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Goch
Noch freie Plätze im Liebfrauen-Ganztag

Goch. Neben dem offenen Ganztag gibt es an der katholischen Gocher Grundschule auch eine "Ganztagsklasse", in der die Kinder bis nachmittags lernend und spielend im Klassenverband beisammen sind. Keine Hausaufgaben, viel Teamgeist. Von Anja Settnik

Als sich Leonie, Nieke, Jane und Nathalie zum ersten Mal vom RP-Fotografen in ihrer Ganztagsklasse ablichten ließen, waren sie noch aufgeregte Erstklässler. Wie ihre Grundschulzeit verlaufen würde, stand noch in den Sternen. Nur eines war schon klar: Ihre Klasse war eine besondere, eine, in der die Kinder ganz viel Zeit miteinander verbringen würden. Denn die Jungen und Mädchen der damaligen 1 a nahmen nicht einfach an den Angeboten des offenen Ganztags teil, sondern erlebten Lernen, Üben, Mittagessen und Spielen grundsätzlich miteinander, nämlich im Klassenverband. Schulschluss täglich um 14.45 Uhr (freitags früher). Das ist bis heute so geblieben.

In wenigen Monaten wechseln die Viertklässler von Luzia Köhnen auf weiterführende Schulen. Ob sie dann eine Gesamtschule oder eine des "alten" dreigliedrigen Schulsystems besuchen: Alle sind fit in sozialem Miteinander und an selbstständiges Arbeiten gewöhnt. Das gilt übrigens nicht nur für die heutige 4a, sondern ebenso für die nachfolgenden Ganztagsklassen, die 3a, 2a und 1a. Damit auch im kommenden Schuljahr wieder eine entsprechende Lerngruppe an den Start gehen kann, müssten noch einige Anmeldungen erfolgen. Denn in diesem Jahr haben bisher weniger Eltern ihre Kinder für die Ganztagsklasse angemeldet.

Für die Lehrerinnen ist es keine Frage, dass der Versuch gelungen ist. "Ich bin von dem Konzept sehr überzeugt, denn es ermöglicht mir, sehr viel Zeit mit den Schülern zu verbringen", sagt Luzia Köhnen, Klassenlehrerin der 4a. Obwohl die Betreuung der Selbstlernzeit, die es anstelle von Hausaufgaben gibt, vorrangig Sache einer "Kontakterzieherin" ist, nimmt sich die Lehrerin sehr oft die Zeit, auch während dieser Phase in ihrer Klasse zu sein. "So weiß ich auch, wie selbstständig die Kinder schon sind und wer gerne trödelt."

Bei traditionellen Hausaufgaben sei immer die Frage, wie sehr die Eltern geholfen, gedrängt und ermahnt hätten. Anders in der 1a, 2a, 3a, 4a: Bei diesen Schülern offenbaren sich dem Klassenlehrer Stärken und Schwächen sehr genau. Den Eltern entsprechend weniger, so war anfangs zumindest die Befürchtung einiger Mütter und Väter. Sie haben schließlich nicht mehr die Kontrolle über die Hausaufgaben und müssen mehr oder minder darauf vertrauen, dass das Kind erledigt, was es soll. "Wir haben darauf reagiert, indem die Kinder, deren Eltern das wünschen, ihre Arbeitshefte am Wochenende mit nach Hause nehmen", erklärt Schulleiterin Carolin Fink, und Kollegin Köhnen verweist darauf, dass sich Erziehungsberechtigte jederzeit nach dem Stand der Dinge erkundigen können. "Wenn etwas nicht funktioniert, teilen wir das mit", versichert sie. Wenn etwa Wochenziele nicht erreicht werden, muss nachgearbeitet werden - im Notfall auch mal zuhause.

Dass die Kinder nach dem langen Schultag keinesfalls erschöpft sind, ist sicher auch Folge der Struktur, die Phasen von Konzentration und Entspannung vorsieht und nach dem Essen möglichst nur noch "weiche" Fächer wie Kunst, Musik oder Sport. Pädagogin Renate Kleypas findet besonders positiv, dass sich die Ganztagsklassen zu starken Gemeinschaften entwickelt haben. "Die Kinder geben sich spürbar mehr Mühe, ihre Probleme untereinander schnell zu lösen, denn sie wissen ja, ,mit dem muss ich es bis drei Uhr aushalten'", sagt sie schmunzelnd. Am langen Esstisch in der Mensa, auf dem Schulhof oder in den Räumen des Ganztags werden Konflikte meist schnell aufgearbeitet. Meist klappt das so gut, dass auch nach 15 Uhr noch (freiwillig) AGs besucht werden oder die Kinder sich noch zum Spielen zuhause treffen, weiß Ganztags-Leiter Christian Aymans-Weerepas.

Quelle: RP
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