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Erkelenz
Rasende Autos aus Moorheide fernhalten

Erkelenz: Rasende Autos aus Moorheide fernhalten
Peter London (mittig) und die Mitglieder des Bezirksaussschusses Gerderath ließen sich die Verkehrssituation in Moorheide erklären. Das Dorf liegt in einer Sackgasse - wenn nicht die Feldwege missbräuchlich befahren würden. FOTO: Jörg Knappe
Erkelenz. Moorheide will eine Verkehrsberuhigung und dafür selbst zahlen. Der Bezirksausschuss ist dafür, kritisiert aber den Vorstoß aus dem Rathaus. Von Andreas Speen

Nicht oft fahren Autos durch Moorheide. Dafür fahren die, die das Dorf als Abkürzung von Tüschenbroich nach Gerderath nutzen zu schnell und rücksichtslos. So beschreiben es die Anwohner, die sich schon lange um eine Verkehrsberuhigung bemühen. Da das städtische Ordnungsamt ihnen erklärt hatte, dass ihr Ansinnen unter anderem aus finanziellen Gründen zeitnah keinen Erfolg haben würde, wurden in Moorheide rund 1900 Euro gesammelt und vor fünf Monaten an die Stadt überwiesen. Als Option, um vier Bodenschwellen zu bekommen, habe das Ordnungsamt diesen Weg aufgezeigt - jetzt schaute sich der zuständige Bezirksausschuss die Situation vor Ort an. Die Stadtverwaltung hatte dessen Mitglieder um eine Empfehlung gebeten, wie mit dem Wunsch aus Moorheide umgegangen werden soll.

"Man kennt das Dorf als sehr ruhig. Zunächst habe ich deshalb geschmunzelt, als ich hörte, Moorheide soll verkehrsberuhigt werden", sagte Peter London, der Vorsitzende des Bezirksausschusses Gerderath, zu Beginn des Ortstermins. Er habe weiter nachgedacht und sei zu der Erkenntnis gelangt, dass in der Siedlung mit sieben Häusern wohl wirklich etwas nicht stimmen könne, wenn die Anwohner mit "bürgerschaftlichem Engagement" Geld für eine solche Maßnahme sammelten: "Deshalb sind wir hergekommen."

Von den Anwohnern hörten die Mitglieder des Bezirksausschusses, dass Autos regelwidrig über einen Landwirtschaftsweg in den Ort einfahren und zwischen Moorheide und Gerderhahn regelwidrig auf einen solchen Weg nach Gerderath abbiegen. Gerderhahn wird dabei umfahren, dafür aber durch Moorheide gefahren, das eigentlich in einer Sackgasse liegt. Die Autos seien viel zu schnell, ebenso der zweimal am Tag verkehrende Bus.

Dass die Anwohner eine Verkehrsberuhigung haben wollen, verstand der Bezirksausschuss gut. Er riet jedoch von vier über das Dorf verteilten Bodenschwellern ab. Das Bremsen und Anfahren der Autos verursache Lärm. Stattdessen soll ein Bodenschweller am Ortsanfang eingebaut werden und der Feldweg nach Gerderath einen sogenannten Ölwannenkiller bekommen. Über den können landwirtschaftliche Fahrzeuge fahren, nicht aber Pkw. Die würden sich die Ölwanne aufreißen. "Beide Maßnahmen sollten reichen, um den Durchgangsverkehr aus dem Dorf zu halten", sagte Peter London.

Nicht verstehen konnte der Bezirksausschuss hingegen das Ordnungsamt. "Wie kommt die Stadt dazu, den Bürgern zu raten, selbst die Kosten zu übernehmen?", fragte Hans Dieter Vasters (CDU), "entweder ist die Verkehrsberuhigung nötig, dann zahlt die Stadt, oder sie ist unnötig." Auch für ihn sei es neu, dass die Erkelenzer Verwaltung diesen Weg gehe, sagte der stellvertretende Bürgermeister Walter von der Forst (CDU). Und Irmtraud Keusemann (SPD) fragte sich, warum die Bürger selbst zahlen sollen - oder können, denn: "Wer selbst zahlt, der bekommt schnell eine Verkehrsberuhigung. Das fördert Ungerechtigkeiten."

Letztlich empfahl der Bezirksausschuss Gerderath, den Bodenschweller und sogenannten Ölwannenkiller in Moorheide zu installieren, forderte die Stadtverwaltung allerdings auf, ihr Vorgehen in der nächsten Ausschusssitzung zu erklären.

Quelle: RP
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