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Goch
Kritik an Supermarkt am Kreisverkehr

Goch. Auf dem Nähr-Engel-Gelände am Kreisverkehr Nordring/Klever Straße soll ein Supermarkt entstehen. Volkhart Willert-Klasing, Eigentümer des gegenüber liegenden Komplexes, zu dem auch Lidl gehört, kritisiert das Vorhaben. Von Michael Baers

Mit Verwunderung habe er die Entscheidung zur Kenntnis genommen, dass die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer (IHK) keine Bedenken gegen die Nähr-Engel-Pläne hat, am Kreisverkehr Nordring/Klever Straße in Goch einen Supermarkt entstehen zu lassen. Die Stimmung könnte also dementsprechend besser sein im Büro von Volkhart Willert-Klasing. 74 Jahre alt ist der Eigentümer des Gebäude-Komplexes an der Nordstraße/Klever Straße, zu dem unter anderem das Bettenlager, Thomas Phillips, Lidl und natürlich Willert-Wolle gehören, und so ganz kann er sich noch nicht vom operativen Geschäft trennen. Erst recht jetzt, da seinem Werk aus seiner Sicht Ungemach droht. Trotzdem wählt die 30-jährige Tochter Carolin, die neben ihm sitzt, bei der Beurteilung dessen, was da zuletzt im Bauausschuss geschah, die deutlicheren Worte.

Bei nur einer Stimmenthaltung hatten die Ausschuss-Mitglieder die Errichtung eines Supermarktes mit einer Größe von rund 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche (das entspricht der Größe eines modernen Lidl- oder Aldi-Marktes) dort, wo derzeit noch die alten Nähr-Engel-Hallen stehen, mehrheitlich positiv beschieden. Seit einigen Tagen befindet sich das Vorhaben in der öffentlichen Auslage. Dabei hatte es schon vor der Sitzung Protest gegeben.

Volkhart Willert-Klasing hatte an alle Ratsmitglieder einen Brief geschickt, der wie folgt endete: "Bitte verhindern Sie einen dritten Nahversorger im Umkreis von ca. 200 m und den damit verbundenen möglichen Leerstand eines weiteren Marktes wie z.B. an der Rampenbrücke. Damit würdigen Sie auch unser Engagement an der Klever Straße."

Im Jahr 2007 hatte der Geschäftsmann nämlich viel Geld in die Hand genommen, um das alte Fabrikgebäude beziehungsweise die Fassade der einstigen Verwaltung von Jurgens & Prinzen aufwändig zu restaurieren. "Die Stadt hätte gerne das ehemalige Fabrikgebäude erworben, um es anschließend abzureißen", so Willert-Klasing. "Wir jedoch wollten die Undustriekultur der ehemaligen Margarinefabrik erhalten." Damals geschah alles in enger Zusammenarbeit mit der Stadt. Doch jetzt fühlt sich der Gocher allein gelassen. Während der Ausschuss tagte, saß er auf der Empore des Ratssaales und musste mit anhören, wie einer der Politiker nach der Zustimmung zu den Nähr-Engel-Plänen sagte: "Jetzt hat Willert-Klasing noch einen gut bei der Stadt".

Der 74-Jährige, der die Supermarkt-Pläne von Nähr-Engel aus unternehmerischer Sicht nachvollziehen kann, vermutet, dass bei der Entscheidung der Politik noch etwas anderes steckt. Hier lautet das Stichwort "Ringschluss".

Im Zuge der Erschließung des Reichswaldkasernen-Geländes sollen bekanntlich Nord- und Ostring verbunden werden, um den innerstädtischen Verkehr zu entzerren. Laut Willert-Klasing muss die Stadt hierzu aber erst noch ein Geländestück erwerben, um die Unterquerung der Bahngleise zu ermöglichen. Und der Eigentümer des besagten Grundstücks ist die Firma Nähr-Engel. Von "Klüngel" wollte Willert-Klasing zwar nicht sprechen, aber ein bitterer Beigeschmack bleibe.

Die Frage, ob er noch Hoffnung habe, dass sich der Rat gegen einen weiteren Supermarkt in seinem direkten Umfeld ausspreche, beantwortete der 74-Jährige mit einem Schulterzucken.

Quelle: RP
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