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Geldern
Zwei Gelatieri denken ans Aufhören

Geldern: Zwei Gelatieri denken ans Aufhören
Valeria und Luciano della Valentina lieben ihre Arbeit in der Eisdiele Dolomiti. Aber so langsam wird es für sie Zeit, sich um einen Nachfolger zu kümmern. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Valeria und Luciano della Valentina suchen einen Nachfolger für ihr Eiscafé Dolomiti in der Fußgängerzone. Die Stammkunden sind schon ganz entsetzt. In diesem Jahr ist das Café, 1986 eröffnet, seit exakt 30 Jahren vor Ort. Von Sina Zehrfeld

Die Stammgäste wollen wollen es nicht glauben. So wie Monika und Willi Lievers, die beim Cappuccino davon erfahren müssen. "Oh nein!", protestiert Monika Lievers prompt: "Unser zweites Zuhause!" Da würde ein Stück fehlen in der Einkaufsstraße, sind ihr Mann und sie sich sicher. "Wir werden dich vermissen, Valeria", sagt Monika Lievers und setzt dann augenzwinkernd hinzu: "Hoffentlich findet sich kein Käufer..."

Das Betreiberehepaar des Eiscafés Dolomiti, Valeria und Luciano della Valentina, sucht einen Nachfolger für das Ladenlokal an der Issumer Straße. Dabei glauben die beiden Eismacher, die Gelatieri, nicht, dass sie sofort fündig werden. "Das passiert nicht von heute auf morgen", sagt Valeria della Valentina. Nicht dass sie etwas dagegen hätte, "aber da muss erstmal jemand den Laden nehmen. Wenn keiner kommt - wer weiß, wie viele Jahre ich dann noch hier habe".

Gerade weil sich die Sache hinziehen könnte, hat sie ja jetzt schon mit der Suche angefangen, erklärt sie. Denn die Zeit fliegt. "Ich bin 60 Jahre, mein Mann ist 65. Da muss man sich Gedanken machen", holt sie aus. "Und das ist ein Job, für den muss man fit sein." Während ihr Mann das Eis herstellt, organisiert sie den laufenden Betrieb. Und beide stemmen gemeinsam die Belastung, die ein eigenes Geschäft mit sich bringt: lange Arbeitszeiten, dauernde Bereitschaft, Urlaub allenfalls im Winter. Sie haben die Arbeit gerne gemacht, dieses Leben gerne geführt, beschreibt Valeria della Valentina, aber irgendwann sei Zeit, aufzuhören.

Wobei: Für den echten Ruhestand wäre es für sie selbst mit ihren gerade mal 60 Jahren jetzt noch zu früh, macht sie klar. Sollte das "Dolomiti" also doch ganz schnell den Besitzer wechseln, würde sie sich erstmal eine Stelle suchen - irgendwo in einer Eisdiele. "Das ist ja mein Job", erklärt sie. "Aber wenn du kein Chef bist, hast du weniger Stress." Dafür mehr Raum für andere Dinge. "Ich habe zwei Enkelkinder, die sehe ich so selten", sagt della Valentina. Die einzige Tochter lebt nämlich mit ihrer Familie in Italien, kommt also auch nicht als Nachfolgerin infrage.

Das "Dolomiti" blickt in diesem Jahr auf genau drei Jahrzehnte zurück. Am 1. März 1986, nun also vor 30 Jahren, hat das Ehepaar della Valentina in Geldern angefangen. Auch sie kamen damals her, um einen freiwerdenden Betrieb zu übernehmen. Heute, sagt Valeria della Valentina, "bin ich zusammen mit Keuck hier auf der Straße das älterste Geschäft."

Auch die Anforderungen haben sich geändert. Die Klassiker der Eis-Geschmacksrichtungen halten sich zwar hartnäckig (Schoko, Vanille, Stracciatella, Nuss, Banane, Zitrone, Spaghetti-Eis in allen Variationen). Aber die Kunden, gerade die jüngeren, wollen heutzutage zusätzlich immer mal wieder was Neues probieren. Außerdem machen allgemeine gesellschaftliche Veränderungen wie die Digitalisierung der Welt auch vorm Speiseeis nicht halt. So hat diese zur Umbenennung von Eissorten geführt: Es gibt "Whatsapp" in Grellgrün (Geschmacksrichtung: Waldmeister) und "Facebook" in Hellblau (Geschmacksrichtung: Hellblau).

Im Dolomiti arbeiten neben den Inhabern zwei festangestellte Mitarbeiter und eine Aushilfe.

Quelle: RP
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