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Hilden
Clan-Krieg eskaliert in Hochdahl

Hilden. Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an. Mehr als 100 Beamte sind bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. Von Oliver Wiegand

"Ob Sie als Sportfan live mit Ihren Favoriten mitfiebern wollen, sich zum Plausch bei einer Tasse Kaffee treffen oder abends bei einem gemütlichen Drink mit Freunden zusammensitzen möchten, bei uns sind Sie richtig" - so wirbt das Sportcafé Viva mitten im Zentrum der Sandheide auf seiner Facebook-Seite um Gäste. Am späten Dienstagabend war es mit der Gemütlichkeit allerdings schnell vorbei. Anwohner hatten Tumulte gehört und die Polizei alarmiert. Rund um das Sportcafé ist es zwischen zwei miteinander verfeindeten libanesischen Großfamilien zu einer Massenschlägerei gekommen. In einer der beiden am Streit beteiligten Parteien sind offenbar Libanesen, die den Hells Angels oder deren Supporter Clubs nahstehen. Die Polizei betonte, es habe sich nicht um eine Schlägerei von Rockern gegen Libanesen gehandelt.

Die Beamten war bis in die frühen Morgenstunden mit einer Hundertschaft im Einsatz. Es gab mehrere Verletzte. Die der Rockerszene nahestehenden etwa 25 Libanesen verbarrikadierten sich in der Kneipe, ihre etwa 175 Gegner versuchten, ins Innere zu gelangen. Es gab einige Festnahmen und Anzeigen wegen Körperverletzung, berichtet ein Sprecher der Polizei.

Gestern Morgen um 10 Uhr ist von den Ereignissen in der Nacht nicht mehr viel zu sehen. Eine Angestellte spült Gläser, stellt Stühle auf die Terrasse. Das Café ist noch geschlossen. Ein junges Paar steht vor dem Eingang. "Mit Leuten wie Ihnen reden wir sowieso nicht", sagt ein junger Mann auf die Frage, ob er von den Ereignissen in der Nacht etwas mitbekommen hat. Der Inhaber des Cafés ist nicht zu sprechen. Auf Bildern des Cafés im Internet ist zu sehen, wie sich die Gäste Live-Übertragungen von Fußballspielen ansehen. Unter den Gästen sind offensichtlich einige Personen, die Kutten tragen und der Rockerszene nahestehen. Die Polizei im Kreis Mettmann sagt, die Gaststätte an der Sandheider Straße sei seit längerem als Treffpunkt von Rockern, bzw. sogenannter "Supporter" der Hells Angels bekannt. Die Supporter gelten als Sympathisanten von Rockerclubs. In diesen Gruppierungen sammeln sich vorwiegend junge Männer, die später vollwertige Mitglieder eines Rockerclubs werden möchten. Einer dieser Unterstützer-Clubs war der "Clan 81", der bis vor wenigen Jahren im Erdgeschoss des Gerresheimer Bunkers ein Clubhaus unterhielt. Die 8 steht für den Buchstaben "H" im Alphabet, die 1 für "A", also HA=Hells Angels. Offiziell hat sich der Clan 81 im Jahr 2014 aufgelöst. Das Clubhaus im Gerresheimer Bunker ist seitdem geschlossen. Es gibt aber immer Vermutungen, dass die ehemaligen Mitglieder des Clans 81 immer noch - auch im Erkrather Umfeld - aktiv sind.

Einen Grund für die Auseinandersetzung zwischen den beiden libanesischen Großfamilie nannte die Polizei nicht, das sei "Gegenstand der Ermittlungen", sagte eine Sprecherin der Polizei.

Fakt ist, dass die Auseinandersetzungen mit der Beteiligung von Rockern im Stadtteil Hochdahl schon länger schwelen. Erst im August war es zu einem Großeinsatz der Polizei auf dem Hochdahler Markt gekommen. Damals sollte angeblich ein Streit um einen Parkplatz vor einem Eiscafé der Grund für eine Massenschlägerei gewesen sein, bei der auch mehrere Polizisten verletzt worden waren. Mehrere Polizeibeamte wurden mit Gegenständen geschlagen. Im August waren nach Angaben der Polizei ebenalls die Mitglieder zweier miteinander verfeindeter libanesischen Großfamilien handfest aneinander geraten. Unter den Mitgliedern einer dieser Großfamilien soll es auch Männer geben, die den Hells Angels nahestehen. Die Beamten waren beim Einsatz in der Sandheide also gewarnt und fuhren nicht wie im August mit zwei Streifenwagen zum Tatort. In der Nacht gab es Unterstützung durch die Bereitschaftspolizei, die Hundestaffel sowie durch einen Hubschrauber, der bis in die frühen Morgenstunden über dem Stadtteil kreiste. Die Sandheider Straße war bis in die frühen Morgenstunden voll gesperrt, auch für Busse der Rheinbahn gab es kein Durchkommen.

Quelle: RP
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