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Geldern
Ökologische Callunen für die ganze Welt

Geldern: Ökologische Callunen für die ganze Welt
Hans, Christine und Ann Elbers zusammen mit Hans-Josef Kuypers, Josef Peters, Jana Borgmann und Nathalie Tekath-Kochs (von links). FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Die Sommertour "Landwirtschaft" der Kreis-Wirtschaftsförderungsgesellschaft fand gestern ihren Abschluss bei Eurofleurs und Florifair in Twisteden. Von dort aus exportiert die Familie Elbers Pflanzen im großen Stil. Von Stefan Kriegel

Von außen sieht Eurofleurs Elbers in Twisteden wie ein normaler Gartenbaubetrieb am Niederrhein aus. Doch dahinter steht zum Teil ein Produktionsbetrieb nach den modernsten ökologischen Anbaumethoden und ein Handelsbetrieb, der Pflanzen - vor allem Moorbeetpflanzen (Eriken, Callunen und Azaleen) - im großen Stil in die ganze Welt exportiert.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Kleve unter Leitung des Geschäftsführers Hans-Josef Kuypers hatte für gestern zum Abschluss der Sommertour "Landwirtschaft" in den Gartenbaubetrieb in die Kevelaerer Ortschaft Twisteden eingeladen. Treffpunkt war das hochmoderne Verwaltungsgebäude, das erst vor sechs Jahren errichtet worden ist. Dort gaben Ann Elbers, Inhaberin der beiden Produktionsbetriebe, und ihre Eltern Christine und Hans Elbers - die gebürtige Belgierin führt noch das Handelsunternehmen - einen Überblick über die Geschichte der Unternehmen und stellten die Ziele vor.

Der Großvater von Ann Elbers baute ab 1948 in Twisteden zuerst auf einem Hektar Land Gemüse an. Während eines Kuraufenthaltes im Schwarzwald erfuhr er, dass Schnittblumen dort zu erheblich höheren Preisen gehandelt wurden. Die Idee, die Produkte vom Niederrhein dort direkt zu vermarkten war geboren. Nachdem 1972 erste Handelsgeschäfte mit dem Zug ab Kevelaer abgewickelt wurden, schaffte sich Elbers senior 1973 seinen ersten Lkw an.

Zwei Jahre später übergab er das Unternehmen an seinen Sohn Hans, der das Sortiment von Schnitt- auf Topfpflanzen umstellte. Er gründete auch 1985 die Handelsfirma Eurofleurs Elbers, die heute die ganze Welt beliefert. Derzeit firmieren unter dem Oberbegriff Elbers drei Unternehmen. Die alte Produktionsgesellschaft, die Handelsgesellschaft sowie seit fünf Jahre Florifair.

"Mit der neuen Gesellschaft folgen wir den Anforderungen der Zeit", erklärt Ann Elbers. Durch einen geschlossenen Wasserkreislauf könne beispielsweise 90 Prozent der wertvollen Flüssigkeit eingespart werden. Das seien immerhin zwei Millionen Liter Wasser pro Jahr. Zum Vergleich: Das verbrauchen die Bewohner der Stadt Essen an einem Tag. Hinzu komme noch, dass erheblich weniger Dünger und Spritzmittel eingesetzt werden müssten. Außerdem werden ökogerechte Verpackungen verwendet. "Bei Obst und Gemüse gibt es bereits ökologische Anbaumethoden. Bei den Topfpflanzen dieser Art sind wir Pioniere", berichtet die junge Unternehmerin.

Insgesamt bewirtschaftet die Familie Elbers in Twisteden 35 Hektar Fläche. Bei dem ökologischen Unternehmen Florifair sind es alleine 15 Hektar. Es begann 2010 mit sieben Hektar. Ein Jahr später kamen acht weitere Hektar hinzu. Das schafft natürlich auch Arbeitsplätze.

Alleine in der Handelsgesellschaft Eurofleurs sind 18 Mitarbeiter beschäftigt, einschließlich der drei Familienmitglieder. "Wir suchen immer Bewerber mit gärtnerischem Hintergrund, kaufmännischem Wissen und Sprachkenntnissen", schildert die Chefin das Anforderungsprofil. Regelmäßig werde auch ein junger Mitarbeiter zum Groß- und Außenhandelskaufmann ausgebildet. In den beiden Produktionsbetrieben kommen jeweils zwei feste Mitarbeiter plus Saisonkräfte hinzu.

Sie produzieren pro Jahr zwei Millionen Callunen sowie eine Million Eriken und Azaleen. Doch das sind nur zehn Prozent, die über Euro-Fleurs vermarktet werden. Der Rest kommt aus anderen Betrieben am Niederrhein, auch aus den Niederlanden. Immerhin, berichtete Ann Elbers, stammen 90 Prozent aller Heidepflanzen, die weltweit angeboten werden, vom Niederrhein. Doch es gibt auch negative Begleitumstände. Flächenexpansionen werden von benachbarten Flächeneigentümern sehr skeptisch betrachtet.

Zum Abschluss der Sommertour hob WfG-Chef Kuypers noch einmal die Bedeutung der Landwirtschaft im Kreis Kleve hervor, zu der er auch den Gartenbau zählt. Immerhin seien fünf Prozent der Arbeitnehmer im Kreis Kleve in diesem Bereich beschäftigt. Diese Mitarbeiter verteilen sich auf 1875 Betriebe.

Quelle: RP
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