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Kerken
Alter Bahnhof Aldekerk im neuen Glanz

Kerken: Alter Bahnhof Aldekerk im neuen Glanz
Die Stühle sind passend zu den Original-Fliesen ausgesucht, die Deckenhöhe beträgt vier Meter. Dr. Georg Kaser im renovierten Bahnhofsgebäude, das in Zukunft für Veranstaltungen und Feiern verpachtet werden soll. Die Ausstattung mit Multimedia-Zubehör ist nicht unwichtig. FOTO: Gerhard Seybert
Kerken. Dr. Georg Kaser spricht von seinem Lebenswerk. Der Straelener Hausarzt kaufte 2013 das Gebäude und sanierte alles von Grund auf. In Zukunft sollen dort Geburtstage gefeiert werden und Tagungen stattfinden. Von Bianca Mokwa

Das Haus ist nicht zu übersehen. Mächtig herausgeputzt strahlt das alte Bahnhofsgebäude mit seinem strahlenden Weiß in der Morgensonne. Dreieinhalb Jahre Umbau stecken darin. 2013 hatte der Straelener Arzt Dr. Georg Kaser das Gebäude vom Aldekerker Bahnhof gekauft.

Sein erster Blick fiel darauf, als er mit dem Zug anreiste, um seine Arztstelle in Straelen anzutreten. Vom Bahnhof radelte er mit dem Fahrrad weiter. Die Erinnerung an das alte Bahnhofsgebäude mit dem verwitterten Verkaufsschild blieb.

Vom ersten Interesse bis zum Rückruf, dass er das Haus kaufen könnte, brauchte er Geduld. Fast ein Jahr wartete er auf diesen Anruf. Der Kaufpreis sei kein Geheimnis. "50.000 Euro", sagt Dr. Kaser. "Aber was ich reingesteckt habe, das will ich selber gar nicht wissen."

Der Aldekerker Bahnhof von außen. Die Immobilie macht etwas her. Bei Georg Kaser hinterließ sie von Anfang an bleibenden Eindruck. FOTO: bimo

Er geht zufrieden durch den ehemaligen Wartesaal. Die Stühle aus dunkelbraunen Holz passen zu den Original-Fliesen. Die Deckenhöhe beträgt vier Meter, der Raum ist lichtdurchflutet. Geburtstage sollen dort gefeiert werden, aber auch Firmen können die Räume mieten. Multimedial ist alles da, angefangen vom Beamer bis zum Bildschirm. Er wolle demnächst auch medizinische Veranstaltungen im alten Bahnhofsgebäude organisieren, für Ärzte und Patienten. "Um dem steigenden Beratungsbedarf vor allem der Patienten entgegenzukommen", erklärt der Hausarzt.

Natürlich habe es auch das Gerücht gegeben, dass im alten Bahnhofsgebäude eine Arztpraxis entstehen könnte. Ihm sei es aber darum gegangen, etwas zu realisieren, was dort hingehört. Und das sei die Gastronomie.

Im Gebäude aus dem Jahr 1868 war Wilhelm Cuypers der erste Pächter der Bahnhofsgaststätte. Im Raum neben dem alten Wartesaal ist nun wieder eine Theke eingebaut. Außerdem gibt es eine Küche mit Gasherd, Spülmaschine und Geschirr. Wer eine Veranstaltung bucht, der kann das nutzen oder mit einem Caterer zusammenarbeiten. Ob er sich vorstellen könnte, einmal selbst hinter der Theke zu stehen? Dr. Kaser verneint. "Nein, das ist nicht mein Ding. Da gibt es Leute, die können das besser." Er möchte die Räume für Veranstaltungen verpachten. "Ich wollte eine Immobilie mit betriebswirtschaftlichem Projekt", sagt der Hausarzt.

Später soll im Obergeschoss eine Ferienwohnung oder eine Hochzeitssuite entstehen. Bestechend sind auch hier die hohen Decken.

Dr. Kaser blickt zurück auf die dreieinhalb Jahre Arbeit, die kompletten Verzicht auf seine Freizeit bedeuteten. "Wir haben gearbeitet und Dreck geschluckt ohne Ende", sagt er über die Sanierung. "Das war eine komplette Ruine, ein unglaubliches Ding." Er habe sich keine leichte Aufgabe gestellt. "Das Dach war das größte Abenteuer, und dann ist was Schönes draus geworden." Insgesamt sei der Weg ein unglaubliches Abenteuer gewesen, mit zahlreichen Kurskorrekturen. Das Kellergewölbe wird aktuell noch ausgebaut. "Konferenzräume, eine kleine Tanzfläche", zählt Dr. Kaser auf, was denkbar wäre. "Es wird sicherlich urig werden", sagt er über die großzügigen Räume, die den Charme alter Zeiten aufleben lassen.

Ob das strahlend weiße Bahnhofsgebäude in Aldekerk das Schönste weit und breit ist, das vermag Dr. Kaser nicht zu sagen. Er wolle sich nicht mit anderen messen, wie dem Kempener Bahnhof. "Aber ich bin selber überrascht, wie schön es geworden ist." Und ja, er sei stolz. "Das ist mein Lebenswerk", so der 52-Jährige. Gemeinsam mit Architekt Peter Franke hat er alles geplant.

Vom ehemaligen Wartesaal tritt er nach draußen. Den Anbau Richtung Gleis hat er entfernen lassen, um den Urzustand wieder herzustellen. Der Niersexpress fährt gerade ein. "Natürlich hört man den Zug, wenn er ein- und ausfährt", sagt Dr. Kaser. "Aber das sind Momente. Danach verwöhnt einen die Niederrheinidylle, abseits vom Auto- und Parkplatzstress." Er sei fasziniert von der kleinen Eisenbahnromantik, die man dort genießen kann. Außerdem reize ihn die Vorstellung, dass er sich einfach nur in den Zug setzen muss und in der interessanten Metropole Düsseldorf aussteigen kann. Gute Anbindung, noch so ein Vorteil von der neuen Veranstaltungsstätte in Aldekerk.

Quelle: RP
 
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