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Hilden
Besucher sind Feuer und Flamme

RP Sommertour bei der Feuerwehr Hilden
Hilden. Wie teuer ist der Leiterwagen der Hildener Feuerwehr? Was ist gefährlicher: Rauch oder Feuer? Wie lautet die richtige Notrufnummer im Falle eines Brandes? Warum hat die Wache einen so hohen Turm? Antworten auf alle diese Fragen gab es bei der RP-Aktion gestern Nachmittag. Von Gökçen Stenzel, Olaf Staschik (Fotos) und Christoph Schmidt (Videos)

Die erste Etappe unserer Sommer-Tour war ein Besuch bei der Hildener Feuerwehr. Vor allem die Kinder hatten Spaß.

Unbestrittener Held unter den kleinen Kindern ist Noah Alexander. Der knapp Vierjährige kommt zum Ortstermin bei der Feuerwehr in vollem Ornat: Er trägt einen Feuerwehrmann-Anzug und einen gelbem Helm, und nur seinem Vater Georg ist es zu verdanken, dass er auf seine roten Feuerwehrstiefel und die Wasserspritze verzichtet hat. "Er ist ein Riesen-Feuerwehrfan", erzählt Bärbel Götsch, Noahs Nachbarin, die den Jungen zu dem Besuch angemeldet hat. Sie selbst ist nicht weniger begeistert von der ersten Etappe der Sommer-Tour, die die Rheinische Post in den Ferien anbietet und die an verschiedene, meist nicht zugängliche Plätze führt (siehe unten).

Graue Theorie? Von wegen: Aufmerksam schauten sich die Besucher die Atemschutzgeräte an, die Feuerwehrmänner im Einsatz tragen müssen. FOTO: Staschik Olaf

15 Erwachsene und 20 Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren ließen sich von Stefan Tives nicht nur die Einsatzwagen und die Atemschutzgeräte erklären, sie fuhren auch selbst ein paar Runden mit Blaulicht und konnten sich im "Löschen" üben. Der Brandinspektor, der in Hilden zuständig ist für den vorbeugenden Brandschutz, hatte sichtlich Spaß an seiner kindgerechten Führung. "Wer weiß, was gefährlicher ist: Feuer oder Rauch?", fragte er beispielsweise - worauf alle Kinder "Feuer" und alle Erwachsenen "Rauch" antworteten. Gerade als Tives zeigen wollte, was bei einem Notruf passiert, wurde die Führung lebensecht: Feuerwehrmann Joachim Neuhaus kam die Stange heruntergerutscht und landete parktisch in der Menschenmenge. Daran knüpfte Tives an, indem er den Rettungsdienst samt Kranken- und Notarzttransporten erklärte: "Diese Einsätze machen den Großteil unserer Arbeit aus, die Brände sind weitaus seltener." Der Rettungsdienst kostet knapp 1,5 Millionen Euro jährlich, Brandschutz und Hilfeleistung 2,3 Millionen. Wenn es brennt, etwa in einem Wohnhaus, kommt der Wagen mit der langen Leiter auf dem Dach zum Einsatz. Sie reicht bis zu 23 Meter oder sieben Stockwerke weit hoch und muss von Hand gefertigt werden - weswegen der Wagen auch so teuer ist: Er schlägt mit 600.000 Euro zu Buche.

Überhaupt: hoch. Warum die Wache einen so hohen Turm hat, wussten die beiden Zwölfjährigen, Till und Bosse. "Da drin werden die nassen Schläuche aufgehängt zum Trocknen." Tatsächlich waren prompt zwei Männer damit beschäftigt, Schläuche aufzuwickeln, die sie soeben aus dem Turm geholt hatten. Dass bei der Feuerwehr die Männer unter sich sind, gefiel den Mädchen unter den Gästen gar nicht. Ruby erfuhr, dass es zwar "Feuerwehrfrau" heißt, dass es aber keine einzige bei der hauptamtlichen Feuerwehr gibt. Die besteht immerhin aus 50 Mann, von denen immer zehn im Dienst sind. "Die Frauenfrage ist eine Kraftfrage", erklärte Tives und zeigte dabei die Geräte, mit denen eingeklemmte Menschen aus Autos herausgeschnitten werden. "Wir dürfen zwischen Männern und Frauen nicht unterscheiden, es geht schließlich um Lebensrettung." Bei der Freiwilligen Feuerwehr sind dagegen schon einige Frauen zu finden - dort können sie für bestimmte Bereiche eingesetzt werden. Nachdem der Brandinspekteur erklärt hatte, wofür Schaum gut ist - zum Ersticken von Flammen - ging es ans Wasser. Zu zweit hielten die Kinder die Spritze und versuchten, auf zwei Stellen an einem "brennenden" Haus zu zielen. Was sich als gar nicht so einfach herausstellte.

Gruppenbild mit Brandinspektor Stefan Tives und dem kleinen Riesenfan Noah Alexander (ganz rechts auf Papas Schultern). FOTO: Staschik Olaf

Mit ein paar Gerüchten räumte der Feuerwehrmann ganz nebenbei noch auf. Erstens holen die Männer keine Katzen von Bäumen, jedenfalls keine gesunden. Die kämen von allein wieder herunter, wenn sie Hunger hätten. Zweitens explodieren Autos nur im Film. "Wenn Ihr Auto einen Motorbrand hat, brauchen Sie nicht zu befürchten, dass es Ihnen im nächsten Moment um die Ohren fliegt." Und drittens schieben die Einsatzwagen keineswegs Autos zur Seite, die einen Einsatzort blockieren. "Dabei könnte mein Wagen kaputt gehen - und dann?" Tives bestätigte, dass es immer wieder zu zugeparkten Straßen kommt. Ein ungelöstes Problem, das Menschenleben kosten kann.

Weitere Termine (siehe auch Info-Box): Wir laden für Mittwoch, 27. Juli, um 11Uhr 15 Kinder im Grundschulalter ein, die Kreispolizeibehörde in Mettmann zu besichtigen. Anmeldung unter mettmann@rheinische -post.de. Am Dienstag, 2. August, 10 Uhr, besucht die RP die Gießerei Schmees in Langenfeld (langenfeld@rheinische-post.de). Auf Gut Ellscheid in Haan sind wir am Mittwoch, 10. August (hilden@rheinische-post.de)

Klara und Tim bei ihrer gemeinsamen "Löschübung". FOTO: Staschik Olaf
Quelle: RP
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