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Geldern
Der 2,45-Meter-Riese von Pont

Geldern: Der 2,45-Meter-Riese von Pont
Im Marburger Museum anatomicum kann das Skelett des "Langen Anton" besichtigt werden. FOTO: Bildarchiv Marburg
Geldern. Wissenschaftler vermuten: Der "Lange Anton" ist im Gelderland geboren. Sein Skelett wird in Marburg aufbewahrt. Von Bianca Mokwa

Erst die Drachensage, dann Tolkiendorf und jetzt das. Der Marburger Professor Dr. Gerhard Aumüller ist davon überzeugt, dass der "Gigant von Helmstedt" in Pont geboren ist. Das Skelett des 2,45 Meter großen Mannes existiert noch und kann in der Marburger Anatomischen Sammlung bestaunt werden. Bekannt ist der riesenhafte Mann als "Langer Anton". Und der soll ursprünglich vom Gelderland aus in die weite Welt gewandert sein.

Eine Spurensuche. Die Doktorandin Nina Ulrich entdeckte mit der Leiterin des Marburger Museums anatomicum, Professor Dr. Birte Steiniger, den Holzschnitt eines "Antonij Franckenpoint auß Gellern", einem Mann von "ungewöhnlicher Größe und Länge". Nina Ulrich machte einen weiteren Druck ausfindig von einem "Anthoni Franck aus dem Land zu Gellern", der als 14-Jähriger schon dreieinhalb Ellen maß. Umgerechnet sind das 2,30 Meter.

Für Professor Aumüller ist die Sache klar. "Gellern" meint die Stadt Geldern. Und bei dem Namen könne es sich durchaus um einen Übertragungsfehler oder eine "Verballhornung" handeln von einem "Franck de Pont" oder "Francken von Pont". Der Blick auf die Landkarte machte schnell klar, so einen Ort in der Nähe von Geldern gibt es wirklich. Professor Aumüller griff zum Telefon, rief Goswin Linder an und bat den Ponter Heimatforscher um Schützenhilfe. Doch der hatte davon noch nie gehört oder gelesen.

Den Professor wundert das nicht. Der Nürnberger Druck aus dem Jahr 1575 zeigt den 14-jährigen Anton, der dreieinhalb Ellen misst. "Wenn er mit 14 Jahren schon in Nürnberg war, dann muss davon ausgegangen werden, dass er bereits ein Jahr unterwegs war", erklärt der Marburger Professor. Ziemlich früh, also mit 13 Jahren, hätte er dann Pont verlassen. Vermutlich haben die Eltern ihn weggeschickt, als sie merkten, dass ihr Kind immer größer und größer wurde, überlegt Aumüller laut. "Damals war das Leben relativ hart", erklärt der Professor.

Akromegalie nennt sich die Krankheit, an der Antonius litt. Seine riesenhafte Größe lag an der Überproduktion von Wachstumshormonen. Der Lange Anton machte offensichtlich das Beste daraus. Denn er taucht immer wieder in der Literatur auf. Nürnberg und Straßburg sind Stationen seines Lebens und Wirkens. Er machte seine Körpergröße zu Geld. "Die Adeligen sammelten doch Exoten", sagt Linder. Unter anderem bot der "Lange Anton" als Türwächter bei Hofe eine imposante Erscheinung.

Alt ist er hingegen nicht geworden, sagt Professor Aumüller. "Verschiedene Leiden" schreibt er ihm zu. Das Skelett lässt auf einen Bruch des Oberschenkelhalses schließen. Es gibt Hinweise darauf, dass der "Lange" eine Krücke brauchte.

Das Alter, wann er gestorben ist, lässt sich nicht genau angeben, da die Zähne fehlen, erklärt der Professor. Und auch das Geburtsdatum ist nur zu schätzen, da sich je nach Text und Bild ein Geburtsdatum von 1544 oder 1560 errechnen lässt. In hiesigen Kirchenbüchern ist er nicht explizit genannt.

Die Schwiegertochter von Goswin Linder ist aber im Straelener Stadtarchiv fündig geworden. Pont gehörte damals zum Pfarrbezirk Straelen. In den Büchern findet sich ein Jacop Francken. "Der könnte als Bruder des langen Anton infrage kommen", sind sich Linder und Aumüller einig. "Warum eigentlich nicht?", fragt Linder. Offensichtlich ist an der Geschichte doch mehr dran, als nur ein Wunsch, auch wenn der Professor aus Münchhausen kommt. Der nimmt dem Vergleich mit dem Lügenbaron mit Humor den Wind aus den Segeln. "Ich bin wirklich ein ernsthafter Wissenschaftler und kein Märchenerzähler", sagt er.

Der Professor lädt ein, sich selbst ein Bild zu machen. An jedem ersten Samstag im Monat gibt es eine öffentliche Führung im Marburger Museum. Und das Skelett sei einer der Clous, vor allem jetzt, verbunden mit einer sehr interessanten Geschichte.

Ein Ponter eben.

Quelle: RP
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