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Geldern
Abschied nach elf Jahren als Bürgermeister

Chronik: Ulrich Janssen - elf Jahre Bürgermeister in Geldern
Chronik: Ulrich Janssen - elf Jahre Bürgermeister in Geldern FOTO: Klaus-Dieter Stade
Geldern. Heute hat Ulrich Janssen seinen letzten Tag als Verwaltungschef. Er verlässt das Gelderner Rathaus, ohne zu hadern, sagt er. Was in Zukunft aus ihm wird, weiß er noch nicht. Vielleicht geht er doch in die Wirtschaft - Gesprächsangebote hat es gegeben. Von Sina Zehrfeld

Ulrich Janssen wirkt offen, entspannt, humorvoll beim Termin am Ende seiner letzten vollständigen Arbeitswoche. Mit ausladender Geste deutet er rundum in sein Büro: "Ziemlich leer schon", sagt er. Schiebt Schranktüren auf und zieht Schubladen heraus: "Leer... und... leer." Am Montag nach der Wahl ging er vormittags ins Rathaus und fing an, auf- und auszuräumen. Zwei Tage vergrub er sich in diese Arbeit: Keine Telefonate, das Handy aus, keine Mails beantwortet - er wühlte sich durch Akten. "Stupide, motorische, gleichmäßige Arbeit", sagt er. "Das war, glaube ich, für mich ganz gut."

Er habe die Enttäuschung nach der verlorenen Wahl verdauen müssen. Er sei mit Ehrgeiz hineingegangen, er wollte gewinnen. Aber wenn die Bürger, ihn nicht mehr wollten, "dann kann ich das allemal besser ertragen, als wenn ich auf einer Mitgliederversammlung durch welche Zufallseinflüsse auch immer fünf Stimmen zu wenig habe", sagt Ulrich Janssen. Und jetzt gehe es ihm gut, er habe Abstand gewonnen. "Emotional empfinde ich den 27. September, als ob er schon ein Dreivierteljahr her wäre. Wobei man nicht unterschätzen sollte: Ich werde das hier schon vermissen."

Am schwersten werde ihm der Abschied von den Mitarbeitern fallen. "Der Austausch. Mal ein Brainstorming, gemeinsam ausleuchten, was geht", beschreibt er. Von Seiten der Kollegen habe er bewegende Sätze gehört, es habe rührende Momente gegeben. Doch weil das Verwaltungsgeschäft nicht innehält, vergingen auch Janssens letzte Tage im Amt mit Alltagsarbeit. Es gab Stabsitzungen in Sachen "Flüchtlinge", es ging noch mal um Woolworth, es gab Gespräche mit Investoren und eine Fahrt zur Immobilienmesse Expo Real.

Was seine eigene Zukunft betrifft, mache er sich keine Sorgen. Zum einen ist ein ehemaliger Bürgermeister nach Janssens Dienstjahren finanziell wie berichtet abgesichert. Zum anderen gab es Signale aus der Wirtschaft. Zum Beispiel habe sich ein Unternehmer wegen eines möglichen Postens in einem Anwalts-, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsbüro gemeldet. Eine Aktiengesellschaft aus dem Dienstleistungssektor kam mit einem Gesprächsangebot über einen Aufsichtsratsvorsitz. Das alles nehme er dankbar auf und werde darüber nachdenken, weiter sei er bis jetzt noch nicht, erklärt Janssen: "Ich weiß noch gar nicht, was ich wirklich will." Außerdem gebe es ja da, deutet er an, auch noch "das große Feld der Politik" als Perspektive.

Es gibt das Gerücht, es gebe für Janssen einen Platz in der RAG-Stiftung, aufgetan durch Ex-NRW-Finanzminister Helmut Linssen, der ihm bekanntlich stets den Rücken gestärkt hatte. Ulrich Janssen weist das allerdings zurück: "Quatsch", schüttelt er den Kopf: "Blödsinn! Das ist noch nicht mal eine Idee gewesen."

Eine klassische "Übergabe" an Sven Kaiser, der ab morgen auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt, gab es nicht. Kaiser war wiederholt zu Besuch, es ging um Termine und laufende Vorgänge. Weiter wolle er sich nicht einmischen betont Janssen. Er habe es immer gut gefunden, wenn ein Vorgänger einen Nachfolger in Ruhe lasse, bis dieser selbst Fragen habe. Ansonsten habe er weder "Leichen versteckt", noch wolle er Ratschläge geben.

Ob es etwas gibt, worüber er froh ist, es los zu sein? "Froh nicht", verneint Janssen. Ihm würden zwar ein paar absehbare Strapazen erspart bleiben, denn Geldern stehe vor wirklich großen Aufgaben. Der übliche Stress jedoch, Termindruck, Verantwortung: "So was habe ich nie als Belastung empfunden."

Quelle: RP
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