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Goch
Spannende Zeitreise ins Mittelalter

Goch: Spannende Zeitreise ins Mittelalter
Musikanten untermalten das Fest mit mittelalterlichen Klängen. Einige Besucher waren als Prinzessinnen, Burgdamen, Ritter oder Gaukler verkleidet. FOTO: Stade Klaus-Dieter
Goch. Am Kloster Graefenthal stellten Händler und Soldaten das Leben um 1474 nach. Es gab Schlachten und viel mittelalterliches Flair. Von Antje Thimm

Die Kanonenschläge hallen weit, Rauch steigt auf, die Waffen klirren - der Angriff der Burgunder auf das Kloster Graefenthal in Goch ist in vollem Gange, es hagelt Pfeile, die Hakenbüchsen knallen, manch ein Soldat liegt am Boden. Die Schlacht, die hier zu sehen ist, liegt etwa 500 Jahre zurück, und die Zuschauer aus dem 21. Jahrhundert betrachten das Getümmel und halten ihre Smartphones in die Luft um Schnappschüsse vom Schlachtgetümmel einzufangen.

Mittelalter war wieder einmal Thema am vergangenen Wochenende auf Gut Graefenthal in Goch-Asperden. Zwei Tage hatten auf dem weitläufigen Gelände, das auch ohne Schminke schon ein beeindruckendes mittelalterliches Flair hat, viele internationale Teilnehmer ihre Zelte aufgeschlagen, um den Besuchern des Festes ein möglichst realistisches Bild des Lebens um 1474 nachzustellen. Unübersehbar die Vielfalt des Kunsthandwerks: Lederbänder, Silberschmuck, Arbeiten aus Holz und Textil, aber auch Dinge für den alltäglichen Gebrauch, Seifen, Bürsten, Dufthölzer, Kleidung, und auch mittelalterliche Rüstungen und Rittergewänder gab es zu kaufen.

Viele Teilnehmer kommen aus den Niederlanden und sind seit Jahren fester Bestandteil des Mittelalterfestes zwischen den Klostermauern von Graefenthal. So Holzschnitzerin Hanneke Meijer aus Kampen bei Zwolle. Sie schnitzt eine Madonnenfigur nach dem Vorbild eines Meisters des 15. Jahrhunderts. Nebenher bietet die Marktbeschickerin kleine geschnitzte Tiere - "Beestjes" - sowie Holzlöffel und Haarnadeln zum Verkauf.

"Drachenglut", "Feengas" und "Druidenwurz" hält Thomas Steinmeier aus Bünde feil. Hinter den fantasievollen Namen verbergen sich erlesene Fruchtweine, Schnäpse und Liköre aus Beeren, teilweise hergestellt nach Rezepten aus dem 15. Jahrhundert.

Wer hier mitmacht, sei es als Händler oder Ritter, hat ein Faible für das Mittelalter. "Es werden Bücher gewälzt, alte Gemälde angeschaut, um alles möglichst authentisch darzustellen", berichtet Marije Burmeister aus dem niederländischen Dorf Musselkanaal. Sie verkauft Taschen aus Stoff und kleine Armbrüste aus Holz in verschiedenen Größen mit einem Korken anstelle des Pfeils - zur Sicherheit.

Die Vorlagen für den historischen Schmuck aus Silber, vergoldeten Edelmetallen und echten Perlen aus dem Atelier "Zilverlinde" von Esther und Marinus Kalkman stammen zum Teil aus Gemälden von Hieronymus Bosch. "Die alten flämischen Maler des Mittelalters haben so präzise gemalt, dass man alle Einzelheiten sehen kann, und so wissen wir heute, wie eine Halskette um 1450 ausgesehen hat", sagt Esther Kalkman.

Alle Teilnehmer tragen mittelalterliche Kleidung, auch viele Besucher sind als Prinzessinnen, Burgdamen, Ritter oder Gaukler verkleidet. Auch der Bettler fehlt nicht. Untermalt von den Klängen der Spielleute auf dem Tavernenplatz entsteht eine wirklich mittelalterliche Atmosphäre, nicht zuletzt unterstützt durch die ehrwürdige Kulisse des alten Klosters.

Quelle: RP
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