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Geldern
Viele Gedanken - vorwiegend in Weiß

Geldern: Viele Gedanken - vorwiegend in Weiß
An ihrem Gedanken-Schirm haben sich acht der neun ausstellenden Künstler versammelt. FOTO: Seybert
Geldern. "Kunst ist mehr als Farbe" heißt eine Ausstellung, die neun Aktive des Offenen Kunstkreises ab heute präsentieren. Installationen und Bilder im Foyer des Gelderner Rathauses. Die Besucher können selber aktiv werden. Von Domenik Marx und Michael Klatt

Schuhe sind zu einer bunten Pyramide geformt. An deren Spitze thront ein Globus, jedes Schuhpaar ist mit einem Zettel versehen. "Dünn" steht darauf, und "dick". "Groß" ist zu lesen, und "klein" und "tapfer" und "Arbeiter" und "Fremder". Alles Charaktermerkmale. "Menschen begegnen einander auf Schritt und Tritt" haben die neun Künstler, die an der Ausstellung "Kunst ist mehr als Farbe" beteiligt sind, diese Installation genannt. Eine von sechs, die von den Mitgliedern des Offenen Kunstkreises als Gemeinschaftsproduktion erstellt wurden.

Die Ideen zu den dreidimensionalen Objekten seien bei den Treffen spontan gekommen, erklärt Renate John, eine aus der Gruppe. Zum Beispiel für den "Gedanken-Schirm", der sich neben dem Schuh-Werk in einer Ecke des Gelderner Rathaus-Foyers ausbreitet. Es sind drei große weiße Schirme, die von einem mit weißem Seidenpapier umwickelten Stahlrohr gehalten werden. Unter ihnen hängen Vogelnester mit Eiern, aus denen Gedanken quellen. Glühbirnen lassen "ein Licht aufgehen". Und auch hier sind Schuhe integriert, allesamt weiß diesmal. Weil, wie Renate John erklärt, "Gedanken kommen und gehen".

Die Besucher der Ausstellung sollen es nicht beim Betrachten belassen. Sie können Gedanken mitnehmen - aus einer weißen Schublade, in der die Künstler Zettel mit Sprüchen von Prominenten gelegt haben. Und sie können, in einer weißen Schublade direkt daneben, auf Zetteln ihrerseits Gedanken äußern, auch anonym. "Wir haben auch Kontakt zu Flüchtlingen aufgenommen, die sich hier auf diese Weise äußern wollen", kündigt Gabriele Schwarz-Lamche an. Dass Weiß so dominiert, ist kein Zufall, denn das sei die Farbe des Lichts, alle Farben seien darin vereint, meint Ulla Genzel.

Außer den sechs Gemeinschaftswerken sind Arbeiten von jedem der neun Künstler zu sehen, 35 insgesamt. Ulla Genzel verdeutlicht in ihren Schwarz-Weiß-Acrylbildern Gefühle von Verzweiflung bis Geborgenheit. Mit Aquarellen ist Renate John vertreten. "Melancholie" zum Beispiel zeigt ein schweres Herz aus Stein. Religiöse Bezüge stellt Gabriele Schwarz-Lamche in ihren Acrylbildern her, etwa bei den Spuren am Sandstrand. "Dass nur eine Fußspur zu sehen ist, zeigt an, wo Gott die Menschen trägt", sagt sie.

Mit Acryl arbeitet auch Alwine Rosomm, etwa bei einer Kombination in Blassgrün. Skurrile Typen präsentiert Elisabeth Buhren auf ihren Aquarellen. "Es sind freundliche, lebensbejahende Fantasiefiguren." Die Gedanken-Thematik nimmt Hubert La Roche in seinem großformatigen Acrylbild auf, das ein blaues Reittier vor rotem Hintergrund zeigt. Manche Gedanken seien eben Eseleien, sagt er. Seine Frau Christa La Roche zeigt mal glatte, mal grobe Strukturen, je nachdem, ob das Bild an einem guten oder weniger guten Tag entstand. Christine Casper, eigentlich Naturmalerin, visualisiert Gedankenblitze, die auf einem anderen Bild namens "Spuck's aus" als Gegenstände aus einem roten Mund auf eine Landschaft niederregnen. Andrea Kunert hat außer Bildern in zwei Vitrinen Schieferskulpturen ausgestellt. Das Rohmaterial holte sie aus Weinbergen aus der Mosel. Für andere Skulpturen verwendete sie Schwemmholz. Und "Gedanken in der Schwebe" hat sie durch gebündelte Papprollen dargestellt.

Seit drei Jahren gibt es den Offenen Kunstkreis, dessen Mitglieder aus Kevelaer, Geldern, Rheinberg und Krefeld kommen. An jedem dritten Donnerstag treffen sie sich um 19.30 Uhr im Haagschen Haus an der Langen Straße in Kapellen. Verstärkung ist erwünscht. Wer dazu stoßen möchte, meldet sich am besten bei Andrea Kunert unter Telefon 0177 5704501.

Die Ausstellung soll aus dem Gelderner Rathaus-Foyer weiterwandern in andere Galerien, Ateliers und öffentliche Räume in der Region.

Quelle: RP
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