Kreis Mettmann Im Kreis gibt es zu wenig Rettungswagen

Kreis Mettmann · Die Einsatzzahlen der Rettungsdienste steigen. Nun soll der Bedarfsplan angepasst werden.

 Monheims Feuerwehrsprecher Torsten Schlender und Ordnungsamtschefin Christiane Schärfke präsentieren den erweiterten Rettungsdienst.

Monheims Feuerwehrsprecher Torsten Schlender und Ordnungsamtschefin Christiane Schärfke präsentieren den erweiterten Rettungsdienst.

Foto: Ralph Matzerath

Wenn es um Rettungswagen geht, blinkt ein rotes Alarmlicht beim Kreis. Die momentane Ausstattung in den meisten der zehn Städte ist zu knapp. Das geht nach Informationen der RP aus der soeben fertiggestellten Fortschreibung des "Rettungsdienstbedarfsplans" hervor, die die Kreisverwaltung den Politikern nach den Sommerferien zur möglichst raschen Entscheidung vorlegen wird. Erst nach einem Kreistagsvotum können mutmaßlich zähe Verhandlungen mit den Krankenkassen als den Kostenträgern beginnen.

Zuletzt hatte der Leiter der Feuerwehr- und Rettungswache Monheim, Hartmut Baur, sehr deutlich auf die Zunahme der Einsätze um rund 13 Prozent in seinem Zuständigkeitsgebiet hingewiesen. Bei der Vorlage des Jahresberichts 2015 sagte Baur: "Als Träger des Rettungsdienstes obliegt es dem Kreis, diesbezüglich Abhilfe zu schaffen." Darauf warten wollten die Monheimer nicht - und haben deshalb schon jetzt einen zweiten Rettungswagen in die 24-Stunden-Bereitschaft genommen. Falls beide Fahrzeuge unterwegs sind, schickt die Monheimer Wache einen Feuerwehrwagen mit Blaulicht und Sirene zum Rettungseinsatz. Alle Feuerwehrleute sind in Erster Hilfe geschult, viele als Notfallsanitäter ausgebildet. Sie haben Zusatzausrüstung dabei und überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen eines Notarztes und des Rettungswagens. Manchmal mit lebensrettenden Handgriffen.

Zum Teil hat die Krankenwagenlücke spezifisch Monheimer Gründe, analysiert Feuerwehrchef Baur: "Nach der Schließung unseres Krankenhauses müssen wir Hospitäler in Langenfeld, Düsseldorf-Benrath oder Leverkusen ansteuern." Ob gemessen in Minuten oder Kilometern - das dauert länger. Zudem fehlt eine Anlaufstelle für Menschen mit akuten Beschwerden, die früher selbst zum Krankenhaus gekommen wären. Jetzt bleibt nur der Ruf eines Rettungswagens.

Neben solchen örtlichen Besonderheiten gibt es in einer alternden Gesellschaft, in der sich Familienstrukturen auflösen, gesellschaftlich Gründe, schneller und öfter als früher einen Rettungswagen zu bemühen. Da ist Monheim kein Sonderfall, sagt Thomas Jarzombek, Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes bei der Kreisverwaltung in Mettmann, und damit auch zuständig für die Rettungsdienste. Haan schreibt einen ähnlichen Zuwachs pro Jahr bei Rettungsfahrten wie Monheim. In Ratingen wurde gar eine Zunahme um 30 Prozent registriert.

"Deshalb haben wir mit Hochdruck an einer Fortschreibung des Rettungsdienstplans gearbeitet", sagt Jarzombek. Nach 1999 und 2012 wird nun bereits nach vier Jahren eine Auffrischung nötig. Die Anschaffung zusätzlicher Fahrzeuge - Stückpreis rund eine Viertelmillion Euro - und Einstellung geschulten Personals sei keine Gretchenfrage für armen oder reichen Städten des Kreises. "Natürlich müssen die Städte bei der Anschaffung in Vorleistung gehen, aber dann sollte sich der Betrieb über die Gebühren amortisieren."

Weil dabei die Krankenkassen darauf bedacht sind, nicht zu viel zahlen zu müssen, können Verhandlungen zwischen Städten, die einen Bedarf geltend machen, und Kostenträgern, die von der Dringlichkeit erst einmal überzeugt werden wollen, einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Kreis hat ein Gutachten erstellen lassen, das helfen soll, die Rettungswagen-Lücke zu schließen.

(RP)
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