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Geldern
Klever Selbsthilfebüro seit zehn Jahren aktiv

Geldern: Klever Selbsthilfebüro seit zehn Jahren aktiv
Bärbel Vick leitet das kreisweit tätige Selbsthilfe-Büro des Paritätischen, das am Freitag den zehnten "Geburtstag" feiert. FOTO: Gottfried Evers
Geldern. Rund 150 Selbsthilfegruppen fangen kreisweit Menschen auf, die mit anderen ihre Lebenssituation nach Krankheit oder bei chronischen Beschwerden verbessern wollen. Klever Büro hilft bei der Gründung. Von Anja Settnik

Nicht immer ist eine Krankheit, die diagnostiziert und fachlich behandelt wurde, ausgestanden. Körperlich oder auch seelisch können langfristige Folgen auftreten, mit denen der Patient sich oft allein gelassen fühlt. Dann können Selbsthilfegruppen helfen, von denen es auch im Kreis Kleve zahlreiche gibt. Das kreisweit tätige Selbsthilfe-Büro des Paritätischen, geleitet von Bärbel Vick, betreut sie alle. Und freut sich, für Freitag, 18. November, ab 15 Uhr zum zehnjährigen Bestehen des Büros alle Betroffenen zur Feier im Kolpinghaus einladen zu können. Neben Wortbeiträgen gibt es kurze Aufführungen des Theaters mini-art und des Kabarettisten Okko Herlyn.

149 Selbsthilfegruppen gibt es derzeit im Kreis Kleve, weitere sind in Vorbereitung. Die Themen reichen von ADHS bis Zöliakie; viele davon sind Volkskrankheiten, andere sind wenig bekannt oder echte Exoten. "Wenn man weiß, dass es ungefähr 800 Muskelerkrankungen gibt, dürfte klar sein, dass es in unserer Gegend nicht zu jeder Erkrankung die passende Selbsthilfegruppe gibt", sagt Bärbel Vick. Eine Gruppe, in der sich Betroffene mit Muskelerkrankungen zusammenfinden wollen, ist in Vorbereitung.

Was ist Alpha-1-Antitrypsind-Mangel, worunter leiden Leute mit einem Plasmozytom? "Manchmal kenne ich die Krankheiten oder Symptome tatsächlich nicht, wegen derer die Betroffenen hier anrufen", gibt die Leiterin der Kontaktstelle zu. Aber da sie gut vernetzt ist und auch mit überörtlichen Organisationen verzahnt, weiß sie, wie sie sich schlaumachen kann. "In jüngerer Zeit sind es viele psychische oder seelische Probleme, die die Menschen belasten", sagt Bärbel Vick. Gruppen für soziale Phobien gibt es da, für Männer und Frauen mit Angst- und Panikattacken oder für Hochsensible. "Letztere haben sich schon so viele gemeldet, dass wir da schon drei Gruppen haben", erzählt die Fachfrau. Hochsensible nehmen Reize stärker wahr als andere - und leiden entsprechend oft an einer zumindest subjektiv empfundenen Reizüberflutung. Jede Disharmonie, jeder Schmerz, jede Unruhe raubt bei ihnen so viel Energie, dass die Bewältigung des Alltags Probleme bereitet.

"Dann tut es gut, unter Gleichgesinnten zu sein, die Ähnliches kennen oder vielleicht schon besser gelernt haben, mit ihrem Anderssein umzugehen", sagt Vick. Manchmal können Freunde oder Angehörige den Leidensdruck nicht nachvollziehen, verlangen, dass sich die Betroffenen "zusammenreißen" oder sich "nicht hängen lassen". Wer das nicht alleine schafft, dem kann vielleicht die Gruppe helfen. Bei somatischen Krankheitsbildern von Rheuma über Krebs bis zur Zuckerkrankheit werden auch Vorträge angeboten oder gibt es Tipps zu Ärzten oder Behandlungsmethoden.

Praktisch überall im Kreis treffen sich Gruppen, die mindestens sechs Mitglieder haben sollten, damit auch Kommunikation zustande kommt. Kirchengemeinden, Familienzentren, Wohlfahrtsverbände oder die FBS stellen Räume zur Verfügung. Vom allzu privaten Rahmen wird abgeraten; ein neutraler Ort sei vorteilhaft. Bärbel Vick vermittelt Ratsuchende, die sich bei ihr melden, zu einer Gruppe oder versucht eine Neugründung. Auf Wunsch kommt sie auch gerne mal zu einem Treffen dazu, um Regeln zu erläutern, zu moderieren oder bei Problemen auch mal zu vermitteln.

Zu erreichen ist das Selbsthilfe-Büro, das in Kleve an der Lohstätte 4 angesiedelt ist, telefonisch unter 028 21 78 00 12 oder per Mail an selbsthilfe-kleve@paritaet-nrw.org. Es gibt eine Internetseite www.selbsthilfekreiskleve.de und überregional die Homepage www.selbsthilfenetz.de.

Quelle: RP
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