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Dr. Wolfgang Aschenbrenner
Wie schädlich ist das Smartphone?

Geldern. Der Arzt Dr. Wolfgang Aschenbrenner aus Kleve erklärt, welchen Einfluss Handy und Smartphone auf die Gesundheit haben können. Müdigkeit, Konzentrations- und sogar Essstörungen können auf zuviel Beschäftigung damit zurückgehen.

Studien berichten, dass Smartphones bei Kindern und Jugendlichen Stress auslösen. Wundert Sie das?

Dr. Wolfgang Aschenbrenner Das überrascht mich in keinster Weise. Es gibt mehrere Untersuchungen, die belegen, dass der Einfluss von Handys und Smartphones auf Kinder nicht nur positiv ist. Wer förmlich jede Minute in sozialen Netzwerken unterwegs ist, der hat keine Denkpausen mehr. Das verursacht Stress.

Merken Sie davon etwas in der Praxis?

Aschenbrenner Ich sehe das regelmäßig in meiner Praxis. Zu mir kommen zum Beispiel Kinder und Jugendliche, die nicht mehr gut in der Schule sind, Konzentrationsstörungen haben, müde sind und wirklich krank aussehen. Der Grund ist, dass sie nachts zu Unzeiten mit ihren Freunden über Whats App schreiben. Ich frage dann nach: Wie lange sitzt ihr am Rechner und über eurem Handy?

Aber viele haben doch das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn sie nicht permanent erreichbar sind und mitkommunizieren.

Aschenbrenner Dieses "Verpassen" ist in der Tat eine ganz große Lüge. Letztendlich verpassen sie ja das Leben, wenn sie sich nicht mit Freunden treffen.

Wie viel Gebrauch der sozialen Medien ist noch gesund?

Aschenbrenner Es ist schwierig, allgemeine Regeln aufzustellen. Was mich erschreckt hat, war die Aussage eines Jungen, dass es ihm leichter falle, über Whats App mit seinen Freunden zu sprechen, als wenn er ihnen gegenüberstehe. Das Problem ist, dass sich Jugendliche immer mehr zurückziehen. Depression ist durchaus auch ein Thema bei Jugendlichen.

Gibt es Gegenmaßnahmen?

Aschenbrenner Ich merke immer wieder, dass Jugendliche, die sich regelmäßig in einer Gruppe treffen, zum Beispiel im Verein, wesentlich ausgeglichener sind. Jugendliche, sie soziale Kontakte pflegen, sind psychisch wesentlich stabiler.

Was kann denn noch Ursache für eine Depression sein?

Aschenbrenner Ein Psychologenteam hat festgestellt, dass Facebook depressiv macht. Das liegt daran, dass die Leute sich auf Facebook immer toll präsentieren, zufrieden und glücklich scheinen. Der Betrachter zieht den Vergleich und denkt: "Ich bin nicht so. . . schön, erfolgreich, glücklich." Das führt zu Depressionen.

Gibt es weitere Gefahren, die das Handy mit sich bringt?

Aschenbrenner Eines der Hauptprobleme ist, dass die 13-, 14-Jährigen bereits ungeschützt das Internet nutzen. So ein Junge ist in dem Alter experimentierfreudig, und er wird sich auch Seiten anschauen, die nicht jugendfrei sind. Das sind auch perverse Sachen. Was ich schwierig finde ist, dass sich das Verhalten der Kinder verändert, wenn sie sich ungeschützt alles anschauen. Es verändert die Sichtweise, auch bei Mädchen.

Was ist der Ausweg?

Aschenbrenner Ich denke, es ist wichtig, das Eltern mehr ihre Aufgaben wahrnehmen. Man kann von einem Jugendlichen erwarten, dass er seine Probleme alleine löst, aber Eltern haben auch einen Erziehungsauftrag. Zum Beispiel können feste Zeiten vereinbart werden, in denen das Smartphone benutzt wird. Aus meiner Sicht macht es Sinn, dass das Smartphone von 14- bis 16-Jährigen nachts bei den Eltern gelagert wird. Eltern sollten ruhig die Frage stellen: Brauchst du das wirklich?

Die Antwort ist sicher: "Ja" und: "Das haben alle."

Aschenbrenner "Das haben alle" ist ein Totschlagargument, was immer wieder benutzt wird. Aber die Frage ist doch nach dem Sinn. Auf einer Klassenfahrt mit Besuch einer Gastfamilie ist das permanente Starren aufs Handy eher hinderlich. Das Handy sollte weggesteckt werden, ansonsten kommen Schüler und Gastfamilie erst gar nicht ins Gespräch.

Gibt es eine Lösung?

Aschenbrenner Die richtige Lösung ist schwierig. Ich denke, Eltern sollten mutig sein, das zu tun, was sie in ihrem Herzen fühlen. Sie merken auch, dass ein übermäßiger Konsum nicht richtig ist.

Und der Jugendliche?

Aschenbrenner Ich bin überzeugt, auch der Jugendliche spürt, das ein Leben auch ohne Smartphone funktioniert und er mehr Selbstsicherheit bekommt. Er wird merken, dass es schön ist auch mal Freunde zu treffen und einfach etwas zu unternehmen. Wer nur aufs Handy starrt, entwickelt weniger Fantasie und hat weniger Zeit für kreative Dinge, etwa Musik zu machen.

Was halten Sie von Handyverbot?

Aschenbrenner (lacht) Ich muss sagen, eine Smartphone-Pause haben wir in der eigenen Familie schon ausprobiert. Plötzlich war viel mehr Zeit da, Zeit für andere Dinge, und das Leben ging trotzdem weiter, auch ohne Smartphone.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

Quelle: RP
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