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Geldern
Säure-Attacke auf das Gelderner Amtsgericht

Fotos: Verdächtige Flüssigkeit im Amtsgericht in Geldern gefunden
Fotos: Verdächtige Flüssigkeit im Amtsgericht in Geldern gefunden FOTO: Lutz Küppers
Geldern. Großeinsatz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst: Drei bis vier Liter hochkonzentrierte Schwefelsäure zerstören Nachtbriefkasten. Spezialisten aus Köln angefordert. Kripo nun auf Zeugensuche. Von Lutz Küppers

Ungläubige Blicke aus Tausenden Autos, die am Samstag das Amtsgericht am Gelderner Nordwall passieren: Ein Großaufgebot an Rettungskräften inklusive fast 20 Fahrzeugen zu Spitzenzeiten blockiert den Gehbereich von der Kreuzung bis hinter das betroffene Gebäude. Männer mit komplett abgedichteten Schutzanzügen, Atem masken und 20 Kilogramm schweren Sauerstoffflaschen auf dem Rücken gehen immer wieder in den Eingangsbereich des Amtsgerichtes, entnehmen Proben und lassen sich anschließend von weiteren Kräften helfen, ihre Schutzkleidung abzulegen.

ABC-Spezialisten aus Kalkar und Köln sicherten Proben aus dem Briefkasten des Amtsgerichtes Geldern. FOTO: Heinz Spütz

Was ist passiert? Gegen 11.40 Uhr am Samstag öffnet der Wachtmeister den Nachtbriefkasten am Gebäude. Ihm entgegen kommt die schon stark angegriffene Post, die offenbar mit einer stark riechenden Substanz übergossen worden ist. Laut Polizei versucht er mit zwei anderen Kollegen, die Unterlagen noch zu retten. Das Unterfangen misslingt. Teilweise kommen die Justiz-Mitarbeiter ein wenig mit der Substanz in Kontakt - wie Frank Westerfeld. Der stellvertretende Amtsleiter wäscht sich sofort gründlich die Hände, bemerkt aber kein Brennen auf der Haut. Trotzdem wird selbstverständlich die Polizei verständigt, die die Feuerwehr hinzuzieht. "Auch der ABC-Erkundungszug aus Kalkar ist sofort alarmiert worden, weil wir ja nicht wissen, um welche Substanz es sich handelt und ob sie gefährlich ist", erklärt Reiner Gilles, der als stellvertretender Feuerwehr-Chef in Geldern die Maßnahmen koordiniert.

Mittlerweile machen Gerüchte die Runde - vom Dumme-Jungen-Streich bis zu der Vermutung, jemand habe wichtige Dokumente, die das Amtsgericht fristgerecht erreichen sollten, auf diese Weise vernichten wollen. Denn das Geschäftsfeld reicht von Erblassungen über Scheidungsangelegenheiten bis zu Zwangsvollstreckungen. "So einen Fall habe ich noch nie erlebt", sagt Jörg Werner, der Leiter der Behörde. Weiter spekulieren möchte er dann aber lieber doch nicht. Verständlich. Nachdem mittlerweile die Einsatzfähigkeit der bis zu 60 Kräfte durch Getränkelieferungen und XXL-Pizzen sichergestellt ist, ist längst die Analytische Task Force aus Köln auf dem Weg nach Geldern. Das Spezialisten-Team, das gleich ein eigenes Labor mitbringt und in der Nähe von Spielwaren Laumann ablädt, beginnt erneut, Proben zu entnehmen. Wieder schälen sich Rettungskräfte nach der Entnehme der schwarzen, dickflüssigen Substanz aus dem Briefkasten, aus ihren Schutzanzügen. Währenddessen wir Frank Westerfeld vom Notarzt untersucht. Vorsorglich. Entwarnung inklusive.

Wenig später ist klar: Es handelt sich um 95-prozentige Schwefelsäure, nachdem zuvor auch von Salpetersäure die Rede war. "Da muss sich schon jemand in Chemie ausgekannt haben, um zu wissen, was er in dem Briefkasten anrichtet", erklärt Gilles. Denn das offensichtliche Ziel ist erreicht: Von der eingeworfenen Post ist nichts mehr zu lesen. Die drei bis vier Liter Flüssigkeit haben ganze Arbeit geleistet. Eine Spezialfirma entsorgt gegen Abend die dunkle Substanz. Dann findet eine gründliche Reinigung des Tatortes statt. Ein Tatort, an dem die Polizei nun Spuren finden soll . . .

Zeugen, die etwas beobachtet haben, sollten die Polizei unter 02831 1250 informieren.

Quelle: RP
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