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Goch
Heinz Artz dankt Gott mit Kapellenbau

Goch: Heinz Artz dankt Gott mit Kapellenbau
Zwölf Meter hoch ist das Gebäude, die Grundfläche beträgt 15 mal 15 Meter. Hier sollen 100 Gläubige Platz finden. FOTO: klaus-dieter stade
Goch. In etwa zweieinhalb Jahren soll die "Christus-König-Kapelle" an der Pfalzdorfer Kuhstraße fertig sein. Heinz Artz (79) baut sie aus eigenen Mitteln und mit seinen eigenen Händen - aus Dankbarkeit für ein gelungenes Leben. Von Anja Settnik

GOCH Wer im Auto an der Baustelle vorüber fuhr, hat sich lange Zeit wahrscheinlich nur über die eigenwillige Architektur des vermeintlichen Wohnhauses gewundert. Doch inzwischen wird jedem, der genauer hinsieht, auffallen: Bei dem Gebäude an der Pfalzdorfer Kuhstraße handelt es sich nicht um ein großzügiges Einfamilienhaus, sondern um eine im Bau befindliche Kirche. Bauherr Heinz Artz spricht bei seinem Projekt von einer "Kapelle", aber damit meint er nicht etwa einen Bildstock, wie ihn auf dem Land früher manche Familie stiftete. Das Gotteshaus soll eines Tages Platz für etwa 100 Gläubige bieten. Einen Termin, wann die Kirche fertig sein muss, gibt es auch schon: Das Ehepaar Artz feiert am 9. Juni 2018 Diamanthochzeit - möglichst in der eigenen Kapelle.

"Überall werden Kirchen geschlossen, umgewidmet oder sogar abgerissen. Ich dagegen baue eine Neue", sagt der 79-Jährige. Das "ich baue" ist übrigens wörtlich zu nehmen: Nachdem ein Unternehmen ihm vor Jahren das Stahlskelett aufs Grundstück gesetzt hatte, hat der rüstige Rentner praktisch alle übrigen Arbeiten selbst übernommen. Ab und zu hilft ihm sein Bruder Theo. "Bauen ist mein Hobby", sagt Artz, der nicht etwa gelernter Maurer oder Schreiner ist, sondern mehr als 40 Jahre in der Klever Schuhfabrik Elefanten arbeitete. "Ich hab' mir das selbst beigebracht und aus Fehlern gelernt", erklärt Artz. Mit 19 kaufte er in Kleve ein Grundstück, das er bebaute - seine Tochter betreibt dort heute die "Materborner Stuben". Auch der Sohn sollte etwas eigenes haben - Vater baute ihm das Restaurant "Am Schlosstor".

1990 stand dann ein bebautes Grundstück am Gocher Erikenweg zur Versteigerung. Artz bekam den Zuschlag und eine Weile später dann auch die Möglichkeit, noch das angrenzende Gelände zu erwerben.

"Eigentlich wollte ich darauf eine Jugendherberge bauen, aber das wurde mir nicht genehmigt", erinnert er sich. Gegenüber dem Haus, das er mit seiner Frau bezog, stockte er die dortige Gewerbeimmobilie auf, die zunächst eine Trödelhalle beherbergte, später und bis heute die Firma "Traum Polster". Aber genug hatte Artz damit noch lange nicht. Er sinniert: "Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben. Vieles ist gelungen, meiner Frau, mir selbst und den Kindern geht es gut - nun wollte ich mal demjenigen danken, der dafür eigentlich verantwortlich ist."

Der Gedanke einer Kapelle sprach offenbar auch die Baubehörde an, die die Architektenpläne akzeptierte. Wann genau er angefangen habe, weiß der frühere Klever und heutige Pfalzdorfer gar nicht mehr. Drei, vier Jahre dürfte der Baustart wohl zurückliegen.

Zwölf Meter hoch ist das Gebäude geworden, das eine Fläche von 15 mal 15 Meter einnimmt. Viele Fenster sollen trotz der baumbestandenen Umgebung genügend Licht hinein lassen. Die Kapelle wird nicht nur einen Altar haben und zusätzlich einen Marienaltar im Foyer, sondern hat auch bereits eine Orgelempore, die genug Platz für ein Instrument und einen Chor bieten wird. Ins Kirchenschiff passen etwa 100 Stühle, hat Artz ausgerechnet. Keine Frage, dass die alle besetzt sein werden, wenn der Regionalbischof das Gotteshaus in zweieinhalb Jahren einweiht. Dass er das tun wird, daran zweifelt der Bauherr nicht - wann gibt es schon eine neue Kirche einzuweihen?

Ehefrau Helene (82), die sich häufig um ihren allzu fleißigen Mann sorgt, will eine von ihr selbst gefertigte Krippe in eine erhöhte Nische einsetzen. Das ist der einzige Punkt, der ihre Handschrift tragen soll. "Wenn jemand so ein Projekt plant, braucht er niemanden, der einem dazwischen redet", sagt die resolute Frau, die früher ein Schuhgeschäft in Kleve führte. Was der rein private Kirchenbau kostet, darüber denkt sie lieber nicht nach. "Aber darüber zu klagen würde auch keinen Sinn machen. Mein Mann ist ein Widder, der macht, was er will. Und es tut ihm gut, also bin ich damit einverstanden."

Die "Christus-König-Kapelle", wie die kleine Kirche in Erinnerung an Artz' Klever Jugend heißen soll, werde zwar katholisch geweiht, soll aber ökumenisch genutzt werden. Artz denkt da besonders an Familienfeste wie Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen. Im Tiefgeschoss plant er ein Café, weil das doch praktisch sei, wenn man nach der Messe für Kaffee und Kuchen nicht noch irgendwohin fahren müsse. Parkplatze schafft er gleich nebenan auf dem eigenen Grundstück.

Vorläufig gibt es allerdings noch keine öffentliche Zufahrt, Neugierige müssen sich also noch eine Weile gedulden. Aber sie können ja im Vorbeifahren immer mal einen Blick auf den Fortschritt der Arbeiten werfen.

Quelle: RP
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