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Issum
Flüchtlings-Talk: "Wir müssen einen langen Atem haben"

Issum: Flüchtlings-Talk: "Wir müssen einen langen Atem haben"
Vertreter aus Politik, Kirche, Ehrenamt und eine Trauma-Therapeutin sagten ihre Meinung zum Thema Flüchtlinge. FOTO: Seybert
Issum. Einen Abend lang besprachen Bürgermeister Clemens Brüx, Pfarrerin Yvonne Brück, Ehrenamtlerin Sabine Vitten und Trauma-Therapeutin Esther Mujawayo-Keiner, wie Integration gelingen kann. Von Bianca Mokwa

Der Kulturkreis Issum und der Caritasverband Geldern-Kevelaer hatten zu einer Talkrunde zum Thema "Issum und die Welt im Wandel - Wir und die anderen" eingeladen. Die Jugendbegegnungsstätte war gut besucht, immerhin ging es um die Flüchtlingsdiskussion, aber diesmal konzentriert auf den eigenen Wohnort. "Wir wollen ein bisschen informieren und schlau machen", nannte Thomas Bierschenk vom Kulturkreis den Sinn des Abends. Es wurde weder schwarz-weiß gemalt, noch rosarote "Wir-schaffen-das"-Philosophie verbreitet. Zum Einstieg lieferte Moderator Axel Post nüchterne Zahlen. "Wir sprechen von einer Million Flüchtlinge in Deutschland", sagte er. Prozentual machen diese 1,3 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland aus, in Issum liegt der Prozentsatz bei 2,2. Bürgermeister Clemens Brüx sprach bewusst von schutzsuchenden Menschen, nicht von Flüchtlingen. Yvonne Brück machte deutlich: "Kein Mensch verlässt freiwillig seine Heimat."

Dass geholfen werden muss, wurde an dem Abend nie in Frage gestellt. Sabine Vitten, die sich ehrenamtlich für die Integration von Flüchtlingen einsetzt, berichtet von ihrer Arbeit und der Zukunft in sehr emotionaler, nicht beschönigender Weise. "Wir müssen die Komfortzone irgendwann verlassen", sagte sie. "60 Millionen Menschen sind noch unterwegs. Wir kümmern uns über eine überschaubare Menge." Auch Brüx sprach davon, einen langen Atem haben zu müssen. Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer, dass Integration nur über Sprache und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erfolgen könne. "Sprache, Schule, Weiterbildung, Ausbildung und Studium sind der einzige Weg. Das ist bei unseren Kindern auch nicht anders", zog Brüx den Vergleich.

Traumatherapeutin Esther Mujawayo-Keiner stammt aus Ruanda und gab einen persönlichen Einblick in die Situation, alles zu verlieren und neu anfangen zu müssen. Sie gab der Diskussion eine weitere Wendung. Hinter der Flüchtlingswelle stecke eine ganze Geschichte. Sie nannte Waffenhandel als Stichwort. "Man muss an den Wurzeln der Konflikte arbeiten", forderte sie.

Quelle: RP
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