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Geldern
Hilferuf für die Pommesbude

Geldern: Hilferuf für die Pommesbude
Viele Gelderner kennen Eric Mulders und seinen Frittenstand am Bahnhof. Der 56-Jährige sammelt Unterschriften, damit er am Standort bleiben darf. Er hat nämlich nur eine Sondergenehmigung, die im Sommer ausläuft. Die Stadt macht ihm allerdings keine Hoffnungen auf Erfolg. FOTO: Thomas Binn
Geldern. Eric Mulders betreibt den Imbissstand auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Genehmigung dafür läuft im Sommer aus. Er aber sagt: "Ich will hier bleiben." Dafür sammelt er jetzt Unterschriften, es gibt sogar eine Petition im Internet. Von Sina Zehrfeld

Eric Mulders steht vor seinem Imbisswagen in der Frühjahrskälte. Zwei Kunden sitzen an einem Campingtisch vor seiner Theke, im Hintergrund rauschen Züge ein und aus, und Mulders blättert durch Listen voller Namen. "Das sind schon 150 Unterschriften", sagt er. Alles Leute, die wollen, dass er am Bahnhof weiter Würstchen und Pommes ans hungrige Volk verfüttern darf. Viele Schüler haben die Vordrucke mitgenommen, um sie quasi auf dem Schulhof zu füllen. Und es läuft eine Petition im Internet: Gut 250 Unterstützer hatten sie bis gestern unterzeichnet, davon rund 130 aus Geldern.

Eric Mulders findet, dass er sich den lukrativen Platz am Bahnhof verdient hat. "Ich hab' hier gestanden in Regen und Wind, das ganze Jahr durch", sagt er. "Ich habe einen richtigen Kundenstamm aufgebaut. Wenn schönes Wetter ist, ist es hier bombenvoll." Er habe die Vorarbeit für eine gut gehende Gastronomie am Bahnhof geleistet, meint er, und jetzt sollten andere den Gewinn einstreichen: "Die Leute haben gesehen, es läuft hier gut."

Er hatte das gleich geahnt, als er 2014 mitbekam, dass eine kleine Gastronomie zum Bahnhof kommen soll. Nicht nur alle Bahnkunden, sondern auch tausende Schüler kommen da vorbei. Und wenn das Berufskolleg in den Nierspark zieht - angedacht ist das für den Sommer - sitzen diese jungen Leute direkt nebenan. Mulders erinnert sich, wie ihm sofort klarwurde: "Da muss ich hin."

Bekanntlich soll es nach dem großen Umbau des Areals einen Kiosk oder ein Café direkt am Bahnhof geben. Dafür steht, ebenso wie für die geplante Fahrradwerkstatt, die Lebenshilfe als Betreiberin in den Startlöchern. Eric Mulders hingegen verkauft seine "Holländischen Fritten" seit Juli 2015 mit einer befristeten Sondergenehmigung am Standort. Diese Erlaubnis läuft im Juni aus.

Er sieht damit seine Existenz bedroht. "Ich bin 56 und bin noch mal durchgestartet", sagt er, "ich will nicht mehr in Hartz IV." Denn damit musste er schon Erfahrungen sammeln. Früher hat er sein Geld als Pflasterer verdient, bis sein Rücken das nicht mehr mitmachte und er arbeitslos wurde. "Dann stand ich mit der Gulaschkanone auf dem Markt", erzählt er weiter. Daher kennen ihn viele Gelderner. Die meisten erinnern sich auch noch an die Aktion "Geschobene Suppe": Kunden konnten nach Belieben eine Suppe bezahlen, die am Stand an Bedürftige verschenkt wurde.

Er weiß nicht, wie es weitergehen soll, wenn er nicht mehr am Bahnhof stehen darf. "Mein Ziel war das hier. Der Traum ist im Juni quasi vorbei", sagt er und deutet auf "seinen" Wagen - das Fahrzeug gehört ihm nicht, sondern ist gemietet. Das Geschäft laufe zwar gut, aber Rücklagen habe er sich nicht schaffen können: "Im ersten Jahr, da muss man investieren. Im Moment arbeite ich für die Rechnungen."

Er möchte unbedingt irgendwo in der Nähe des Bahnhofs bleiben. Auf dem Vorplatz oder auch auf der anderen Seite im Nierspark, wo die Wasserflächen zum Verweilen einladen. Oder auch sonst in irgendeiner freien Ecke, wenn sich eine fände. Mit dem Kiosk der Lebenshilfe könnte er sich eine friedliche Koexistenz vorstellen - es gebe genug Kundschaft für alle.

Die Stadt Geldern macht Mulders aber keine Hoffnungen. "Ein Betrieb über den 30. Juni 2016 hinaus ist nicht möglich", macht Sprecher Herbert van Stephoudt deutlich. Man könne Mulders auch keinen alternativen Standort auf der anderen Seite des Bahnhofes anbieten: "Ich bedaure, keine anders lautende Entscheidung übermitteln zu können."

Allerdings habe Eric Mulders auch von Anfang an gewusst, dass die Genehmigung für seinen Verkauf nur befristet sein würde. Ebenso wie die Tatsache, "dass das künftige Nutzungskonzept des Platzes keinen Betrieb eines Imbisswagens vorsieht". Die Stadt verweist dabei auf die Beschlüsse der Politik.

Quelle: RP
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