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Hilden
Neanderlandsteig: Wandern mit Ausblick

Hilden: Neanderlandsteig: Wandern mit Ausblick
Wenn man den Wald im Anschluss an den Gödinghover Weg passiert hat, hat man einen unverstellten Blick über die Felder auf die Stadt Erkrath. FOTO: Lars Mader
Hilden. Von Haus Morp in Erkrath geht es durch den Eller Forst, vorbei am Unterbacher See nach Hilden. Bei der Orientierung hilft eine App, doch wegen der Funklöcher ist zusätzlich die gute alte Landkarte durchaus zweckmäßig. Von Lars Mader

Bereits seit seiner Eröffnung vor mehr als zwei Jahren hegte ich das Vorhaben, den Weitwanderweg Neanderlandsteig einmal selbst zu erkunden. Ein kurzer Moment der Entschlossenheit, inspiriert von der rotgoldenen Oktobersonne, ließ mich endlich zur Entdeckertour aufbrechen.

Mit drei Bananen, einer Wasserflasche sowie einem kleinen Regenschirm für alle Fälle bestückte ich den Rucksack. Flugs war die passende Wander-App geladen; zudem fand sich eine papierene Landkarte in einem chaotisch-kreativen Infoheftstapel. Nur die Wanderstiefel hielten sich versteckt, so dass ich unorthodox in Turnschuhen vor der Haustüre trat. Schließlich war die von mir gewählte Etappe Erkrath-Hilden in der Neanderlandsteig-App als "Leicht" eingestuft worden.

Die siebzehn Etappen scheinen wie für solche Impulsaufbrüche gemacht, denn durch stets ortsnahe Verläufe sind sie schnellstens erreichbar. Meine 15,3 Kilometer lange Strecke beginnt an der Haltestelle "Haus Morp" in Alt-Erkrath und schon nach wenigen Schritten finde ich die ersten rostbraunen Kastanien, die wie die märchenhaften Brotkrumen den gesamten Weg säumen sollten. Im Herbst lässt sich hier mühelos ein Jahresbedarf des naturnahen Bastelmaterials ersammeln.

Abwechslungsreich durchkomponiert offenbart sich das erste Drittel der Etappe. Begleitend säuselt die Düssel, wild umwachsen wie ein Nebenarm des Amazonas. Die Kaltblüter auf den Auen am Gödinghover Weg geben bereitwillig eine Lehrstunde in demütiger Geduldsstoik. Nach der Bahnquerung geht es im Traumwandel einen verwunschenen Waldesgrat hinauf. Dort, wo die Bäume den Pfad freigeben, eröffnet sich ein kostbares Panorama über Erkrath. Oben auf dem Römerweg angekommen, wird die Schaufreude mit der Weite der Kölner Bucht erneut bestens bedient.

Meine Vorstellung, mich gedankenverloren von den roten Markierungen voran tragen zu lassen, erweist sich als naiv. Trotz der nahezu lückenlosen Ausschilderung sollte der Wanderer zielführend mitdenken. Ohne Helferlein fällt das Navigieren schwer und im Praxisvergleich tragen kurze Blicke auf die Papierkarte sicher über die Funklöcher der App hinweg. Zur Not unterstützen ortskundige Gassigeher freundlich und gern. Vor Unterbach ist ein Brombeerlabyrinth zu durchkreuzen, und dahinter geht es in den von moosbewachsenen Baumriesen bewachten Eller Forst.

In diesem romantischen Bruchwald kommt mir plötzlich der Namenspatron des Steigs Joachim Neander in den Sinn. Von ihm kenne ich bloß "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren". So geriet das Kirchenlied zum Wander-Ohrwurm und trug motivierend bis zur Rastbank am Ostufer des Unterbacher Sees. Dort tut sich ein "Kanadablick" auf, der frei von Furcht vor Grizzlys zu genießen ist: Im Wasser singen Schwäne, in der Luft schnattern Wildgänse, die in V-Formation vorbeifliegen - willkommen im Vogelparadies!

Das nun anschließende Teilstück entlang des Eselsbaches verläuft weniger erquicklich, steht es doch stark im Einfluss der nahen Autobahn 46 und die rauscht echt laut. Friedlich und nahezu einsam wird es wieder am Elbsee. Entlang seiner Gestaden tun sich immer wieder Sichtschneisen zur belebten Vogelinsel, einem Brutplatz von Austernfischern und Flussregenpfeifern, auf. Nach vier Stunden inklusive einiger Mußepausen erreichte ich die Hildener Haltestelle "Hülsen", wo ich mich - ja ich muss es gestehen - erschöpft in den Bus in Richtung Ausgangspunkt fallen ließ. Zurück bleibt die Erfahrung, dass der Neanderlandsteig jederzeit ein Abenteuer ohne Risiko verspricht. Jedoch ist er kein Spazierweg, sondern ein insgesamt rund 230 Kilometer langer Wanderweg. Da lohnt es doch der Mühe, die vorschnell als verschollen erklärten Wanderstiefel doch noch herauszusuchen.

Quelle: RP
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