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Emmerich
Zuckerfabrik will mit Steinkohle produzieren

Emmerich: Zuckerfabrik will mit Steinkohle produzieren
Die Zuckerrübenfabrik der Firma "Pfeiffer & Langen" in Kalkar-Appeldorn will ihre Produktion erweitern. FOTO: Gottfried Evers
Emmerich. Ein neues Kesselhaus von Pfeiffer & Langen in Appeldorn soll mit Kohle befeuert werden. Das Unternehmen erwartet bessere Marktchancen durch mehr Effizienz. Rübenkampagne dürfte künftig länger dauern. Von Anja Settnik

Zwar soll in Deutschland nur bis 2018 Steinkohle gefördert werden, aber das bedeutet nicht, dass der Brennstoff nicht mehr genutzt wird. Tatsächlich soll er in Kalkar zu neuen Ehren kommen: Die Zuckerfabrik Pfeiffer & Langen hat beantragt, ein Kesselhaus errichten und in Betrieb nehmen zu dürfen, das Steinkohle nutzt. Die Stadtverwaltung Kalkar, über die Bezirksregierung als Trägerin des Verfahrens beteiligt, befürwortet die Änderung. Das Thema wird im Bau- und Planungsausschusses am Donnerstag, 21. April, ab 18 Uhr, besprochen.

"Die Investition stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Zuckerfabrik in Appeldorn und sollte den Betriebsstandort deutlich sichern", sagt Kalkars Stadtbaurat Frank Sundermann. Insbesondere denkt er an das Auslaufen der Zuckermarktordnung, die es außereuropäischen Ländern erleichtern wird, billigen Zucker einzuführen. Die Quote wird zum Oktober 2017 abgeschafft.

Die Branche "wehrt" sich mit einem ähnlichen Mittel: Statt teurer Energie soll teilweise billige Importkohle verfeuert werden. "Alle unsere Mitbewerber tun das längst", versichert Jürgen Pinske, kaufmännischer Leiter des Kalkarer Werkes. Gas sei deutlich teurer. Damit beschickt Pfeiffer & Langen nämlich sein anderes Kesselhaus. "In Zukunft werden wir auf den Brennstoff Schweröl vollständig verzichten", kündigt Pinske an. Erdgas und Biogas aus der Abwasserbehandlungsanlage wird den einen Kessel versorgen, Steinkohle den anderen.

Die geplante Änderung der Anlage unterliegt einem Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Die Planung ist in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung entwickelt worden, die Behörde hat die Unterlagen inzwischen weitergereicht - an Stadt und Kreis und weitere Stellen. "Wir hoffen, dass wir nach einer Anhörung im Sommer noch in diesem Jahr die Genehmigung bekommen", erklärt der Geschäftsführer. Er wünscht sich, dass künftig weitere Landwirte in der Nähe des Werkes (auch im benachbarten Münsterland) für Pfeiffer & Langen Rüben anbauen werden, damit noch mehr Zucker produziert werden kann und sich die teuren Maschinen und hohen Investitionen bezahlt machen.

Zu rechnen ist laut den eingereichten Unterlagen mit einer demnächst etwas längeren jährlichen Kampagne, mehr Lärm, Gerüchte oder Luftschadstoffe werden nicht erwartet. Der Kohlestaub, der beim Abkippen nicht zu vermeiden sein wird, soll nicht nach draußen dringen, sondern in einer eigenen Umschlaghalle verbleiben. Während der Kampagne (bis zu 20 Tage mehr als bisher) dürfen täglich maximal 60 Lkw bei Tag und 26 bei Nacht Richtung Zuckerfabrik rumpeln, dazu neun Lkw, die Kohle anliefern.

In der Politik haben die meisten Fraktionen noch nicht über das Thema gesprochen, mehrere Fraktionsvorsitzende zeigen aber Bereitschaft, den Antrag zu unterstützen. "Wir haben uns schon gefragt, ob es heute noch Steinkohle sein muss, aber es geht um das Bestehen auf dem Weltmarkt und um Arbeitsplätze", sagt CDU-Fraktionschef Klaus-Dieter Leusch. Lutz Kühnen (Forum) findet es "schön, dass in den Standort investiert wird und dass mal wieder ein Kalkarer Unternehmen expandiert". Die Fraktion müsse sich aber noch austauschen.

Ein Kommunalpolitiker reagiert erwartungsgemäß mit Empörung - der Grüne Willibald Kunisch. "Mit Schweröl zu heizen, war seit Jahren nicht mehr zulässig und wurde nur mit einer Sondergenehmigung toleriert. Jetzt auf Steinkohle umzusteigen heißt, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Wir Grünen wollen das Unternehmen auch in Kalkar halten, aber man könnte auch einen zweiten Kessel mit Gas befeuern. In Goch bei Nährengel war die Situation vor Jahren ganz ähnlich, und dort hat man ein Biomassekraftwerk errichtet, um vom Heizöl wegzukommen."

Quelle: RP
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