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Goch
Schüler wollen ihre Berufsschule retten

Goch: Schüler wollen ihre Berufsschule retten
Schülersprecher Alexander Bröcking (rechts) und Mitschüler Daniel Kristann überreichen im Beisein weiterer Auszubildender der Vorsitzenden des Kreisschulausschusses, Gabriele Schmidt, die Liste mit 593 Unterschriften gegen die Schließung des Berufsschulstandorts Goch. FOTO: Klaus-Dieter Stade
Goch. Die Kreisverwaltung lässt ein Fachbüro prüfen, ob auf den Berufsschulstandort Goch verzichtet werden könnte. Am Berufskolleg Geldern wäre noch einiger Platz. Unterschriftenliste für den Erhalt an Ausschussvorsitzende überreicht. Von Anja Settnik

/ kreis kleve Keinen Moment habe sie gezögert, der Bitte der jungen Leute nachzukommen, versicherte gestern Gabriele Schmidt (CDU), die Vorsitzende des Kreisschulausschusses. Ihre Bereitschaft, die Unterschriftenliste gegen die Schließung der Berufsschule Goch entgegen zu nehmen, habe aber nichts mit einer Stellungnahme zum Thema zu tun: "Ich werde Ihr Anliegen weitergeben; mehr kann und darf ich Ihnen derzeit aber nicht sagen." Die CDU-Politikerin hörte sich die Sorgen der Berufsschüler an, ließ sich mit ihnen fotografieren und bemühte sich bei all dem um einen neutralen Eindruck. Denn vorerst sei nichts entschieden. Schmidt dazu: "Ich will den Beratungen nicht vorausgreifen, das wäre gerade von mir als Ausschussvorsitzender das falsche Signal."

Wie berichtet, beschäftigt sich die Kreisverwaltung mit der Frage, ob der Schulstandort Goch angesichts des Umstands, dass es Berufskollegs in Kleve und Geldern gibt, aufgegeben werden sollte. Dafür würden vor allem Kostengründe sprechen. Mancher argwöhnt auch, dass die Schule in Geldern wohl extra großzügig ausgelegt worden sei, um mittelfristig einen Großteil der Gocher Schüler mit aufzunehmen. Die wollen sich und ihren Nachfolgern die Schule aber nicht ohne Widerstand nehmen lassen. Alexander Bröcking, der Schülersprecher, sagt: "Bei uns haben die Bildungsgänge eigene Klassenräume, die Klassen müssen nicht ständig die Räume wechseln, können erarbeitete Unterrichtsinhalte hängen oder liegen lassen." Der Stundenplan könne in dem vergleichsweise kleinen System individuell abgestimmt werden, Arbeitgeber im Mittelkreis wüssten zu schätzen, dass ihre Auszubildenden in der Nähe seien, bei Engpässen auch nachmittags noch arbeiten könnten. "Wenn ich von Bedburg-Hau aus mit dem Zug nach Geldern fahren müsste, ginge das eher nicht", sagt Carsten.

Azubis des Groß- und Einzelhandels, der medizinischen Fachberufe, angehende Bankkaufleute und Logistiker besuchen die Gocher Berufsschule. Rainer Bies, Prüfer der IHK, sagt ganz klar, dass einige Arbeitgeber entschlossen seien, ihren beruflichen Nachwuchs zum Berufskolleg nach Bocholt zu schicken, wenn Goch nicht mehr zur Verfügung stehe. Karl Scheuvens, pensionierter Berufsschullehrer, vertritt die Kollegen, die noch im Dienst sind und als Beamte lieber vorsichtig mit ihrer Meinung sind. "Weg" will kaum jemand von denen. Während die Schüler im Jahr 2019 - frühestens dann soll die Schließung akut werden - längst fertig mit der Berufsschule sind, müssen die meisten ihrer Lehrer schließlich weitermachen. Scheuvens kann sich daran erinnern, was passiert, wenn Klassen zu klein werden: Anwaltsgehilfen müssen deshalb seit Jahren zur Berufsschule nach Krefeld statt wie früher nach Geldern.

Franz-Josef Boenke stellt sich ebenfalls an die Seite der Schüler. Er ist Vorsitzender des Prüfungsausschusses Maschinenbau. Viele seiner Schüler kämen aus Emmerich, arbeiteten dort auch. Keine Frage, wohin die gingen, wenn Goch ihnen kein Angebot mehr machte (das es in Kleve nicht gibt) - über den Rhein. Eva und Jule, zwei Azubis des Groß- und Einzelhandels, geben zu, dass ihre 60-er-Jahre-Schule mit den schlammfarbenen Wänden nicht besonders schick ist, aber sie vermissen nichts und fühlen sich wohl. Einige der Schüler räumen ein, dass die Meinungen zum Thema wohl davon abhingen, wo die Schüler wohnten.

Gabriele Schmidt wird die lange Unterschriftenliste nach der Weihnachtspause dem Landrat und den Fraktionen überreichen. Im April solle die Politik laut Verwaltung konkreter informiert werden.

Quelle: RP
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