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Goch
Ausstellung in Pfalzdorf: "frieher un heit"

Goch: Ausstellung in Pfalzdorf: "frieher un heit"
Jörg Blume zeigt Anja Thissen eine alte Butterschleuder. FOTO: gottfried EVERS
Goch. Wer sich für die 275-jährige Geschichte der Pfälzer in Goch interessiert, kann sich noch bis zum 9. Oktober in der Ostkirche auf Spurensuche begeben. Geöffnet ist sonntags von 14 bis 16 Uhr. Von Natalja Bruck

Vor 275 Jahren kamen die ersten Pfälzer an den Niederrhein und ließen sich auf der Gocher Heide im heutigen Pfalzdorf nieder. Ganz so lange zurück reichen die Exponate und Fotos der Ausstellung in der Pfalzdorfer Ostkirche (auch bekannt als die "rosa Kirche") zwar nicht, aber sie lässt den Besucher einen Einblick in das Leben und die Arbeit in Pfalzdorf in den letzten 100 Jahren nehmen.

"Die Fotos stammen größtenteils aus Privatbesitz, andere sind Abzüge von alten Postkarten aus Pfalzdorf", sagt Jörg Blume vom Pfälzerbund, der sie für die Ausstellung ausgewählt und teilweise bearbeitet hat. Sie zeigen eindrucksvoll, wie alte Geschäfts - und Wirtschaftsgebäude teilweise über Generationen erhalten blieben, aber auch den gesellschaftlichen Wandel von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und der von kleinen Geschäften und Wirtschaften geprägten Dorfstruktur bis zur Gegenwart.

Besonders wehmütig stimmt der Blick auf das alte Pfälzerhaus, das inzwischen leider in einem sehr schlechten Zustand ist. Fotos aus dem Anfang und der Mitte des 20. Jahrhunderts lassen erahnen, wie das Gebäude in seiner Blütezeit ausgesehen hat. Fotos der alten Wirtschaft versetzen den Besucher zurück in eine Zeit, als ein Korn in der Kneipe 40 Pfennige gekostet hat.

Eine andere Schautafel ist der ehemaligen Molkerei an der Motzfeldstraße gewidmet, die ein wichtiger Arbeitgeber in Pfalzdorf war. Wo früher noch mit viel Handarbeit Milch verarbeitet wurde, ist heute ein modernes Wohn- und Geschäftshaus entstanden, ohne den Charme des ursprünglichen Gebäudes zu verlieren.

Erinnerungsstücke und allerlei historische Gerätschaften runden die Ausstellung ab. Alle Exponate sind sowohl hochdeutsch als auch pfälzisch beschriftet. "Wir wollten auch auf unseren pfälzischen Dialekt hinweisen und haben deshalb die Hinweisschilder zu den Ausstellungsstücken gleich zweisprachig gestaltet", erklärt Jörg Blume.

Die kleine pfälzische Sprachinsel am Niederrhein wird durch eine Entwicklung bedroht, die viele Dialekte nach und nach verschwinden lässt. "Viele junge Leute sprechen nur Hochdeutsch und leider nicht mehr unser Pfälzisch", bedauert Blume. Einen kleinen Gegenimpuls will der Pfälzerbund mit einem eigenen pfälzischen Wörterbuch setzen, dass im Oktober erscheinen wird.

Dank Beschriftung erfährt der Besucher, dass der seltsame Glaskrug mit einer Art eingebautem Quirl früher zur Butterherstellung diente, und dass die lange Eisenzange im Schaukasten zu einem Waffeleisen im wahrsten Sinne des Wortes gehörte. "Ich habe im Vorfeld der Ausstellung mit vielen älteren Menschen gesprochen und sie haben mir im Grunde alle das gleiche gesagt: Früher war zwar vieles mühsamer als heute, aber nicht schlechter. Das Leben war eben auch viel langsamer und mehr im Einklang mit der Natur, nicht so stressig", erzählt Blume.

Ortskundige Pfalzdorfer können übrigens im Rahmen der Ausstellung richtige Detektivarbeit leisten. 50 Fotos an den Schautafeln sind noch ohne weitere Erläuterung. "Teilweise haben wir ganze Fotoalben aus Nachlässen erhalten und konnten bei einigen Bildern nicht zuordnen, wann und wo sie gemacht wurden", erklärt Jörg Blume. Alle Besucher die Häuser, Straßen oder Orte erkennen, sind herzlich eingeladen, einen der bereitliegenden Zettel auszufüllen und so bei der Einordnung zu helfen.

Die Ausstellung "frieher un heit" ist noch bis zum 9. Oktober jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt zum Ausstellungsort Ostkirche ist frei.

Quelle: RP
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