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Hilden
Bestatter eröffnet Trauercafé
Hilden: Bestatter eröffnet Trauercafé
Angelika und Ulf Weber sind Inhaber des Bestattungsinstituts Thelen. FOTO: RPO
Düsseldorf. Das Beerdigungsinstitut Thelen, das in diesem Jahr 120-jähriges Bestehen feiert, erweitert sein Dienstleistungsangebot. Die Baumbestattung in Hilden wird besser angenommen als von der Stadt erwartet. Von Christoph Schmidt

Das Bestattungshaus Thelen eröffnet in der kommenden Woche ein eigenes "Trauercafé" in der Schulstraße. Nach der Trauerfeier oder der Beisetzung können Angehörige dort auf Wunsch zusammenkommen und des Verstorbenen gedenken, erläutert Inhaber Ulf Weber. Mit diesem Angebot will das Unternehmen sein Dienstleistungsangebot erweitern. Eine kleine Trauerhalle für 25 bis 30 Personen stehe bereits zur Verfügung. Das bedeute kurze Wege für die Kunden. Zudem könne man flexibel auf deren Wünsche eingehen, erläutert seine Frau Angelika Stemmler-Weber: "Wenn Angehörige am Samstag oder Sonntag eine Trauerfeier wünschen, ist das bei uns kein Problem."

Sterbegeld 2004 abgeschafft

Im Februar vergangenen Jahres kauften Angelika und Ulf Weber das Bestattungsinstitut, das in diesem Jahr 120-jähriges Bestehen feiert, von Wilhelm Thelen. Der gelernte Versicherungsmakler Weber hatte vor einem Jahr den privatisierten Sargträgerdienst auf den Friedhöfen von der Stadt Hilden übernommen. Bestatter ist für den 42-Jährigen ein Traumberuf: "Jede Beerdigung ist anders. Man muss sich ständig auf neue Situationen einstellen." Für Angelika Weber ist es wichtig, dass sie Menschen über eine schwere Zeit hinweghilft.

Seit Abschaffung des Sterbegeldes 2004 sind die Kunden preisbewusster geworden. Eine günstige Feuerbestattung koste inklusive aller Gebühren rund 1900 Euro, eine Erdbestattung mindestens 3000 Euro, erläutert Jürgen Salm, Pressesprecher des Bestatterverbandes NRW. In der Vereinigung seien knapp 1900 Bestatter organisiert, ein Drittel aller Bestatter in Deutschland überhaupt. Viele Menschen hätten weniger Geld in der Tasche. Das bekomme auch das Bestattungsgewerbe zu spüren, so Salm. 92 Prozent der Mitgliedsbetriebe seien Familienbetriebe mit weniger als sechs Mitarbeitern. Ihre Stärke seien persönliche Betreuung und ihre Präsenz vor Ort. Bislang sei es internationalen Bestattungsdiscountern noch nicht gelungen, dauerhaft auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, meinte Salm. Die Bestattungskultur sei in einem Umbruch begriffen. Es gebe einen Trend zu Feuerbestattungen. Anschließend werde die Asche auf einem anonymen Gräberfeld verstreut – um die Hinterbliebenen nicht mit der Grabpflege zu belasten. Wenn weniger Erdgräber gekauft werden, dürften die Kommunen nicht die Erdbestattung verteuern, um ihre Gebührenhaushalte auszugleichen, sagte Salm: "Damit erreicht man genau das Gegenteil." Die Städte müssten flexibler auf die veränderten Begräbniswünsche der Bürger reagieren, fordert der Sprecher der NRW-Bestatter.

Neue Bestattungsformen

Die Stadt Hilden hat das getan und neue Bestattungsformen angeboten. Seit 2005 können Verstorbene auf einem Aschestreufeld und einem Feld mit pflegefreien Reihengräber bestattet werden. Die Pflege übernimmt die Kommune. Seit September vergangenen Jahres sind in Hilden auch Baumbestattungen möglich. Im Umkreis eines Baumes können bis zu acht Urnen beigesetzt werden. Das neue Angebot werde besser angenommen als erwartet, sagte Ulrich Hanke, Leiter des städtischen Bauhofes: "2009 gab es 12 Baumbestattungen, in diesem Jahr bislang 51." Das Nutzungsrecht für 20 Jahre mit Pflege koste 1383 Euro.

Quelle: RP
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