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Geldern
Urnen sollen in die Kapuzinerkirche

Geldern: Urnen sollen in die Kapuzinerkirche
So könnte es mal in der Kapuzinerkirche aussehen. Die Urnenschränke bilden Nischen an den Wänden, oben gibt es eine zweite Ebene in Form einer Galerie. FOTO: V+P Friedhofskonzepte
Geldern. Das Konzept für ein Kolumbarium, also eine Beisetzungsstätte, steht. Ob es genehmigt wird, ist Sache der Gelderner Politik. Dabei geht es um ähnliche Fragen wie 2016 bei der Naturwald-Ruhestätte. Und die wurde abgelehnt. Von Sina Zehrfeld

Mit einem Kolumbarium würde die Kapuzinerkirche mitten in der Stadt wieder zu einer Stätte, die die Besucher an die Ewigkeit mahnt. Oder zumindest an die nächsten 15 bis 20 Jahre; so lange ist nämlich für gewöhnlich die Standard-"Ruhezeit" für die Urnen mit der Asche der Toten in solchen Kolumbarien. Das Unternehmen "V+P Friedhofskonzepte" hat der Politik die Idee für die mögliche Zukunft der Kapuzinerkirche präsentiert. Eigentümer und Investor ist und bliebe demnach Georg Müller aus Straelen. Als Betreiber der Einrichtung wäre das Gelderner Bestattungshaus Raeth im Boot.

Der Blick auf die Galerie. Die Urnenschränke sind zwischen den Fenstern angeordnet, unten ist er ehemalige Altarbereich zu sehen. FOTO: V+P Friedhofskonzepte

"Hinsichtlich Größe, Aufteilung und baulicher Gegebenheiten eignet sich diese Kirche sehr gut für ein Kolumbarium", bewertete Florian Venino von V+P Friedhofskonzepte die Situation. Auf zwei Ebenen könnten bis zu 2600 Urnenfächer in hölzernen Urnenschränken Platz haben. Ebenerdig würden die Schränke an den Wänden aufgestellt und, in den Raum hinein ragend, Nischen bilden. Zum Altarraum hin würden Sitzbänke aufgestellt, für Trauerfeiern und andere Veranstaltungen.

Die ehemalige Orgelempore würde zu einer Galerie ausgebaut, um eine zweite Ebene zu schaffen. Dort würden die Urnenschränke zwischen den Fenstern angeordnet. Der Einbau eines Aufzugs ist geplant, damit alles barrierefrei ist. Auf der unteren Ebene wäre Platz für 1400 Urnenkammern, oben für 1200. Die Platten vor den Fächern würden dem Vorschlag nach entweder aus dunkel brüniertem Messing oder aus weißem, hinterleuchtetem Marmor gestaltet.

So sieht es im Kirchenraum heute aus; hier die Sicht auf die Eingangstür. FOTO: V+P Friedhofskonzepte

Wenn es nach Investor Müller geht, dann soll die Stadt Geldern die Trägerschaft für das Kolumbarium übernehmen. "Ein Kolumbarium ist rechtlich gesehen ein Friedhof, wie andere Friedhöfe auch", erläutert Venino. Und nach geltendem Recht - so Venino - dürften Friedhöfe nur von Kommunen oder religiöse Gemeinschaften geführt werden. Aber der gesamte Betrieb, die Verwaltung und Betreuung, würden beim Betreiber, also dem Bestatter Georg Raeth, liegen. Dazu gehört auch die Aufsicht über das Haus. Zu festen Öffnungszeiten würde das Gebäude allen Besuchern offenstehen: "Die Kapuzinerkirche wird wieder für jedem zugänglich", so Venino.

Fragen blieben zurück über das, was nach Ablauf der bezahlten Ruhezeiten mit den Urnen passieren soll. Wie die Gräber auf Friedhöfen werden auch Urnenfächer für eine bestimmte Dauer "gepachtet". Verlängerungen sind möglich. Doch irgendwann ist die Zeit vorbei. Dann würden die Urnen entfernt und müssten wieder irgendwie bestattet werden, führte Florian Venino aus. In der Regel würden sie in anonymen Sammelgräbern auf einem anderen Friedhof beigesetzt. Wer das organisiert und die Kosten dafür übernimmt, "das ist dann Sache der Ausgestaltung zwischen Träger und Betreiber", so Venino. "Das muss man dann vertraglich vereinbaren."

Die Politiker im Ausschuss reagierten auf das Konzept nicht ablehnend, aber zurückhaltend. Erst vor gut einem Jahr hat der Stadtrat die Gründung einer Naturwaldruhestätte bei Schloss Haag abgelehnt. Man müsse sehen, ob heute die gleichen Gründe gegen die die Pläne sprächen wie damals, hieß es seitens der SPD: "Es sind im Grunde genau dieselben Themen." Auch die CDU kündigte an, man wolle sich in der nächsten Zeit ausführlich beraten über mögliche Auswirkungen auf andere Friedhöfe, Fragen der Trägerschaft und dergleichen.

Unter anderem gibt es die Sorge, dass die bestehenden Friedhöfe in Geldern "Verluste" haben, wenn sich mehr Menschen für ein Kolumbarium entscheiden.

Quelle: RP
 
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