanns-Karl Ganser. Mal sei es ein Blitzeinschlag, der die Elektronik der Anlage zerstöre. Mal sei es ein Verkehrsunfall, der sie so sehr demoliere, dass kostspielige und aufwendige Reparaturen nötig seien. Zudem sei die Wartung der Anlage offenbar schwierig. Von einer niederländischen Firma, die für Pflege und einwandfreies Funktionieren der Warnleuchten verpflichtet worden war, hat sich der Landesbetrieb Forst und Wald, Regionalforstamt Niederrhein, bereits getrennt, da die Arbeiten nur unzureichend erledigt worden seien.

"Schlecht" findet eine defekte Wildwarn-Anlage auch der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Gerhard Thomas. Der Jäger sieht vor allem, dass die Straße querende Schwarzwild als eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer. Während Rotwild scheu sei und eine Lücke im Verkehr suche, um eine Straße zu queren, seien Wildschweine unvorsichtiger. "Wenn ein Schwein losläuft, rennen mit Sicherheit andere einfach hinterher", warnt Gerhard Thomas. Dass Schwarzwild im Reichswald in großer Zahl lebe, kann nach Ansicht des Vorsitzenden der Kreisjägerschaft jeder erkennen, der am Soldatenfriedhof vorbeifährt. Dort würden die Schweine am Rande der Straße immer wieder kräftig den Boden aufbrechen. Den grundsätzlichen Nutzen von Wildwarn-Anlagen, von denen es in NRW bislang nur drei (außer der an der L 484 noch eine an der B 504 in Kranenburg und eine an der A 31 bei Schermbeck) gibt, bestreiten weder Hanns-Karl Ganser noch Gerhard Thomas. Doch sie müssten eben zuverlässig funktionieren. Das ist zumindest an der Grunewaldstraße nicht der Fall. Die Anlage, die dank Laserstrahlen Wildwechsel anzeigen soll, sei einfach zu anfällig. Selbst "normale" Witterungseinflüsse lösten an ihr Störungen aus.

Die Anlage an der B 504 in Kranenburg funktioniert laut Gerhard Thomas unkomplizierter und sicherer. Dort zeigten Warntafeln stets ein Tempo-Limit von 70 km/h an. Das sei die Geschwindigkeit, die Verkehrsteilnehmer in Waldgebieten nie überschreiten sollten. Und der Vorsitzende der Klever Kreisjägerschaft hat einen guten Rat aus Zeiten, in denen noch keine technisch anfälligen Anlagen den Autofahrern die Verantwortung scheinbar abgenommen haben: "Jeder sollte beim Fahren nach rechts und links an den Straßenrand schauen, ob da Wildtiere zu sehen sind."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Emmerich: Wildwarn-Anlage im Reichswald oft defekt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.