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Regina Peeters
Am Besuch von Joachim Gauck arbeiten

Regina Peeters: Am Besuch von Joachim Gauck arbeiten
Regina Peeters ist neue Geschäftsführerin des EÜK. Hier steht sie im Atrium des Hauses. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Die neue Geschäftsführerin des Europäischen Übersetzer-Kollegiums (EÜK) über die Situation des Hauses an der Straelener Kuhstraße. Finanzen als permanente Herausforderung. Viele Seminarprojekte. 13. Verleihung des Übersetzerpreises.

Seit wann arbeiten Sie schon im EÜK? Und in welchen Funktionen?

Regina Peeters Das Kollegium habe ich schon sehr früh kennengelernt, als Gymnasiastin kurz nach der Gründung. Nach dem Studium habe ich als Pressereferentin den Kontakt zu den Medien hergestellt und gepflegt; darüber hinaus war ich für den Aufbau der Bibliothek verantwortlich, die mit 100.000 Bänden in über 300 Sprachen und Dialekten mittlerweile die weltweit größte Spezialbibliothek für Literaturübersetzer ist.

Ist mit Ihrem Wechsel in die Geschäftsführung eine gewisse Kontinuität zu erwarten?

Peeters Das Kollegium hat sich in den vergangenen Jahren zu dem Zentrum für Literaturübersetzer weltweit entwickelt. Das belegen vor allem die guten Besucherzahlen und die vielen Aufenthaltsanfragen von Übersetzern aus allen Teilen der Welt. In den vergangenen Jahren ist es uns gelungen, für das EÜK ein stabiles Fundament zu schaffen. Dies fortzuführen, das ist mein Ziel.

Wo haben Sie Änderungen geplant?

Peeters Veränderungen sollen kein Selbstzweck sein. Im Zeitalter der Digitalisierung und der Neuen Medien ist es aber erforderlich, die technischen Voraussetzungen immer auf dem neuesten Stand zu halten.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für das EÜK?

Peeters Eine Herausforderung wird sein, möglichst viel von dem, was an spannenden Seminarprojekten jedes Jahr neu an uns herangetragen wird, zu realisieren: Denn bei einer Belegung von mehr als 700 Gästen jährlich und etwa 20 Seminaren sind wir schon an der Kapazitätsgrenze. Häufig sind unsere Gästezimmer bereits Monate im Voraus ausgebucht.

Wo und von wem wünschen Sie sich mehr Unterstützung?

Peeters Für kleinere Kultureinrichtungen ist es eine permanente Herausforderung, den finanziellen Bedarf dauerhaft zu sichern. Eine stärkere Lobby für die Kultur wäre hilfreich.

Wie sieht das Programm des laufenden Jahres aus?

Peeters Neben vielen Einzelgästen, unter anderem aus Argentinien, China, Japan und Mexiko, haben wir im Rahmen der Projektreihe "Straelener Atriumsgespräche" in diesem Jahr die preisgekrönten Autoren Jenny Erpenbeck und Ilija Trojanow zu Gast; der "Straelener Übersetzerpreis" wird bereits zum 13. Mal verliehen; außerdem veranstalten wir Seminare, die sich zum Beispiel mit dem Übersetzen von Comics beschäftigen oder mit dem Umgang mit übersetzerischen Schwierigkeiten in der deutschen Sprache; darüber hinaus bieten wir auch wieder mehrere zweisprachige Werkstätten an, in diesem Jahr für literarische Übersetzer aus Dänemark, aus den Niederlanden und aus Ungarn. Die Planung für 2017 läuft übrigens schon auf Hochtouren.

Gibt es einen Gast, den Sie gerne in den Mauern des EÜK begrüßen würden?

Peeters Nachdem der Vorstand des EÜK bereits beim Bundespräsidenten Gauck und seiner Lebensgefährtin im vergangenen Mai im Schloss Bellevue eingeladen war, steht ja nun eigentlich ein Gegenbesuch aus. Wir arbeiten daran.

Ihre ganz persönlichen Wünsche für Ihre Arbeit?

Peeters Die Arbeit des Kollegiums ist häufig unspektakulär und liefert nicht immer Schlagzeilen fürs Feuilleton. Dennoch: "Ich möchte darauf hinweisen, dass große Dinge nicht immer in großen Städten geschehen und nicht immer mit irrsinnigem Tamtam und Popp und Hopp, das schnell zerplatzt. Ich glaube, dass hier etwas ganz Großartiges geschehen ist, was wahrscheinlich bis heute fast einmalig ist", so sagte es unser Schirmherr Heinrich Böll anlässlich der Eröffnung des neuen Domizils des Kollegiums im April 1985. Nun war Heinrich Böll dem Pathos offenbar nicht abgeneigt. Den Nobelpreisträger gleichwohl nicht ins Unrecht zu setzen, das versuchen wir - das Team des Übersetzer-Kollegiums - jeden Tag aufs Neue.

DIE FRAGEN STELLTE MICHAEL KLATT.

Quelle: RP
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