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Hilden/Haan
Im Kreis fehlen viele Sozialwohnungen

Hilden/Haan. Das Pestel-Institut geht von einem Bedarf von 3290 Wohnungen aus. Die Neubaurate muss enorm gesteigert werden. Von Christoph Zacharias und Christoph Schmidt

Im Kreis Mettmann werden rund 2300 Wohnungen für die in diesem Jahr gekommenen Flüchtlinge zusätzlich gebraucht. Das geht aus einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des privaten Pestel-Instituts hervor. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Gesamt-Wohnungsbedarf für den Kreis Mettmann in diesem Jahr damit auf rund 3290 Wohnungen. Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren im Kreis Mettmann allerdings lediglich rund 720 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt.

Deshalb warnt das Pestel-Institut jetzt vor einem "Weiter so": "Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, müsse dringend neuer Wohnraum her. Es sei deshalb "zwingend notwendig, die bisherige Neubaurate enorm zu steigern und beim Leerstand kräftig zu sanieren", sagt Institutsleiter Matthias Günther. Zwei "Mangelerscheinungen" diagnostizieren die Wissenschaftler für den Kreis Mettmann: "Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge", betont Günther.

Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Wissenschaftler steuerliche Anreize vor. So sollte regional und zeitlich begrenzt in Verbindung mit Mietobergrenzen eine lineare Abschreibung für Abnutzung (AfA) von vier Prozent eingeführt werden. Ebenso eine degressive Abschreibung mit anfänglich zehn Prozent, um den sozialen Wohnungsbau zu stärken. Diese gab es bereits bei der letzten großen Zuwanderungswelle in den 1990er-Jahren. "Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren."

"Die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen in Haan ist ungebrochen groß", stellt auch Uwe Schmidt fest, Geschäftsführender Vorstand des Bauvereins Haan (1000 Mitglieder, 903 Wohnungen). Seit 2008 hat sich die Zahl der Sozialwohnungen in der Gartenstadt von 2150 auf rund 1100 nahezu halbiert. "Die Genossenschaft ist in erster Linie dafür da, die eigenen Mitglieder zu versorgen", betont Schmidt. Und wenn die Stadt dem Bauverein ein Grundstück zur Verfügung stellt? "Das wäre ein Anfang", meint Schmidt: "Ich könnte mir vorstellen, ein gemeinsames Projekt mit der Stadt in Angriff zu nehmen. Aber es muss passen."

Auch in der gefragten Wohnstadt Hilden sind preisgünstige Wohnungen rar. Öffentlich geförderte Wohnungen machen nur etwa fünf Prozent des Bestandes aus (rund 1500 öffentlich geförderte Wohnungen, darunter gut 200 Eigentumswohnungen). Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WGH besitzt nur 202 öffentlich geförderte Wohnungen. Sie kann nur bauen, wenn ihr die Stadt ein Grundstück zur Verfügung stellt - so wie aktuell am Feuerwehrhaus/Ecke Kirchhofstraße. Anfang 2016 sollen die sieben Sozialwohnungen fertig sein. Auch aufdem städtischen Schweitzer-Gelände soll die WGH weitere 17 Sozialwohnungen errichten. Doch das Areal wird derzeit als Notunterkunft genutzt. Wie lange ist offen. Die private Rotterdam-Gruppe (Langenfeld) baut an der Richrather Straße 15 59 geförderte Wohnungen mit Tiefgarage. Ende 2016 sollen die ersten Mieter einziehen.

Der Gemeinnützige Bauverein Hilden (578 Wohnungen) errichtet auf eigenen Grundstücken zwischen Ohligser Weg, An den Linden und Kirschenweg bis zu 70 neue bezahlbare Wohnungen ("Zukunftsquartier Bauverein Hilden"). Anfang 2017 sollen die ersten 38 bezugsfertig sein. "Das Interesse istsehr groß", berichtet geschäftsführender Vorstand Lars Dedert.

Quelle: RP
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