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Stadtwerke Geldern Präsentieren Verschwundene Orte (6)
Zu Besuch an der "süßen Ecke" Veerts

Stadtwerke Geldern Präsentieren Verschwundene Orte (6): Zu Besuch an der "süßen Ecke" Veerts
Das Foto aus dem Jahr 1961 zeigt links die Gaststätte "Zur Barriere" und rechts die damalige Esso-Tankstelle, heute: Star-Tankstelle. FOTO: Stadtarchiv Geldern
Geldern. Napoleon legte den Grund für die sogenannte Kunststraße, an der sich die B 9 und B 58 kreuzen. Die Gaststätte "Barriere" war Ausflugslokal, Rastplatz für Pilger und Feierstube für britische Offiziere. 1985 verschwand das Lokal an der großen Kreuzung. Von Bianca Mokwa

Veert Wer in Geldern oder Veert von der Gaststätte "Zur Barriere" spricht, dem begegnet ein wissendes Kopfnicken. Vielen ist das Lokal, unweit der heutigen Star-Tankstelle, als "süße Ecke" bekannt.

Vermutlich stammt der Name daher, dass der ein oder andere "süße Stunden" in besagter Gaststätte verbrachte. "Konkretere Anhaltspunkte gibt es aber nicht", betont Karl-Heinz Pastoors vom Heimat- und Verschönerungsverein Veert. Er hat das Wissen um das Grundstück, an dem sich B 9 und B 58 kreuzen, zusammengetragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen sich die Am Rodenbusch 2 stationierten britischen Offiziere mit ihren Damen zum Feiern in der Gaststätte. Die Besatzungsmächte waren es auch, die dafür sorgten, dass ein Ausschießen des Schützenkönigs in Veert erst einmal unterbleiben musste. Verzichtet wurde auf dieses hohe Amt aber nicht. Stattdessen wurde der Schützenkönig durch Büchsenwurf ermittelt, in späteren Jahren wurde per Armbrust geschossen.

"Restauration Joh. Wolffram" steht über der Tür der Gaststätte "Zur Barriere". Wolffram, besser bekannt als "Schang", war einer der Pächter . FOTO: Kreisarchiv

Napoleon trieb 1811 den Ausbau der Strecken Venlo-Straelen-Geldern-Wesel voran. Die Straße, erstmals richtig befestigt, erhielt den Namen Kunststraße, wegen seiner Pflasterung.

Die Ecke "Zur Barriere" wird zu einem geschichtsträchtigen Ort, als am 3. März 1945 um 15.35 Uhr die Alliierten, sowohl Amerikaner als auch Briten, dort aufeinandertreffen. Vorher lag der Kreuzungsbereich unter starkem Artilleriebeschuss. So ist es den Notizen von Hubert Pauels im Veerter Heimatbuch "Veert 700" zu entnehmen.

Die Gaststätte an der großen Kreuzung gab es bis zu ihrem Abriss 1985. Pilger machten dort Rast auf ihrem Weg nach Kevelaer. Ihre Butterbrote hatten sie meist dabei. Mehr verdienen ließ sich bei den durstigen Bauern und Gärtnern. Auf ihrem Weg in die Innenstadt Gelderns oder auf dem Rückweg war die Kneipe beliebte Anlaufstation für einen gemütlichen Früh- oder Dämmerschoppen.

Es wurde aber nicht nur der Becher gehoben, sondern auch Akten. In dem Gebäude der Gaststätte war nach dem Ersten Weltkrieg die Amtskasse Pont mit den Gemeindekassen Pont, Veert und Walbeck untergebracht, ebenso die Geschäftsstelle der Landeskrankenkasse für den Kreis Geldern. Verwalter war damals Fritz Janßen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war in den Räumlichkeiten die Verwaltungsstelle Veert und das Amt Walbeck untergebracht. Das blieb so bis zur kommunalen Neugliederung im Jahr 1969.

Die Veerter meldeten dort unter anderem ihre Geburten oder auch Hochzeiten. "Nach Eheschließung in der Verwaltungsstelle wurde mitunter nebenan in der Gaststätte auf das Hochzeitspaar ein Glückwunschgetränk genommen", schreibt Pastoors Erinnerungen der Veerter nieder. Auch die Verwaltungsstelle profitierte von der unmittelbaren Nähe zur Gastwirtschaft. Zur Kirmes in Veert und Geldern bekam das Personal der Verwaltungsstelle Veert vom Wirt eine Lage Bier spendiert.

Noch einer hatte sein Büro in den Räumen "Zur Barriere". Das war der Veerter Dorfpolizist Salz. Er wurde als Autoritätsperson sehr ernst genommen. "Für Jungs in meinem Alter war das ein Schreckgespenst", sagt Pastoors. In seinen Ohren klingt noch der Satz "Wenn ihr nicht lieb seid, kommt der Herr Salz". Das ist schon viele Jahre her. Pastoors ist 72 Jahre alt.

Einmal in seinem Leben war er in der Gaststätte "Zur Barriere". Das war Anfang der 1960er Jahre. Die Freundin, die Pastoors dorthin ausführte, ist heute seine Frau. Man traf sich sozusagen in der Mitte. Pastoors stammt aus Geldern, seine Frau aus Veert. Die Gaststätte "Zur Barriere" gibt es nicht mehr. Die damaligen und letzten Pächter vor dem Abriss 1985, die Familie Lippert, hat Pastoors noch kennengelernt. Zuvor hatte viele Jahre die Familie Wolffram die Thekenherrschaft inne.

An der Stelle, an der früher in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gaststätte "Zur Barriere" eine Esso-Tankstelle war, steht heute die Star-Tankstelle.

Quelle: RP
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