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Goch
Wenn kleine Greifvögel Hilfe brauchen

Goch: Wenn kleine Greifvögel Hilfe brauchen
Links: Drei kleine Turmfalken aus der eigenen Zucht der Falknerei in Weeze warten auf ihr Futter. Auch für die kleinen Vögel gibt es schon Eintagsküken zu fressen. Rechts: Ein etwa acht Wochen alter Bengalenuhu blickt neugierig in die Kamera. FOTO: SEE
Goch. In der Auffangstation in Weeze kümmern sich Wilhelm und Ulrike Schnabel um gefiederte Findelkinder, die in Not geraten sind. Im Moment sorgen Gewitter und Sturm dafür, dass viele kleine Eulen aus ihren Nestern fallen. Von Antje Seemann

Aktuell steht das Telefon der Schnabels nicht still. Aufgeregt kommt ein älteres Ehepaar mit ihrem Findelkind vor die Greifvogel-Station in Weeze gefahren. Eine kleine Eule haben sie gefunden, das hatten sie Wilhelm Schnabel vorher am Telefon gesagt. Jetzt suchen sie Hilfe für das Küken.

Der Greifvogel-Experte nimmt es routiniert entgegen. Schließlich arbeitet er seit 35 Jahren mit den Tieren zusammen. Seit 2008 mit einer eigenen Falknerei, seit sechs Jahren hat er außerdem die Greifvogel- und Wildtierauffangstation des Kreises Kleve in Weeze. "Wieder eine Schleiereule", sagt er und setzt sie zu den anderen Findelkindern in eine Box, die schon auf ihre Fütterung warten.

"Im Moment haben wir viele Schleiereulen. Bei Regen, Gewitter und Sturm fallen viele aus dem Nest raus und schaffen es nicht mehr zurück." Oft holen Katze oder Hunde die kleinen Eulen oder sie verhungern, wenn nicht jemand hilft. "Am besten, man beobachtet erst mal, ob die Eule zurück ins Nest klettert und ob die Eltern sie weiter füttern", sagt Schnabel.

Wenn nicht, sollte man helfen. Ganz kleine Eulen lassen sich problemlos fangen, sagt Schnabel. "Bei größeren kann man eine leichte Jacke oder ein Handtuch über sie werfen und sie dann in einen Karton setzen und abdunkeln, damit sie ruhig bleiben." Bevor man das Findelkind in Weeze vorbei bringt, sollte der Finder sich aber telefonisch melden.

Den Schleiereulen-Küken können Wilhelm Schnabel und seine Frau Ulrike relativ problemlos helfen. "Wir haben Ammenvögel - teilweise auch aus eigener Züchtung. Da setzen wir die Kleinen einfach zu", sagt Ulrike Schnabel. Die Tiere nehmen die Findelküken als ihre eigenen an und füttern sie. "Eulen können nicht zählen. Deshalb können wir denen die anderen Küken mit ins Nest setzen."

Bei den Findelkindern ist das oberste Ziel, sie wieder auszuwildern. Deshalb haben sie möglichst wenig Kontakt zum Menschen. "Es ist einfach schön zu sehen, wie ein verletzter Greifvogel wieder gesund wird. Auch bei anderen Tieren. Wir kümmern uns ja um Wildtiere aller Art." Anders ist das mit dem Kontakt bei den Vögeln aus der eigenen Falknerei. Hier haben die Schnabels im Moment kleine Turmfalken, Waldkauz-Küken und Baby-Bengalenuhus. Einige sitzen noch im Kasten, die etwas größeren, acht Wochen alten Tiere schon in einer Voliere.

Aber auch bei ihnen steht der Artenschutz im Vordergrund. Bei den vielen Besuchen von Schülern und Kita-Kindern wollen sie das Wissen um die Tiere und ihre Faszination für sie weitergeben. "Jeder Vogel hat seine Eigenarten, einen richtigen Charakter - und das macht sie so liebenswert", sagt Ulrike Schnabel, während sie die Küken füttert.

Quelle: RP
 
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