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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Gesamtschule - das ungeliebte Kind

Hilden. Anfang nächsten Jahres sollen die Eltern informiert und befragt werden. Dienstagabend wurden dazu die Weichen gestellt.

Wie schwer sich Politiker und Fraktionen nach wie vor mit dem Thema "Gesamtschule" in Haan tun, das zeigte sich an einer ausufernden Diskussion im Bildungsausschuss am Mittwochabend, bei der um einzelne Worte wie "muss" und "nur" gekämpft wurde. In weiser Vorausahnung hatte sich die Fraktion der Grünen Obst-Riegel bereit gelegt; Nervennahrung, die Beteiligte und Zuhörer dringend brauchten.

Zur Erinnerung: In Haan wird zurzeit überlegt, eine Gesamtschule einzuführen, die am Standort Walder Straße Haupt- und Realschule ersetzen würde. Von Anfang an bestehen Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Projektes. Kritiker stellen unter anderem die Frage, ob das Schüleraufkommen in Haan und Umgebung ausreicht, um zwei gymnasiale Oberstufen zu unterhalten. Klar ist: Dem bestehenden Gymnasium soll keine Konkurrenz beschert werden.

Die Diskussion im Rat, seinen Fraktionen und Ausschüssen sowie einem eigens gegründeten Arbeitskreis ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass es voraussichtlich Anfang kommenden Jahres zwei Eltern-Informationsabende sowie eine Elternbefragung geben soll, um den Bedarf für eine Gesamtschule zu überprüfen. Einen Bedarf, den Eltern nach Auskunft von Haaner Grundschulleitern und -leiterinnen bereits des öfteren äußern. Um die Formulierung des Anschreibens zu diesem Fragebogen, den die Schulen an die Eltern ausgeben, wurde im Bildungsausschuss am Dienstag indes gefeilscht - insbesondere die CDU wollte suggestive Formulierungen und Fragestellungen ausschließen. Und auch die FDP argwöhnt, dass "Eltern in Haan das Ende von Haupt- und Realschule im Rahmen der vorbereiteten Befragung bereits als unabänderlich dargestellt wird: So soll den Eltern offenbar klar gemacht werden, dass es zur Gesamtschule neben dem Gymnasium als Alternative nur noch den Schulbesuch in einer Nachbarstadt gibt", schrieb FDP-Fraktionschef Michael Ruppert in einer Pressemitteilung. Die FDP betonte im Ausschuss erneut, dass sie darin einen Fehler sieht, die aus ihrer Sicht funktionierende Haupt- und Realschule in Haan zu Gunsten der Gesamtschule auslaufen zu lassen. Sie hält die gesamte Diskussion zum Thema für überflüssig. Auch die CDU hat sichtliche Bauchschmerzen, beteiligt sich aber an der Diskussion. Denn es gibt auch diese Sicht: Eine Elternbefragung liefert wichtige Erkenntnisse, die Schullandschaft in Haan zu gestalten - auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht schmeckt.

alexandra.ruettgen@rheinische-post.de

Quelle: RP
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